Vollfett oder fettarm: Welche Milch macht's?

20.01.2021
Kaffee nur mit Vollmilch, sagen die einen. Immer nur fettarm, halten die anderen dagegen. An der Wahl der Milch können sich lange Debatten entfachen. Wer hat am Ende Recht? Der Versuch einer Antwort.
Milch liefert dem Körper Proteine, Vitamine und Mineralstoffe. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Milch liefert dem Körper Proteine, Vitamine und Mineralstoffe. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

München/Bonn (dpa/tmn) - Die Frage nach der besten Milch ist für viele Menschen eine Prozentfrage - 3,5 oder 1,5? Manche behaupten, Vollmilch schmeckt besser und ist gesünder. Andere reklamieren das für die fettarme Variante - wobei die wohl eher den gesundheitlichen als den geschmacklichen Aspekt betonen dürften.

Die Frage, welche der beiden in Deutschland meistkonsumierten Milchvarianten die bessere ist, wird nicht nur an den Küchentischen der Republik diskutiert - sie beschäftigt sogar die Wissenschaft.

Bei einer Untersuchung von Kindern zwischen ein und sechs Jahren kamen kanadische Forscher vor etwa vier Jahren beispielsweise zum recht überraschenden Ergebnis, dass der Konsum fettarmer Milch bei Kindern womöglich das Risiko für Übergewicht erhöht und sie folglich eher Vollmilch trinken sollten. Allerdings schränkten die Autoren die Aussagekraft ihrer Studie selbst massiv ein, vor allem mit Blick auf den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem Fettgehalt der Milch und dem Body-Mass-Index der Kleinen.

Auch insgesamt ist die Datenlage dünn. 2014 bewertete das Max-Rubner-Institut, welches sich als Bundesforschungsinstitut wissenschaftlich mit gesunder Ernährung auseinandersetzt, Milch und daraus hergestellte Produkte wie Käse oder Joghurt - und beschäftigte sich dabei auch mit der Frage, ob Vollmilch oder fettarme Milch aus gesundheitlicher Sicht besser ist.

Die Antwort fiel ernüchternd aus: Keine differenzierte Bewertung möglich, weil die Anzahl an entsprechenden Studien zu mager ist.

Die nackten Zahlen

Bleibt ein Blick auf die nackten Zahlen: Vollmilch hat mehr als doppelt so viel Fett wie fettarme Milch und zwar im Schnitt 3,57 Gramm im Vergleich zu 1,6 Gramm pro 100 Gramm - wenig überraschend, denn das verraten schon die Prozentangaben auf der Verpackung. Entsprechend liefert Vollmilch mehr Kalorien, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ( DGE). Beim Protein-, Laktose- und Kalziumgehalt nehmen sich beide nichts.

Interessant ist der Blick auf die Vitamine. Hier bringt der höhere Fettgehalt der Vollmilch Vorteile, weil die Vitamine A, D, E und K fettlöslich sind - und ihr Gehalt in Vollmilch deshalb wesentlich höher ist als in fettarmer Milch.

«Das ist eigentlich auch der einzige wesentliche Unterschied zwischen den beiden Milcharten», sagt der Ernährungswissenschaftlicher und Buchautor Malte Rubach.

Vorteil für die Vollmilch?

Die Schweizer Milchproduzenten, Swiss Milk, fällen trotzdem ein klares Urteil: Es sei nicht von Nutzen, «auf fettreduzierte Produkte auszuweichen». Fett sei außerdem ein wichtiger Geschmacksträger. Soll wohl heißen: Vollmilch schmeckt auch besser.

Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten könnte man darüber hinaus noch fragen, was mit dem Fett passiert, dass der fettarmen Milch entzogen wird? Würde es entsorgt werden, spräche das wohl für Vollmilch. Doch Malte Rubach kann Entwarnung geben: «Das Fett, das nicht gebraucht wird, wird in der Regel zur Herstellung von Butter genutzt.» Von der Substanz gehe da nichts verloren.

Er nennt zudem einen guten Grund dafür, im Supermarktregal lieber fettarme Milch in den Einkaufswagen zu packen. «Natürlich kann man auch so argumentieren, dass einige Kalorien aus der Vollmilch bei Menschen mit Gewichts- und Blutfett-Problemen unnötig sind.»

Die Rolle des Lebensstils

Grundsätzlich bevorzugen jene Menschen, die insgesamt bewusster und gesünder leben, eher fettarme Milch, schreibt das Max-Rubner-Institut in seiner Analyse noch. Auch das erschwert übrigens den objektiven Vergleich der gesundheitlichen Wirkung der beiden Milcharten.

Also, was nun - 1,5 oder 3,5 Prozent?

Für Ernährungswissenschaftler Rubach ist das keine Frage, die sich wirklich stellt, sofern man sich ausgewogen ernährt: «Man sollte eh nicht jeden Tag einen Liter Milch trinken, sondern ein kleines Glas. Da ist man weder bei fettarmer noch vollfetter Milch gefährdet, zu wenig Vitamine oder zu viel Kalorien aufzunehmen.»

© dpa-infocom, dpa:210119-99-85692/5

Studie aus Kanada zu Milchkonsum von Kindern (engl.)

Max-Rubner-Institut: Bewertung von Milch und Milchprodukten

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Empfohlene tägliche Milchmenge

Konsumzahlen des Milchindustrie-Verbandes

Swiss Milk zu den Milcharten

Die empfohlene Tagesportion Milch

Erwachsene sollten nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich 200 bis 250 Gramm Milch oder Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder Buttermilch konsumieren. Dazu kommen 50 bis 60 Gramm, also zwei Scheiben, Käse. Dadurch erhalte der Körper gut verfügbares Protein und zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine Tasse Capuccino steht in einem Cafe auf einem Tisch. Foto: Daniel Karmann Vollmilch: Das sorgt für cremigen Milchschaum Ein Capuccino oder Latte Macchiato ist für viele Genuss pur. Vor allem wenn die Milch schön cremig ist, schmeckt der Muntermacher lecker. Aber was eignet sich dafür besser: Fettarme Milch oder Vollmilch?
Experten empfehlen, tierische und pflanzliche Eiweiße zu kombinieren. Klassiker sind etwa Pellkartoffeln mit Quark. Foto: Andrea Warnecke Zentraler Baustein: Wie Eiweiß die Ernährung wertvoll macht Eiweiß gilt spätestens seit dem Aufkommen der sogenannten Low-Carb-Diät als Wundermittel. Proteine sollen schlank und gesund machen und dabei helfen, das Gewicht zu halten. Wichtig ist wie so oft: Die Mischung macht's.
Wer sie mag, greift am besten zu dunkler Schokolade: Sie enthält weniger Zucker und kann sogar zu hohe Cholesterinwerte senken. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn Günstige Bitterschokolade überzeugt im Geschmackstest Knackig, herb und dunkel: Wem Vollmilchschokolade zu süß ist, der greift gerne zur bitteren Variante. Gute Idee! Denn die Riegel mit dem hohen Kakaogehalt sind auch noch gut für die Gesundheit.
Beeren und Müsli sind eine gute Idee zum Frühstück, allerdings keine Fertig-Cerealien. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Was ein gesundes Frühstück ausmacht «Mit leerem Magen gehe ich nicht aus dem Haus» oder «Morgens kriege ich nichts runter» - beim Thema Frühstück scheiden sich die Geister. Feststeht: Wenn man frühstückt, dann bitte richtig.