Tipps für Eltern bei Cybermobbing

02.12.2020
Über den Klassenchat sind peinliche Bilder oder Beleidigungen schnell verschickt. Werden Kinder im Netz gemobbt, sollten Eltern vor allem zu ihnen halten - und sich Vorwürfe verkneifen.
Gemeine Botschaften verbreiten sich schnell über Handychats. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
Gemeine Botschaften verbreiten sich schnell über Handychats. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Düsseldorf (dpa/tmn) - Andere ausgrenzen, ungefragt Bilder herumschicken oder sich gegen einen Mitschüler verbünden: Durch Handy-Chats und Social Media ist Cybermobbing 24 Stunden am Tag möglich.

Laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse und des Bündnisses gegen Cybermobbing sind zwei Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland davon betroffen. Das zeigt eine Befragung von rund 6000 Eltern, Lehrern und Kindern.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind gemobbt wird - oder selbst zum Täter wird? Die EU-Initiative Klicksafe gibt folgende Tipps:

- Beweise sichern: Wenn Kinder direkt beleidigende Nachrichten oder Bilder zugeschickt bekommen, ist es wichtig, dies zu dokumentieren - zum Beispiel über Screenshots oder das Speichern von E-Mails. So kann das Mobbing später belegt werden.

Tauchen kompromittierende Inhalte auf Internetseiten auf, können Eltern den Betreiber der Plattform auffordern, diese zu entfernen. Sofern die jeweilige Plattform eine Meldefunktion bietet, sollte diese zuerst genutzt werden. Falls der Plattformbetreiber nicht reagiert, können zivil- und strafrechtliche Mittel angewandt werden.

Gibt es keine Meldefunktion, und der Betreiber des jeweiligen Dienstes hat auch keinen Sitz in Deutschland oder Europa, wird es allerdings sehr schwierig, ihn rechtlich mit in die Verantwortung zu nehmen.

Problematisch sind auch Inhalte, die über Apps versendet werden. Denn dann liegen Bilder oder Nachrichten nicht mehr nur auf dem Server des Anbieters - sie befinden sich zusätzlich auf allen angeschriebenen Geräten. Ein Löschen über den Anbieter oder den ursprünglichen Absender ist so nicht mehr möglich.

- Verbündete suchen: Um Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit entgegenzuwirken, sind Freunde, Bekannte und erwachsene Vertrauenspersonen eine wichtige Unterstützung. Sie können sich auch im Internet für das Opfer stark machen, indem sie beleidigende Bilder oder Videos eindeutig ablehnend kommentieren. Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie zu ihm halten.

- Kühlen Kopf bewahren: Erfahren Eltern, dass ihr Kind selbst andere mobbt, sind viele zunächst geschockt. Dann sollten sie aber möglichst vorurteilsfrei mit ihm sprechen, um mögliche Beweggründe herauszufinden. Warum ist das Kind zum Cybermobber geworden? War es vielleicht selbst bereits Opfer von Mobbing? Steht es unter dem Druck der Clique? Hat es selbst ein Problem, das es mit diesem aggressiven Verhalten versucht zu überdecken?

Wichtig ist auch, dem Kind klar zu machen, was es mit seinem Verhalten anrichtet. Hierbei hilft es, sich vorzustellen, wie man selbst auf solche Handlungen reagieren würde (Perspektivenwechsel). Man kann seinem Kind auch erklären, wie entsetzt man wäre, wenn es selbst Opfer dieser Angriffe geworden wäre.

© dpa-infocom, dpa:201202-99-544963/2

Bündnis gegen Cybermobbing


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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