Krank in Quarantäne: Ein Hausarzt zum Umgang mit dem Risiko

10.11.2020
Der Hausarzt ist bei vielen Gesundheitsfragen der erste Ansprechpartner. Das gilt auch in der Pandemie - und doch ist vieles anders. Ein Mediziner gibt Verhaltenstipps und wirbt für Rücksicht.
Manche Symptome können Ärztinnen und Ärzte am Telefon nur schwer abklären. Dann ist der Gang in die Praxis unausweichlich. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn
Manche Symptome können Ärztinnen und Ärzte am Telefon nur schwer abklären. Dann ist der Gang in die Praxis unausweichlich. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

Bremen (dpa/tmn) - Wer wegen Corona in häuslicher Quarantäne ist und dort gesundheitliche Probleme bekommt, ist oft verunsichert: Darf ich in die Hausarztpraxis gehen? Die wichtigste Regel lautet dann: Immer erst einmal anrufen, betont der Hausarzt Hans-Michael Mühlenfeld aus Bremen.

Das gilt auch für Menschen, die als Kontaktperson in häuslicher Isolation sind. «Jeder Patient sollte sich in diesem Moment so verhalten, als habe er Corona», sagt Mühlenfeld. Das bedeutet: Es geht darum, niemanden anderes anzustecken.

Basierend auf dem Anruf entscheidet der Hausarzt dann, wie es weitergeht. Bei Patienten, die er bereits kenne, könne er Beschwerden und Gefahren oft auch am Telefon gut einschätzen, erklärt Mühlenfeld. Mitunter wisse er auch am Telefon sofort, wenn es lebensgefährlich ist und er den Notruf 112 wählt.

Lieber nicht mit dem Taxi in die Praxis

«Dann bleiben noch Anrufe, wo ich den Patienten persönlich untersuchen muss.» Beispielsweise, wenn jemand am Telefon sage, er habe Halsschmerzen. «Das kann eine Virusinfektion sein oder etwa eine Mandelentzündung. Beides muss man völlig unterschiedlich behandeln.» Aber dafür muss er dem Patienten erstmal in den Hals schauen.

Mühlenfeld hat für solche Fälle spezielle Infektionssprechstunden in seiner Praxis - damit diese Infektpatienten nicht mit anderen Patienten in Kontakt kommen.

Gut zu wissen: In dem Moment, wo ein Hausarzt entscheidet, den Patienten zu sehen, dürfe dieser die häusliche Isolierung für den Gang in die Praxis verlassen. «Ideal ist es natürlich, zu Fuß oder auf dem Rad zu uns zu kommen, mit Mund-Nasen-Schutz natürlich», sagt Mühlenfeld. Wenn möglich, sollte man nicht mit Bus oder Bahn fahren und sich auch nicht unbedingt ein Taxi rufen. Wobei das natürlich eine Frage der persönlichen Situation ist.

Was taugen Webportale zum Symptomcheck?

Eher zurückhaltend bewertet der Mediziner Webseiten, auf denen Nutzer die Symptome von Erkältung, Grippe und Corona vergleichen können. «Ob solche Portale einen Mehrwert bieten, möchte ich in Frage stellen», sagt Mühlenfeld. Bei den Portalen lassen sich teils auch einzelne Symptome auswählen und am Ende steht eine Prognose, was es sein könnte. Verbunden mit dem Hinweis, einen Arzt zu konsultieren.

«Wir wissen, dass Algorithmen unterstützen können», meint Mühlenfeld dazu. «Aber oftmals geht das nicht wirklich auf - was ein erfahrener Hausarzt machen kann, da kommt kein Computer ran. Denn Menschen sind mehr als nur Datensätze.»

Ärzte können Praxisbesuch verwehren

Der Vorsitzende des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband wirbt außerdem für Verständnis, wenn Mediziner Patienten unter bestimmten Umständen einen Termin in der Praxis verweigern - etwa, wenn sie von Covid-19-Symptomen berichten oder aus medizinischen Gründen keine Maske tragen dürfen. «Die lassen wir auch nicht in die Praxisräume, sondern verweisen sie auf eine telefonische Beratung und unsere Infektsprechstunde», sagt Mühlenfeld.

«Wer weiß, ob der Arzt nicht selbst eine Risikoperson ist? Und dass er dann für sich und für die anderen Patienten umsichtig handelt und jedes Risiko minimieren will, ist nachvollziehbar», fügt er an und betont: «Grundsätzlich hat der Arzt in seiner Praxis Hausrecht.»

© dpa-infocom, dpa:201109-99-270724/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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