Tschüss Grünkohl, hallo Seetang: Neue Trends aus den USA

21.01.2016
Supersize-Portionen und Cheese-Pizza sind die eine Seite, Seetang und Powerfrüchte die andere: Die US-Küche hat viele Gesichter - und 2016 kommen ein paar neue hinzu.
In den USA liegen fermentierte Lebensmittel im Trend. Koreanisches Kimchi wird etwa per Milchsäuregärung bekömmlich gemacht. Foto: Steffen Trumpf
In den USA liegen fermentierte Lebensmittel im Trend. Koreanisches Kimchi wird etwa per Milchsäuregärung bekömmlich gemacht. Foto: Steffen Trumpf

Washington (dpa) - Nichts als fettige Hamburger und Käsemakkaroni? Das war einmal. Immer mehr Amerikaner entdecken die Vorzüge gesünderen Essens im Alltag - vorausgesetzt, sie können es sich finanziell leisten. So soll Fast-Food gesünder werden.

Wer unter den Ernährungsbewussten immer noch auf dem fast unvermeidlichen Grünkohl, hier schlicht Kale (Kohl) genannt, herumkaut, ist fast schon von gestern. Ein Überblick über neue Ernährungstrends in den USA:

Seetang: Das ist angeblich der neue Kale. Die sattgrünen Meerespflanzen waren bislang dem Sushi vorbehalten. Jetzt sollen sie den Grünkohltrend ablösen, der seit Jahren einen harmlosen Cesar's Salad zu einer, nun ja, ungewöhnlichen Geschmackserfahrung machen kann. Allein der Kochblog der «New York Times» trägt dem Kale-Trend - heiß, kalt oder als Smoothie - mit 200 Rezepten Rechnung. Ob Seetang, der von Ernährungsbewussten für seine Ballaststoffe, Antioxidantien und hohen Jodgehalt gepriesen wird und bei seiner Produktion keine Treibhausgase erzeugt, da rankommt? 2016 wird es zeigen. Seetang-Snackriegel und Streifen mit Schinkengeschmack zum Frühstück sind zumindest im Angebot.

Schalen: Teller, Gabel, Messer? Nicht, wenn's auch in der Schale geht. Ob Suppen, Asia-Mix, Salate oder morgendliche Kornbreie zum Smoothie-Becher: In der Schale scheint alles irgendwie überschaubar, nicht zu groß portioniert und appetitlich drapiert. Dieser Trend kommt nicht zuletzt der Vorliebe vieler Amerikaner entgegen, ihr Essen «casual» - via Gabel oder Löffel mit nur einer Hand - zu sich zu nehmen.

Acai-Beeren : Auch diese aus Brasilien stammende, vitaminstrotzende Powerbeere kommt in die Schale - meist in Kombination mit anderen Früchten und Getreideflocken als eine Art Müsli. Surfer entdeckten sie und brachten sie schon vor Jahren an die US-Westküste - jetzt erlebt sie ein Revival und ist in aller Munde. Vor allem bei denjenigen, die an die Versprechungen von «Super-Gemüsen» oder «Super-Früchten» glauben.

Nicht-Kuh-Milch: Mandel- und Hafermilch sind als Alternative zur Kuhmilch für Laktose-Unwillige ja schon alte Bekannte. Jetzt gesellen sich Varianten aus Cashew, Macadamia, Walnuss oder sogar Pistazien dazu und füllen die Kühltheken - nicht nur im Biomarkt. Die Nachfrage steigt, der Umsatz auch.

Gesünderes Fast-Food : Gleich mehrere Ketten, wie Chipotle oder Panera Bread, haben sich verpflichtet, auf künstliche Zusatzstoffe, Konservierungsstoffe oder genveränderte Produkte zu verzichten. Auch Eier aus Käfig-Haltung sind für viele Tabu. In DC, Maryland und Virginia bietet eine Diner-Kette klassische Burger nur mit regionalen Zutaten an - und dazu als Alternative eine Gemüse umfassende «schlanke Karte» mit Gerichten unter 600 Kalorien. Andere Ketten integrieren den Low-Carb-Trend, indem sie Burger auf Wunsch kurzerhand in Salatblättern servieren.

Die Farbe Lila: Philippino-Cuisine ist bei «Foodies» angesagt. Und dabei sticht vor allem eine philippinische Yam-Knolle, Ube genannt, heraus. Sie leuchtet in knalligem violett und gibt auch Käsekuchen oder handgemachtem Eis einen ungewohnten farblichen Kick. Für den, der's mag.

Gemüse ist mein Fleisch: Angst vor Hormonbelastung und hohe Preise für Qualitätsfleisch tun das ihrige hinzu, um auch in Nicht-Vegetarier-Restaurants Gemüse und Hülsenfrüchten mehr Platz auf dem Teller zu verschaffen. Letztere liefern Proteine. Erstere werden auch schon mal als kohlenhydratarme Alternative zu Nudeln serviert - spiralförmig aus Zucchini oder Kürbis zu einer Art Spaghetti geschnitzt. Pasta für nicht allzu Hungrige.

Saurer Kick: Saure Gürkchen als In-Food? Unbedingt. Fermentierte Lebensmittel sind gerade gefragt. Egal ob nun eingelegte Mixed Pickles oder koreanisches Kimchi, eine auf Milchsäuregärung basierende Zubereitungsart für Gemüse. Selbst Sauerkraut wird da sexy. Manche stellen es mit Kimchi eigenhändig her und preisen den hohen Vitamin-C-Gehalt, der vor Wintererkältungen schützen soll.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Salzstangen-Auflauf liegt während der Show von Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein auf dem Tisch. Foto: Christina Storz Das Phänomen der Foodblogs Die einen veröffentlichen vegane Köstlichkeiten, die anderen die absurdesten Rezepte, die das Netz zu bieten hat: Mit Foodblogs kann man nicht nur auf fremde Teller blicken, sondern auch auf die Gesellschaft.
In den USA gibt es mittlerweile über 100 typische Döner-Läden. Foto: Johannes Schmitt-Tegge Döner in USA: «Beliebtestes Hand-Essen Deutschlands» Aus deutschen Innenstädten ist der Döner Kebab nicht wegzudenken, Currywurst gilt nicht nur in Berlin als kulinarischer Klassiker. Aber wie bekannt sind Snacks vom deutschen Imbiss unter Amerikanern, die bei «German food» meist an Braten, Brezn und Bierzelt denken?
Miriam Milord entwirft in ihrem New Yorker Laden «BCakeNY» die verrücktesten Back-Kunstwerke. Foto: Stephanie Ott Deutsche versorgt Promis in New York mit Kuchen Ob Justin Bieber, Rihanna oder der Kardashian-Klan - Miriam Milord hat für sie alle schon Kuchen gebacken. Die Düsseldorferin entwirft in ihrem New Yorker Laden die verrücktesten Back-Kunstwerke. Was im Internet vor allem nach buntem Spaß aussieht, ist harte Arbeit.
Die Restaurant-Kritiker des «New York Magazine», Alan Sytsma (l) und Adam Platt, testen New Yorks Food-Szene. Foto: Christina Horsten/dpa Neue Trends: New Yorker Restaurantkritiker erzählen Ob Cronut oder Rainbow Bagel: Warum kommen so viele Food-Trends aus New York? Und soll man da mitmachen? Bloß nicht, sagen die Restaurantkritiker, deren Magazin den Cronut einst entdeckt hat. Und berichten vom Job in einer der verrücktesten Food-Städte der Welt.