Seelische Belastung: Männer und Frauen reagieren verschieden

08.10.2021
Der eine treibt exzessiv Sport, die andere zieht sich langsam zurück - die Anzeichen für psychische Probleme können ganz unterschiedlich ausfallen. Wichtig ist: Keine Angst haben, sich Hilfe zu holen.
Manchmal ist einfach die Luft raus - wer mit seelischen Belastungen und psychischen Problemen zu kämpfen hat, sollte sich professionelle Hilfe holen. Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn
Manchmal ist einfach die Luft raus - wer mit seelischen Belastungen und psychischen Problemen zu kämpfen hat, sollte sich professionelle Hilfe holen. Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Beim Umgang mit seelischen Belastungen und psychischen Erkrankungen gibt es oft Unterschiede zwischen Männern und Frauen. «Männer versuchen mehr, das nach außen loszuwerden», sagt der Psychiater Prof. Arno Deister. Frauen hingegen seien eher in der Lage, das Problem zum Thema zu machen und darüber zu reden - oftmals ziehen sich aber auch zurück.

Männer versuchten häufig, Dinge zu verbergen und kompensierten Gefühle teilweise auf destruktive Weise - etwa mit Alkoholkonsum. Auch die Gefahr von aggressiven Handlungen sei bei ihnen größer als bei Frauen, sagt Deister, der Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit ist.

Übertriebener Sport zählt ebenfalls zu den möglichen Anzeichen seelischer Belastung bei Männern: Sie gehen dann teils über ihre Grenzen hinaus in Bereiche, die nicht mehr gesund für sie sind.

Häufig Schuldgefühle bei Frauen

«Bei Frauen entwickeln sich doch etwas häufiger auch Angstsymptome, die dann oft stärker zum Rückzug führen», sagt Deister. Sie versuchten eher, das mit sich selbst auszumachen. Leider stelle sich bei ihnen oft das Gefühl ein, das nicht richtig zu machen und versagt zu haben. «Schuldgefühle entwickeln sich dann häufig», sagt Deister.

Unabhängig vom Geschlecht: Wenn es darum geht, sich professionelle Hilfe vom Psychiater oder der Psychologin zu holen, ist immer wieder Angst da, beobachtet der Experte. Aber diese sei nicht berechtigt.

Professionelle Hilfe als «mächtiges Instrument»

Aus Deisters Sicht haben mögliche Vorbehalte zum einen damit zu tun, dass sich viele Menschen schwer damit tun, über eigene Gefühle und Probleme zu reden. Ebenfalls eine große Rolle spiele, dass Betroffene das, was ihnen bei einer seelischen Belastungssituation widerfährt, oft nicht begreifen können. Das mache sie unsicher - auch in Hinblick darauf, was passiert, wenn sie sich Hilfe holen.

Deister hält es aber für wichtig, sich im Zweifel professionelle Unterstützung zu suchen. «Ich glaube, was wichtig ist zu wissen: Es geht um gar nicht so viel komplizierte Dinge. Es geht um Ernstnehmen, um Reden, um Zuhören, um gemeinsame Lösungen finden.» Das sei ein mächtiges Instrument, was Betroffene nutzen sollten.

© dpa-infocom, dpa:211007-99-518456/2

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Profil Prof. Arno Deister


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Männer, die an einer Depression leiden, sind oft auch dem Risiko einer Herzkreislauferkrankung ausgesetzt. Foto: Victoria Bonn-Meuser Depression macht auch das Herz krank Millionen Menschen leiden daran: Depression gilt als Volkskrankheit. Dabei kann die Seelennot auch aufs Herz schlagen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie hoch das Risiko für Männer sein kann.
Übermäßiger Alkoholkonsum wird nicht unbedingt mit Depressionen in Verbindung gebracht. Bei Männern ist zu viel Alkohol aber häufig ein Symptom der Erkrankung. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Wenn Männer depressiv werden Depressionen kommen bei Männern weniger häufig vor als bei Frauen. Nicht immer wird die Krankheit jedoch gleich erkannt, denn die Symptome unterscheiden sich. Männer reagieren häufig aggressiver, trinken mehr oder stürzen sich mit voller Kraft in die Arbeit.
Der Weg zu einer Psychotherapie beginnt mit einer Sprechstunde - hier wird der Bedarf des Betroffenen abgeklärt. Mitunter erfolgt auch schon eine erste Diagnose. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Der mitunter steinige Weg zur Psychotherapie Psychische Störungen brauchen eine gute Therapie. Doch das ist für gesetzlich Krankenversicherte leichter gesagt als getan. Denn die Plätze sind rar - und der Ablauf nicht leicht zu durchblicken.
Was tun, wenn einen die Diagnose Krebs ereilt? Nicht in eine Problem-Trance verfallen, rät Buchautorin Sabine Dinkel. Wer trotzdem lacht, hat es leichter, ist ihre Erfahrung. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Wie viel Einfluss die Psyche auf eine Krebs-Erkrankung hat Bekommen depressive Menschen häufiger Krebs? Machen Stress oder Unglück krank? Wissenschaftler sagen: Nein. Beim Umgang mit einer vorhandenen Krebserkrankung spielt die Psyche aber eine wichtige Rolle.