Wann es Pflegegeld steuerfrei gibt

30.10.2020
Wer bei sich Zuhause ein Kind oder einen Jugendlichen aufnimmt und intensiv betreut, kann Pflegegeld von der Jugendhilfe bekommen - manchmal gibt es die Unterstützung sogar steuerfrei.
Wer Minderjährige bei sich im Haushalt aufnimmt und betreut, kann steuerfrei Pflegegeld bekommen. Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn
Wer Minderjährige bei sich im Haushalt aufnimmt und betreut, kann steuerfrei Pflegegeld bekommen. Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn

München/Berlin (dpa/tmn) - Pflegegeld stammt aus den öffentlichen Mitteln der Jugendhilfe. Die finanzielle Unterstützung erhalten Personen, die bei sich zuhause einen verhaltensauffälligen Minderjährigen aufnehmen und umfangreich betreuen.

Unter bestimmten Voraussetzungen muss man das Pflegegeld nicht versteuern. Wichtig ist, dass man nur ein Kind oder einen Jugendlichen zeitlich unbefristet im Haushalt aufnimmt und umfassend intensiv sozialpädagogisch betreut. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs (Az.: VIII R 27/18).

Über den Fall berichtet die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV): Ein ausgebildeter Erzieher betreute immer einen verhaltensauffälligen Minderjährigen in seinem Haushalt. Dafür bekam er zwischen 3000 und 3600 Euro pro Monat aus öffentlichen Mitteln. Das Finanzamt und später das Finanzgericht meinten, er habe erwerbsmäßig Pflegeleistungen erbracht. Das Pflegegeld sei anders als bei der Vollzeitpflege nicht steuerfrei. Der Mann klagte.

Der Bundesfinanzhof gab dem Erzieher Recht. Maßgeblich für die steuerliche Einordnung seien Inhalt und Durchführung des Pflegeverhältnisses. Die verhaltensauffälligen Minderjährigen lebten bei ihm wie bei einer Vollzeitpflege in der häuslichen Gemeinschaft. Der Steuerfreiheit der Bezüge stehe auch nicht entgegen, dass die Bezüge über den Regelsätzen für die Vollzeitpflege lagen.

Auch bei einer Vollzeitpflege werde ein Pflegegeld aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Dieses sei steuerfrei. Denn mit dem Geld werde der sachliche und zeitliche Aufwand der Pflegeeltern vollständig kompensiert, noch die Pflegeleistung vergütet.

© dpa-infocom, dpa:201030-99-144928/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Pflegebedürftige erhalten einen Entlastungsbetrag. Er lässt sich etwa für Tages- und Nachtpflege nutzen. Die Rechnungen hierfür sind bei der Pflegekasse einzureichen. Foto: Tom Weller/dpa Entlastungsbetrag gibt es nur gegen Rechnungen Wer einen Pflegegrad hat, bekommt Pflegegeld oder Sachleistungen. So weit, so klar - doch dazu gibt es noch mehr Unterstützung, die gerne vergessen wird: die Entlastungsleistungen.
Wenn Vater, Mutter oder Ehepartner pflegebedürftig werden, verändert sich das Leben der Angehörigen oft komplett: Neben der Pflege bleibt oft nicht viel Anderes. Nun sollen es die Betroffenen zumindest etwas leichter haben. Foto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa Häusliche Pflege soll einfacher werden Häusliche Pflege - Angehörige gehen dabei täglich an ihre Grenzen und darüber hinaus. Und für digitale Helfer müssen die Betroffenen meist selbst zahlen. Neue Vorstöße zielen auf spürbare Vereinfachungen ab.
Auch einige Apps bieten einen Weg durch die Steuererklärung. Sie sprechen vor allem ein junges Publikum mit unkomplizierten Steuerfällen an. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Steuerprogramme führen durch den Zahlendschungel Die Steuererklärung ist für die meisten Menschen eine Qual. Können ihnen Programme, Apps und das Internet die Last nehmen oder die Pflichtübung zumindest ein wenig eträglicher machen?
Bei einer Tagespflege wohnen Pflegebedürftige weiter zu Hause und verbringen den Tag oder Teile davon in einer Einrichtung. Foto: Jens Büttner/zb/dpa So funktioniert die Tages- und Nachtpflege Noch nicht ins Pflegeheim - aber zu Hause geht es auch nicht mehr? Dann ist eine Tages- oder Nachtpflege eventuell die Lösung. Die Kosten dafür übernimmt die Pflegekasse, zumindest teilweise.