Pingeliges Essen bei Kindern wächst sich nicht immer raus

26.05.2020
Das mag ich nicht! Diesen Satz haben wohl alle Eltern schon einmal von ihren Kindern gehört. Aber wie lässt sich verhindern, dass der Nachwuchs fast gar kein Essen mehr anrührt? Forscher raten zu weniger Kontrolle.
Forscher raten Eltern, bei der Ernährung ihres Kindes weniger Kontrolle ausüben. Auf diese Weise können die Kleinen ein gesünderes Essverhalten entwickeln. Foto: Caroline Seidel/dpa
Forscher raten Eltern, bei der Ernährung ihres Kindes weniger Kontrolle ausüben. Auf diese Weise können die Kleinen ein gesünderes Essverhalten entwickeln. Foto: Caroline Seidel/dpa

Ann Arbor (dpa) - Kleine Kinder, die mäkelig essen, ändern dieses
Verhalten möglicherweise auch später nicht. Sorgen um ein zu geringes Körpergewicht, müssen sich Eltern meist dennoch nicht machen, wie eine neue Studie zeigt.

«Mäkelig essende Kinder gibt es häufig und Eltern hören dann oft,
dass sich das rauswachsen wird. Aber das stimmt nicht immer», sagte
die Verhaltenswissenschaftlerin und Kinderärztin Megan Pesch von der
University of Michigan.

Auch wenn ein Kind noch im Schulalter wählerisch beim Essen bleibe,
stünden die Chancen trotzdem sehr gut, dass es ein gesundes
Körpergewicht behalte, heißt es in einer Studie, die ein Team von
Wissenschaftlern um Pesch im Fachjournal «Pediatrics»
veröffentlichte. Sie entwickelten meist kein Untergewicht und hätten
zudem eine geringere Chance übergewichtig zu werden als Kinder, die
nicht so wählerisch beim Essen seien.

Für die Studie beobachteten die Wissenschaftler 317 Mütter und ihre
Kinder aus Haushalten mit geringen Einkommen vier Jahre lang. Die
Kinder waren dabei zwischen vier und neun Jahre alt und die Familien
berichteten über das Essverhalten der Kinder sowie die Einstellung
der Eltern dazu. Kinder, die dabei schon im Vorschulalter pingelige
Esser waren, blieben das auch im Schulalter. Mit vier Jahren könne
sich das Verhalten bereits eingeschliffen haben, hieß es.

Je mehr Eltern versuchten, das Essverhalten der Kinder zu
kontrollieren, desto wählerischer könnten diese werden, sagte Pesch.
Die pingeligsten Esser in der Studie seien dem größten Druck der
Eltern ausgesetzt gewesen. «Wir haben herausgefunden, dass die
Kinder, die sehr mäkelig essen, Mütter haben, die von mehr
Restriktionen in Hinblick auf ungesundes Essen und Süßigkeiten
berichtet haben. Diese Mütter versuchen vielleicht die Vorlieben
ihrer Kinder in Richtung gesünderer Ernährungsweisen zu verschieben.
Aber das mag nicht immer den gewünschten Effekt haben», sagte Pesch.

«Wir wollen, dass Eltern Kindern schon in sehr jungem Alter eine
große Palette von Lebensmitteln zur Auswahl anbieten, aber unsere
Studie ergab, dass sie eine weniger kontrollierende Herangehensweise
einnehmen können.» Es brauche allerdings noch mehr Forschung, unter
anderem um noch besser zu verstehen, wie sich eine limitierte
Essensauswahl von Kindern langfristig auf deren Wachstum auswirke.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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