Vor allem Frauen übernehmen in Krise zusätzliche Betreuung

14.05.2020
Wenn Kinder nicht in die Schule oder Kita gehen können, sind es überwiegend die Mütter, die ihre Betreuung übernehmen und dafür oft ihre Erwerbsarbeit reduzieren. So lautet das Fazit einer Studie. Die Autorinnen erklären auch, warum das so ist.
Berufstätige Mütter in Deutschland haben einer Studie zufolge in der Corona-Krise deutlich häufiger ihre Arbeitszeit für die zusätzliche Kinderbetreuung reduziert als Väter. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Berufstätige Mütter in Deutschland haben einer Studie zufolge in der Corona-Krise deutlich häufiger ihre Arbeitszeit für die zusätzliche Kinderbetreuung reduziert als Väter. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Düsseldorf (dpa) - Die in der Corona-Krise zusätzlich anfallende Betreuung von Kindern wird hauptsächlich von Frauen geleistet. Das ist das Ergebnis einer Studie, des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

«Die Pandemie legt nicht nur problematische Ungleichheiten in den wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten offen, sie verschärft sie oft noch», warnt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch. Die ungleiche Aufgabenverteilung könne die Lohnungleichheit langfristig verstärken. Die Forscherinnen ließen für die Auswertung im April mehr als 7600 Erwerbstätige online befragen.

Weil Kitas und Schulen wochenlang geschlossen waren und der Regelbetrieb noch in weiter Ferne liegt, müssen etliche Kinder zuhause betreut und unterrichtet werden. Es sind der Studie zufolge vor allem Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um dieser Aufgabe nachzukommen - nämlich 27 Prozent der befragten Mütter mit Kindern unter 14 Jahren, aber nur 16 Prozent der Väter. Bei Haushalten mit kleinen oder mittleren Einkommen ist dieser Effekte den Forscherinnen zufolge besonders stark ausgeprägt.

Die Schlussfolgerung der Studie lautet: Familien mit wenig Geld könnten es sich häufig nicht leisten, auf das - meist höhere - Gehalt des Mannes zu verzichten. «Paare, die sich so verhalten, handeln individuell unter dem Druck der Krisensituation kurzfristig oft rational. Sie sehen ja derzeit keine Alternative», so Kohlrausch. Dies könnte sich auch langfristig auswirken, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise noch länger spürbar bleiben und Frauen möglicherweise nicht wieder zur vorherigen Arbeitssituation zurückkehren können.

Auch die Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung hat durch Corona der Studie zufolge spürbar gelitten: Von Paaren, die vor der Krise die Betreuung fair geteilt hatten, gaben nun nur noch rund 60 Prozent an, das weiterhin zu tun. Bei 30 Prozent übernahmen hingegen die Frauen mehr Sorgearbeit und nur bei 10 Prozent die Männer. Auch hier ist die Ungleichheit bei Haushalten, die netto weniger als 2000 Euro zur Verfügung haben, noch stärker ausgeprägt.

Mitteilung des WSI


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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