Wann ist mein Kind reif für ein Smartphone?

01.03.2019
Kinder wollen irgendwann ein Smartphone. Ihnen dies zu verbieten, kann sie an den Rand stellen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für den Minicomputer mit Zugang zum Internet? Medienpädagogin Kristin Langner gibt Ratschläge.
Der Konsum elektronischer Medien ist bei Kindern beliebt. Foto: Hans-Jürgen Wiedl
Der Konsum elektronischer Medien ist bei Kindern beliebt. Foto: Hans-Jürgen Wiedl

Berlin (dpa/tmn) - Tippen, wischen, surfen - auch Kinder wollen die Möglichkeiten eines Smartphones nutzen. Doch viele Eltern sind sich nicht sicher: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Mini-Computer im Hosentaschen-Format?

«Da es sich in der Tat um einen eigenen kleinen Computer handelt, sollten Kinder bereits Surf-Erfahrungen haben und auch die vielen komplexen Funktionen des Gerätes kennen. Welche sind unbedenklich, und wo lauern die Stolperfallen?», sagt Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative «Schau Hin! Was dein Kind mit Medien macht». Kinder sollten zum Beispiel in etwa wissen, welche Inhalte im Netz geteilt werden dürfen und welche nicht. Welche Fotos darf man verbreiten? Wie tappt man nicht in Abo-Fallen?

«Solche Dinge können Kinder in der Regel mit elf, zwölf Jahren wissen - vorausgesetzt, die Eltern waren zuvor begleitend aktiv», so Langer. Allerdings habe jedes Kind seinen eigenen Rhythmus. So könne es passieren, dass ein Grundschüler sich von einem Smartphone gestresst fühlt, weil er so viele Nachrichten zu beantworten hat. Auch die Angst, so ein teures Gerät zu verlieren oder gegen ein Handyverbot in der Schule zu verstoßen, könnte Stress auslösen.

Doch was, wenn alle Klassenkameraden schon vor dem zehnten Geburtstag ein Smartphone haben - und Kinder ohne damit vom Klassenchat ausgeschlossen wären? «Dann gilt es, bestimmte Regeln aufzustellen, etwa WLAN nur zu Hause und kein freies Internet für unterwegs, bestimmte Anwendungen wie Bluetooth und GPS ganz sperren», rät Langer. Kann man dem Kind dann nicht gleich ein altes Handy vermachen, das nur telefonieren kann? «Das wiederum könnte das Kind an den Rand stellen. Ein Nur-Telefon-Handy ist nun mal kein Statussymbol.»

Gegen überbordende Ansprüche auf das neueste Modell helfe nur eine schmerzhafte finanzielle Selbstbeteiligung des Kindes, findet Langer. «Und auf jeden Fall ein Smartphone ohne Vertrag. Mit einer aufladbaren Karte lernen die Kinder besser zu haushalten.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eltern sollten gut überlegen, ob ihr Kind schon reif für ein Smartphone ist. Foto: Ole Spata Ein Smartphone fürs Kind: Wann ist die Zeit reif? Sollte mein Kind schon ein Smartphone bekommen? Diese Frage werden sich Eltern stellen, wenn sich ihre Kinder ein Handy zu Weihnachten wünschen. Praktisch wäre eine Altersempfehlung. Doch Experten können diese nicht geben. Andere Kriterien sind wichtiger.
Ein Richter kann Kindern die Nutzung eines Smartphones nicht ohne Weiteres untersagen. Zunächst müsse die Schädlichkeit festgestellt werden, so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Foto: Hans-Jürgen Wiedl Gericht kann Kind die Handy-Nutzung nicht einfach verbieten Ein Smartphone und bestimmte Webseiten sind für Kinder nicht ganz ungefährlich. Es obliegt aber den Eltern, Regeln für die Mediennutzung aufzustellen. Ein Gericht darf sich nicht einfach einmischen - es sei denn, das Kind nimmt sonst Schaden.
In vielen Familien ist das Putzen der Milchzähne ein täglicher Kampf. Feste Rituale und ein spielerischer Ablauf können die Situation entspannen. Foto: Patrick Pleul So werden kleine Zahnputzmuffel ausgetrickst Zweimal am Tag und mindestens drei Minuten, so lauten die Empfehlungen deutscher Zahnärzte. Doch die Realität sieht bei vielen Familien anders aus. Die Zeitschrift «Eltern family» gibt Tipps, wie Eltern Streit ums Zähneputzen vermeiden können.
Gratis loslegen, später Extras kaufen: So funktionieren immer mehr Online-Spiele. Foto: Patrick Pleul Kostenfalle Handy-Spiel: So umgehen Eltern teure Rechnungen Kinder spielen gern - und im digitalen Zeitalter auch mit PC und Smartphone. Die sind manchmal tückisch. Denn für einige Spiele müssen Kinder tief ins Portemonnaie greifen - beziehungsweise in das ihrer Eltern. Ein Fall hat jetzt der Bundesgerichtshof verhandelt.