Sexuelle Erregung lässt sich im Atem nachweisen

03.05.2022
Der emotionale Zustand verändert unseren Atem: Wir kommunizieren also auch mit der Luft, die wir ausatmen und geben so indirekt Signale ab. Bei einem Versuch waren vor allem Männer messbar.
Ein junges Paar liegt im Bett. Laut einer Studie verändert sich unsere Atenzusammensetzung je nach emotionalem Zustand. Foto: Christophe Gateau/dpa
Ein junges Paar liegt im Bett. Laut einer Studie verändert sich unsere Atenzusammensetzung je nach emotionalem Zustand. Foto: Christophe Gateau/dpa

Mainz (dpa) - Sexuelle Erregung lässt sich einer Studie zufolge an der Zusammensetzung der Atemluft nachweisen. «Die Versuchspersonen atmeten weniger Isopren und Kohlendioxid aus, die Konzentration von Abbauprodukten bestimmter Neurotransmitter nahm hingegen zu».

Forscher hatten Probanden verschiedene Filmclips - darunter auch einen Erotikfilm - gucken lassen und analysierten dabei deren Atem, heißt es in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) in Mainz.

Die im Fachblatt «Scientific Reports» publizierten Ergebnisse könnten helfen, sexuelle Funktionsstörungen besser zu bewerten, hieß es. Allerdings haben an der Studie nur 24 Männer und Frauen mitgemacht. «Um die Aussagekraft insgesamt zu erhöhen, möchten wir die Studie mit einer größeren Zahl an Probanden wiederholen», sagt Giovanni Pugliese, Forscher beim MPIC.

Ergebnisse sind bei Männern deutlicher messbar

Die zwölf Frauen und zwölf Männer sahen sich im Research Laboratory on Human Sexuality, kurz SexLab, an der Universität Porto in zufälliger Reihenfolge verschiedene zehnminütige Filmclips an: eine Natur-Reisedokumentation, einen Horrorfilm, ein Fußballspiel und einen Erotikfilm.

Währenddessen wurde kontinuierlich ihr Atem auf mehr als 100 organische Verbindungen untersucht. Gleichzeitig maßen Forschende die sexuelle Erregung der Testpersonen, indem sie etwa einen Temperaturanstieg an den Genitalien ermittelten.

«Generell waren die Ergebnisse der Atemanalyse bei Männern eindeutiger als bei Frauen», sagt Pugliese. So beobachteten die Wissenschaftler bei Frauen nicht den gleichen Anstieg flüchtiger Substanzen wie bei Männern. Zudem waren manche Frauen durch die Erotikfilme nicht sonderlich erregt.

Die Idee zu der Studie hatte der Mainzer Atmosphärenforscher Jonathan Williams. Sein Team konnte bereits in früheren Untersuchungen zeigen, dass Menschen über Atem und Haut ständig chemische Signale in die Luft abgeben, die sich je nach emotionalem Zustand verändern können.

Die Max-Planck-Forschenden wollen auch der Frage nachgehen, inwiefern Menschen beim Sprechen, Küssen oder bei einer Umarmung flüchtige chemische Signale senden und ob das Gegenüber diese - bewusst oder unbewusst - wahrnimmt.

© dpa-infocom, dpa:220503-99-136224/3

Pressemitteilung des MPIC

Originalpublikation


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Viagra-Präparate enthalten den Wirkstoff Sildenafil. Er sorgt bei vielen für häufigere und längere Erektionen. Für Herzpatienten kann er aber gefährliche Nebenwirkungen haben. Foto: Heiko Wolfraum Das blaue Wunder im Bett: 20 Jahre Viagra Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil hilft gegen Höhenangst und hält Schnittblumen frisch. Vor allem aber unterstützt die blaue Pille seit zwei Jahrzehnten Millionen Männer mit Erektionsstörungen.
Bei verliebten Menschen sorgen die Hormone Dopamin und Phenylethylamin für Schmetterlinge im Bauch. Foto: Patrick Pleul Verliebtheit als Chemiecocktail Die Chemie muss stimmen. Das gilt vor allem für Verliebte. Der Hormoncocktail im Körper ist ziemlich entscheidend für die Erfolgsaussichten - aber längst nicht alles.
Vor 60 Jahren hatte die Antibabypille ihren Verkaufsstart in Deutschland. Foto: Annette Riedl/dpa Mythos und Meilenstein: 60 Jahre Pille in Deutschland Frauen können selbst entscheiden, ob sie beim Sex verhüten möchten. Das war nicht immer so - bis vor 60 Jahren eine kleine weiß-grüne Packung auf den Markt kam. Welche Rolle spielte sie in der sexuellen Revolution?
Nach Schätzungen infizieren sich in Deutschland 300.000 junge Menschen jährlich mit Chlamydien. Übertragen werden sie meist beim Sex. Doch nur wenige wissen von den Erregern. Foto: Christophe Gateau Zahl der sexuell übertragenen Infektionen steigt Das Sexleben vieler Menschen ist heute freier als auf dem Höhepunkt der Aids-Epidemie. Allerdings fehlt häufig das Bewusstsein, dass man sich schützen muss. Experten fordern mehr Aufklärung schon in der Schule.