Längere Einnahme von Kortison steigert Osteoporose-Risiko

18.11.2021
Sie kommen etwa bei der Therapie rheumatischer Erkrankungen zum Einsatz. Doch bei längerer Einnahme können Kortison-Präparate die Knochendichte sinken lassen - das hat Folgen.
Bei einer länger andauernden Kortison-Therapie kann es mit Blick auf die Knochengesundheit ratsam sein, zusätzlich Vitamin D einzunehmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Bei einer länger andauernden Kortison-Therapie kann es mit Blick auf die Knochengesundheit ratsam sein, zusätzlich Vitamin D einzunehmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Eine Langzeitbehandlung mit Kortison-Präparaten kann Osteoporose verursachen. Vorbeugend sollte solch eine Therapie deshalb von Beginn an von einer kalziumreichen Ernährung und der Gabe von Vitamin D begleitet werden. Das rät die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Es ist außerdem ratsam, regelmäßig die Knochendichte zu prüfen. Zusätzlich könnten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte erwägen, Medikamente zu verschreiben, die den Knochenabbau hemmen oder einen Knochenaufbau fördern.

Kurzzeitige Einnahme meist unbedenklich

Glukokortikoide, umgangssprachlich Kortison genannt, werden etwa bei rheumatischen Krankheiten eingesetzt. Bei einem kurzzeitigen Einsatz sind die Präparate nach Angaben der Fachgesellschaft meist gut verträglich. Das gilt auch dann, wenn sie höher dosiert sind.

Bei einer Langzeitbehandlung, also bei einem Einsatz über mindestens drei Monate oder länger, blieben Nebenwirkungen hingegen oft nicht aus. So ist die Abnahme der Knochendichte eine mögliche Folge. Das kann zu Osteoporose führen.

Bei 30 bis 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die über einen Zeitraum von rund viereinhalb Jahren mit Kortison behandelt wurden, ließen sich zum Beispiel aktuelle oder alte Frakturen nachweisen, schätzt die Fachgesellschaft.

Das Problem: Viele Betroffene spürten die kleinen Knochenbrüche aufgrund der medikamentösen Behandlung kaum oder gar nicht, schildert Mediziner und DGRh-Experte Jan Leipe. Darum würden sie oft übersehen und nicht behandelt. Die Folge davon sei ein fragiles Skelett, das erneute Frakturen begünstige.

Vorbeugung ist wichtig

«Bereits in den ersten drei bis sechs Monaten der Glukokortikoid-Therapie sinkt die Knochendichte um bis zu 12 Prozent», beschreibt Leipe. Das unterstreiche, warum es so dringlich ist, einer möglichen Osteoporose vorzubeugen.

Nach Behandlungsende sinkt das Frakturrisiko wieder, es hängt also direkt mit der Kortison-Einnahme zusammen. Deshalb gilt laut der DGRh: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Kombiniert mit präventiven Maßnahmen gegen möglichen Knochenschwund.

© dpa-infocom, dpa:211118-99-49394/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine rheumatoide Arthritis zeigt sich oft zuerst durch Entzündungen in den Fingergelenken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Rheuma hat viele Ausprägungsformen Entzündete oder abgenutzte Gelenke, unerklärliche Schmerzen: Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele Krankheiten. Was sind die häufigsten Formen und wie werden sie behandelt? Experten geben Antworten.
Rheuma kann auf die Lunge schlagen und dort Gewebe vernarben - was mit der Zeit etwa zu Kurzatmigkeit führen kann. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Rheuma-Patienten haben oft Begleiterkrankungen Bei Rheuma greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an. Zwar machen sich die chronischen Entzündungen oft zuerst in Muskeln und Gelenken bemerkbar - doch sie können übergreifen.
Patienten können bei rechtzeitiger Behandlung heute mit weniger Beschwerden leben als noch vor einigen Jahren. Neue Medikamente stoppen die Gelenkentzündungen - und bieten inzwischen einen weiteren Vorteil. Foto: Arno Burgi/zb/dpa Wirkungsvolle Rheuma-Therapie in Tablettenform Rheuma ist nicht heilbar. Aber die Patienten können bei rechtzeitiger Behandlung heute mit weniger Beschwerden leben als noch vor einigen Jahren. Neue Medikamente stoppen die Gelenkentzündungen - und bieten inzwischen einen weiteren Vorteil.
Wer eine Zeit lang eine cortisonhaltige Salbe verwenden muss, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Nebenwirkungen sind gering, außerdem wirken die Präparate häufig schnell und können zügig wieder abgesetzt werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Cortison - Segen und Fluch eines hochwirksamen Medikaments Wenn Patienten hören, dass sie Cortison nehmen sollen, geraten sie häufig in Panik. Weil der Wirkstoff früher viel zu hoch dosiert eingesetzt wurde, hatte er starke Nebenwirkungen. Heute wissen Ärzte es besser. Die Angst vor dem Medikament ist meist nicht begründet.