Vorsicht bei bestimmten Harndrang-Medikamenten

06.10.2020
Sie lindern den ständigen Drang, auf die Toilette gehen zu müssen, doch können zulasten des Gedächtnisses gehen: Nicht nur Menschen mit Demenz und Parkinson sollten manche Arzneimittel lieber meiden.
Ständig «muss» man: Starker Harndrang ist eine besonders belastende Form der Blasenschwäche. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Ständig «muss» man: Starker Harndrang ist eine besonders belastende Form der Blasenschwäche. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Bonn (dpa/tmn) – Verschiedene Medikamente können Harndrang deutlich abmildern. Doch manche bergen für ältere Menschen womöglich unerwünschte Nebenwirkungen. Davor warnt die Deutsche Seniorenliga.

Viele Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Anticholinergika beeinflussen die Leistung des Gedächtnisses demzufolge negativ – für Menschen mit Demenz oder Parkinson seien darum nur Anticholinergika geeignet, die nicht ins Hirn gelangen. Dieser Hinweis gelte auch generell für Menschen im hohen Alter.

Der Hintergrund: Um übersteigerten Harndrang zu lindern und das Fassungsvermögen der Blase zu erhöhen, hemmen diese Medikamente den Botenstoff Acetylcholin und beheben so die gestörte Signalübertragung zwischen Blasenmuskel und Gehirn, wie die Seniorenliga erklärt.

Acetylcholin komme aber nicht nur in der Blase, sondern überall vor, wo Nervenzellen sind – also auch im Gehirn: «Anticholinergika, die über die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem gelangen, können daher das Denkvermögen beeinträchtigen.»

Für Menschen mit Gedächtnisstörungen, Parkinson oder Demenz eigneten sich deshalb nur Wirkstoffe, die aufgrund ihrer Molekülstruktur die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Damit der Arzt das korrekte Medikament gegen Harndrang verschreiben kann, sollten Patienten solche Grunderkrankungen unbedingt ansprechen.

© dpa-infocom, dpa:201006-99-843634/2

Mitteilung Deutsche Seniorenliga


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Viele Frauen kennen es: Blasenschwäche. Doch mit Sport und einenm trainierten Beckenboden kann man vorbeugen. Foto: Caroline Seidel Blasenschwäche: Stärkung des Beckenbodens hilft Oft leiden Frauen darunter: Unter Blasenschwäche oder gar Entzündungen. Mit einem trainierten Beckboden kann man dem gut entgegenwirken. Doch bei der Wahl der Sportart sollte man gut aufpassen.
Wenn Senioren an einer Blasenschwäche leiden und einen Arzt aufsuchen, sollten sie sich vorher auf wichtige Fragen vorbereiten. Foto: Rolf Vennenbernd Bei Blasenschwäche gut auf erstes Arztgespräch vorbereiten Manche Menschen merken im höheren Alter, dass sie öfter als früher zur Toilette gehen müssen. Die Ursache dafür kann eine schwache Blase sein. Darüber sollten Senioren unbedingt mit ihrem Arzt sprechen.
Melonen enthalten sehr viel Flüssigkeit. Foto: Inga Kjer Tomaten und Wassermelonen: Diese Sorten wirken harntreibend Wenn die Temperaturen steigen, sind Wasser- und Honigmelone eine gute Erfrischung. Auch Tomaten oder Gurken werden dann gerne gegessen. Menschen mit einer Blasenschwäche sollten diese Sorten allerdings mit Bedacht essen.
Ist der Mund trocken, hilft ein Schluck Wasser oder ein zuckerfreies Bonbon. Foto: David Ebener Zuckerfreie Bonbons: Mundtrockenheit entgegenwirken Das fühlt sich unangenehm an: Der Mund ist trocken, die Zunge klebt quasi am Gaumen. Das muss aber nicht sein, denn es gibt einfache Hilfsmittel gegen Mundtrockenheit.