Spaziergänge halten fit - auch im Kopf

26.06.2019
Frische Luft, neuer Schwung für den Kreislauf, etwas Training für die Muskulatur: Ein Spaziergang tut auf vielfätige Weise gut. Auch das Gehirn profitiert davon. Vor allem, wenn man währenddessen noch ein paar Rätsel löst - oder rückwärts buchstabiert.
Hauptsache raus: Der tägliche Spaziergang ist gesund für Körper und Geist - selbst wenn er nur zehn Minuten dauert. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Hauptsache raus: Der tägliche Spaziergang ist gesund für Körper und Geist - selbst wenn er nur zehn Minuten dauert. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Wien (dpa/tmn) - Eine Runde um den Block ist gesund für Körper und Geist. Vor allem Ältere sollten daher am besten täglich spazieren gehen - auch wenn es nur zehn Minuten sind. «Die schafft man eigentlich immer, auch wenn das Knie zwickt oder es regnet», sagt die Medizinerin und Buchautorin Katharina Turecek.

«Es geht vor allem darum, die Tage wegzubekommen, an denen man sich gar nicht bewegt - die sind gefährlich.» Denn die Forschung zeigt: «Wer rastet, der rostet» ist mehr als nur ein Sprichwort. «Ausdauersport optimiert die Durchblutung im Gehirn, gleichzeitig werden aber auch Wachstumshormone ausgeschüttet und neue Nervenzellen gebildet», erklärt Turecek. «Bewegung verbessert so kurzfristig die Aufmerksamkeit, aber auch langfristig die Merkfähigkeit.» Umgekehrt kann Inaktivität dafür sorgen, dass die Merkfähigkeit abnimmt - vor allem im Alter.

Und warum dann spazieren gehen oder Fahrrad fahren - aber nicht zum Beispiel richtig joggen? «Grundsätzlich ist jeder Ausdauersport gut für das Gehirn, moderate Bewegung ist aber am besten», sagt Turecek. «Denn wenn es in den Leistungsbereich geht, Richtung Marathon zum Beispiel, dann werden durch die Belastung auch wieder Stresshormone ausgeschüttet - das ist dann eher kontraproduktiv.»

Nach einer Studie aus den USA können Spaziergänge sogar bei der Demenzprävention helfen, erklärt die Expertin. Denn das Gehirn hat einen eingebauten Jungbrunnen, der neue Nervenzellen bilden kann. Das tut der aber nur, wenn er angeregt wird. «Das geht einmal durch Lernprozesse, aber eben auch durch Bewegung», sagt Turecek.

Wer mag, kann daher sogar beides kombinieren - dafür hat Turecek den sogenannten Gehirnspaziergang entwickelt. «Die Idee dahinter ist, den klassischen Spaziergang mit Gehirnjogging zu verbinden - also verschiedenen Übungen für das Gedächtnis, für die Denkleistung oder für die Kreativität.»

Für ihr Buch «Gehirnspaziergang» hat Turecek verschiedene Varianten der Denk-Lauf-Kombination entwickelt - je nachdem, wo und wie man unterwegs ist. Die Ideen reichen vom Kopfrechnen und Buchstabieren bis zu Konzentrations- und Koordinationsaufgaben. «Man kann das gut zu zweit oder in der Gruppe machen», sagt Turecek. «Es gibt aber auch extra Gehirnspaziergänge für Solisten - dann auch mit philosophischen Fragen, die so ein bisschen zum Nachdenken und Grübeln einladen.»

Literatur:

Katharina Turecek: «Gehirnspaziergang: Schritt für Schritt geistig fit», Krenn 2018. 192 Seiten, 22,40 Euro. ISBN: 978-3990053317.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Sport in der Gruppe kann für Senioren auch gut sein, um andere Menschen kennenzulernen. Foto: Henning Kaiser Runter vom Sofa, ab zum Training: Im Alter mit Sport starten Sport ist Mord? Von wegen. Gesundheitliche, aber auch soziale Gründe sprechen für Sport - auch und gerade für Senioren. Nehmen Frauen und Männer im Alter erstmals ein Training auf, sollten sie sich vorher aber vom Arzt beraten lassen.
Auch Senioren können in Fitnessstudios etwas für Beweglichkeit und Kondition tun. Viele Studios haben dafür sogar eigene Kurse und Angebote. Foto: Halfpoint/Westend61 Welche Fitnessstudios sich für Menschen ab 65 eignen Mit dem Alter nimmt die Muskelmasse ab, der Körper wird steifer, die Hormone stellen sich um. Sport und Bewegung helfen dabei, diese Prozesse zu verlangsamen. Doch wie finde ich dafür das passende Fitnessstudio? Und was bringen spezielle Angebote für Ältere?
Nordic-Walking bei Arthrose hält die Gelenke beweglich. Foto: Monika Skolimowska/dpa Bei Knie-Arthrose aktiv bleiben Wenn bei starken Belastungen regelmäßig das Knie schmerzt, kann das an einer Arthrose liegen. Um die Beschwerden nicht zu verschlimmern, sollten Betroffene trotzdem nicht ganz auf Bewegung verzichten.
Senioren sollten sich nicht einfach aufs Abstellgleis begeben. Wer regelmäßig Sport treibt, beugt Altersschwäche vor. Foto: Felix Kästle/dpa Neue Herausforderungen halten im hohen Alter fit Aktivitäten im Alter schützen vor Gebrechlichkeit. Daher suchen sich Senioren am besten anspruchsvolle Beschäftigungen. Außerdem sollten sie ihre körperliche Fitness nicht vernachlässigen.