Kostenfalle Handy-Spiel: So umgehen Eltern teure Rechnungen

06.04.2017
Kinder spielen gern - und im digitalen Zeitalter auch mit PC und Smartphone. Die sind manchmal tückisch. Denn für einige Spiele müssen Kinder tief ins Portemonnaie greifen - beziehungsweise in das ihrer Eltern. Ein Fall hat jetzt der Bundesgerichtshof verhandelt.
Gratis loslegen, später Extras kaufen: So funktionieren immer mehr Online-Spiele. Foto: Patrick Pleul
Gratis loslegen, später Extras kaufen: So funktionieren immer mehr Online-Spiele. Foto: Patrick Pleul

Düsseldorf (dpa/tmn) - 1250 Euro Telefonrechnung - verursacht von einem 13-Jährigen unter anderem durch eine 0900er-Telefonnummer («Pay by Call»). Mit diesem Fall beschäftigt sich der Bundesgerichtshof (BGH). Doch Eltern können vorsorgen, damit es erst gar nicht soweit kommt.

Damit Kinder keine unnötigen Kosten beim Spielen verursachen, sollten Eltern bestimmte Funktionen an Telefon oder Smartphone einschränken.

- Manuelle Sperren

Über die Telefongesellschaft können Eltern zum Beispiel bestimmte Rufnummern sperren lassen, erklärt Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Verbraucher haben den gesetzlichen Anspruch, ganze Rufnummernbereiche wie 0900er-Nummern sperren zu lassen. Über solche Nummern können bei manchen Spielen etwa virtuelle Ausrüstungsgegenstände erworben werden. Auch manuelle Telefonsperren sind eine Option. Dabei kann ein Blick in die Bedienungsanleitung des Geräts helfen.

- Drittanbietersperre

Auch eine Drittanbietersperre ist Graf zufolge sinnvoll. Mit der Sperre wird die mobile Bezahlfunktion WAP-Billing unterbunden, also das Bezahlen von Abos für Klingeltöne, Spiele und anderen Internetdiensten per Telefonrechnung. Um in eine solche Kostenfalle zu tappen, reicht oft schon ein versehentlicher Klick auf ein Werbebanner eines Spiels

- Kreditkarte einbehalten

«Das Kind hat außerdem besser keinen Zugriff auf die Kreditkarten der Eltern», rät Graf. Sonst kann es teuer werden, wenn Kinder sogenannte Free-to-Play-Titel spielen, bei denen die App zunächst kostenlos ist, aber innerhalb des Spiels Zusatzinhalte gekauft werden können. Kinder haben mit der Kreditkarte die Möglichkeit, unbegrenzt In-App-Käufe zu tätigen. Denn mit Kreditkarten lässt sich in den App-Stores meist problemlos zahlen.

- App Store schützen

Auch ein Passwort für den entsprechenden App Store ist eine gute Idee. Für die App Stores können Eltern zum Beispiel Prepaid-Karten kaufen. Mit den Guthabenkarten lassen sich die Zahlungen begrenzen. «Eltern können so kontrollieren, wie viel Geld die Kinder beim Spielen ausgeben.»

- Rechnungen überprüfen

Graf rät Eltern außerdem, regelmäßig ihre Mails auf eventuelle Rechnungen zu überprüfen. «Falls das Kind über den Account der Eltern etwas kauft, landet im Postfach möglicherweise eine Rechnung», sagt Graf. Schwieriger sei es, wenn das Kind einen eigenen Account benutzt.

Bundesnetzagentur: Sperrung von Rufnummern

Tipps der Verbraucherzentrale NRW

Wenn das Spiel zur Kostenfalle wird

Was hat der BGH entschieden?

Wenn Kinder hinter dem Rücken ihrer Eltern über teure 0900er-Telefonnummern einkaufen, müssen diese nicht die Rechnung bezahlen. Solange sie die Zahlung als Anschlussinhaber nichtautorisiert haben, haftet grundsätzlich der Dienstleister. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschieden. Damit bleibt es einer Mutter erspart, eine Rechnung von gut 1250 Euro zu begleichen. Ihr Sohn hatte mit 13 Jahren ein an sich kostenloses Computerspiel gespielt. Virtuelle Extras konnten aber zugekauft werden. Dafür war unter anderem eine 0900er-Nummer angegeben («Pay by Call»). Der Junge rief dort 21 Mal an. (Az. III ZR 368/16)

Wie funktionieren «Pay by Call»-Dienste?

Ein Anruf genügt, und es kann anonym und schnell gekauft werden. «Die Identifizierung läuft ausschließlich über den Telefonanbieter. Ich muss also keine Bankverbindung oder andere Kontaktdaten angeben», erläutert Christine Steffen, Juristin bei der Verbraucherzentrale (VZ) NRW. Abgerechnet wird über die Telefonrechnung. Das hat den Vorteil, dass Kunden fremden Anbietern keine Daten überlassen müssen. Das Risiko: Über den Anschluss können auch andere Geld ausgeben.

Kommt so etwas bei digitalen Spielen häufiger vor?

Das Internet hat die Branche stark verändert. Früher wurden Spiele im Laden verkauft - heute ist es online jederzeit möglich, neue Inhalte zum Herunterladen bereitzustellen. Spiele für Smartphones oder Tablet-Computer gibt es in den App-Stores der Hersteller. Das eröffnet die Möglichkeit, Spiele zunächst einmal gratis anzubieten und Geld erst später für eine Premium-Variante oder zusätzliche Inhalte zu verlangen («Free to play»). Das können Cent-Beträge sein. Es gibt aber auch Extra-Pakete für 100 Euro. Für die Branche ist das inzwischen ein wichtiger Umsatzbringer. Von 2015 auf 2016 legte der Bereich in Deutschland um 17 Prozent zu, auf nun 659 Millionen Euro.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Käufer einer Prepaid-Sim-Karte müssen seit Juli ihre Identität nachweisen. Die Karte können sie teils im Laden oder Zuhause am Computer freischalten lassen. Foto: Paul Zinken/dpa-tmn Ausweiskontrolle beim Prepaidkartenkauf: einfach war gestern Mit dem simplen Kauf von Prepaid-SIM-Karten ist es seit Juli vorbei: Kunden müssen ihre Identität nun mit ihrem Ausweis an der Discounterkasse oder online nachweisen. Was Kriminelle treffen soll, bringt Verbrauchern einen Mehraufwand.
Zum Zeichnen auf dem Touchscreen legt Samsung dem Galaxy Book einen S Pen genannten Eingabestift bei. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Neue Notebooks und Tablets vom Mobile World Congress Smartphones stehen beim Mobile World Congress klar im Mittelpunkt. Doch es gibt auch neue Notebooks, Tablets und Hybridgeräte. Samsung zaubert außerdem noch ein neues Oberklasse-Tablet aus dem Hut.
Kaum daumengroß passt die SD-Karte in jedes Gepäck. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn Worauf es bei Speicherkarten ankommt Ob Smartphone, Tablet oder Kamera: Viele Geräte lassen sich per Speicherkarte erweitern oder funktionieren erst gar nicht ohne. Auch wenn es kaum noch unterschiedliche Formate gibt: Diverse Klassifizierungen spielen eine entscheidende Rolle.
Telekommunikationsunternehmen peilen eine ganz spezielle Zielgruppe an: Gamer, die sich in diesen Tagen bei der Kölner Gamescom treffen. Foto: Kloubert/Vodafone/Vodafone/dpa Gamer können in Quasi-Echtzeit mit 5G zocken Der Mobilfunkstandard 5G steckt in Deutschland zwar noch in den Kinderschuhen, doch die Pläne der Telekommunikationsunternehmen peilen schon jetzt eine ganz spezielle Zielgruppe an: Gamer, die sich bei der Kölner Gamescom treffen.