Mandeln als Infektionsherd: Kinder und Raucher gefährdet

03.08.2016
Der Hals tut weh, das Schlucken fällt schwer - dahinter kann sich eine Mandelentzündung verbergen. Verschleppen sollte man die auf keinen Fall. Mit einer medikamentösen Therapie heilt sie aber in aller Regel folgenlos aus.
Halsschmerzen, geröteter Rachen, Fieber, Abgeschlagenheit - das sind Anzeichen einer Mandelentzündung. Foto: Mascha Brichta
Halsschmerzen, geröteter Rachen, Fieber, Abgeschlagenheit - das sind Anzeichen einer Mandelentzündung. Foto: Mascha Brichta

Berlin (dpa/tmn) - Die Zunge weit herausstrecken und dann langgedehnt «A» sagen. Wer das wegen Halsschmerzen vor dem Spiegel macht und dabei sieht, dass der Rachen gerötet ist und die Mandeln geschwollen sind, sollte einen Arzt aufsuchen.

Kommen zu diesen Symptomen auch noch Fieber und Abgeschlagenheit hinzu, dann verdichten sich die Anzeichen für eine akute Mandelentzündung. «Am Anfang steht oft eine virale Infektion, der in vielen Fällen ein Bakterien-Befall folgt», sagt Prof. Jochen Windfuhr, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Plastische Kopf- und Hals-Chirurgie und Allergologie am Krankenhaus Maria Hilf in Mönchengladbach. Aber auch unabhängig davon können sich bakterielle Entzündungen entwickeln. Typische Auslöser sind Streptokokken.

«Am häufigsten sind Kinder im Alter bis zu fünf Jahren betroffen», sagt Windfuhr, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie ist. Aber auch Erwachsene können noch eine Tonsillitis bekommen. «Ein Risikofaktor hierfür ist das Rauchen», sagt die Apothekerin Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin. Das Entstehen von Entzündungsherden in der Mund-Rachen-Region wird nach ihren Angaben durch Nikotin gefördert.

Eine Mandelentzündung bekommt ein Arzt meist problemlos in den Griff. «Verschrieben werden je nach Beschwerden und Verlauf entweder fieber- und schmerzsenkende Präparate oder auch Antibiotika», sagt Sellerberg. Der Heilpraktiker Rene Gräber aus dem schleswig-holsteinischen Preetz rät, sich zusätzlich einen kalten Wickel um den Hals zu legen, um die Hitze abzuleiten und Schmerzen zu lindern. Um die Halsregion nicht unnötig zu reizen, sollte der an einer Mandelentzündung erkrankte Patient nur weiche Nahrung zu sich nehmen. Wichtig ist auch, viel zu trinken, damit die Krankheitserreger ausgeschieden werden. «Am besten nur Wasser oder Kräutertees, da Obstsäfte wegen des Säuregehalts schmerzhaft sein können», erklärt Gräber. Hilfreich kann es auch sein, mit Salbeitee zu gurgeln.

Eine akute Mandelentzündung heilt in aller Regel ohne Komplikationen in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen aus. Wird die Krankheit nicht behandelt oder verschleppt, dann droht eine chronische Mandelentzündung. Da ständig entzündete Mandeln ein Infektionsherd sind, kann dies schwerwiegende Folgeerkrankungen wie etwa Herz- oder Nierenentzündungen nach sich ziehen.

Haben sich innerhalb eines Jahres mehr als drei Mal akute Mandelentzündungen entwickelt, kann ein Eingriff in Erwägung gezogen werden. «Bei einer Häufigkeit von sechs Mal in einem Jahr ist der Eingriff sicher effektiver als eine alleinige Antibiotikumtherapie», sagt Windfuhr. Bei Kindern und Jugendlichen ist das anders: Bei ihnen sind häufig «riesige Mandeln zu finden, die sich für eine Verkleinerung ideal eignen», erklärt der Facharzt. «Ein eingeschränktes Schlucken und Atmen lässt sich bei derartigen Befunden sofort durch die Operation beseitigen.» Studien haben laut Windfuhr auch einen positiven Effekt der Teilentfernung von Mandeln bei akuten Mandelentzündungen nachweisen können.

Dadurch lassen sich im Vergleich zur Komplettentfernung Schmerzen nach der OP reduzieren. Außerdem kommt es weniger häufig zu Blutungskomplikationen. Blutungen nach einer Komplettentfernung sind gefürchtet - denn sie können mitunter lebensgefährlich sein, sagt Windfuhr. «Wegen dieses Risikos sind Mandelentfernungen keine Bagatelloperationen, was vielen Menschen so nicht klar ist.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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