Kontaktverbot: Wie klappt der Umgang mit Pubertierenden?

03.04.2020
Statt mit Freunden abzuhängen, hocken Teenager im besten pubertierenden Alter mit ihren Eltern auf engstem Raum zusammen. Wie können Eltern am besten mit der geladenen Situation umgehen?
Normalerweise verbringen Jugendliche ihre Zeit lieber mit Freunden als mit Eltern. Daher ist es wichtig, ihnen zu Hause genügend Rückzugsmöglichkeiten zu geben. Foto: Tobias Hase/dpa
Normalerweise verbringen Jugendliche ihre Zeit lieber mit Freunden als mit Eltern. Daher ist es wichtig, ihnen zu Hause genügend Rückzugsmöglichkeiten zu geben. Foto: Tobias Hase/dpa

München (dpa/tmn) - Jugendlichen, gerade in der Pubertät, sind Freunde zum Teil wichtiger als Familie. Über sie und ihr soziales Umfeld identifizieren sie sich stark. Doch mit den Ausgangsbeschränkungen und dem Kontaktverbot nimmt man ihnen aus ihrer Sicht genau diesen Teil der Identität weg.

«Das schürt Frust und Wut, die sich dann meistens denen gegenüber entlädt, die nichts dafür können - Eltern oder Geschwistern», erklärt Familiencoach Kira Liebmann aus München.

Wie erklärt man einem Teenager aber, dass er seine Freunde aktuell nicht sehen kann? «In der Pubertät sind Jugendliche für rationale Argumente kaum zugänglich», weiß Liebmann, die als Pubertätstrainerin Eltern coacht. Die Jugendexpertin empfiehlt daher Eltern, emotionale statt sachliche Argumente zu finden.

Ein typisch rationales Argument vieler Eltern sei: «Wir müssen zu Hause bleiben, damit sich weniger Menschen anstecken und somit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird.» Doch für diese Art der Begründung seien Jugendliche schwer zugänglich. Sie verstehen die Worte, aber nicht die Botschaft.

Anders sehe die emotionale Ansprache aus. Man könnte ein Bild mit Smarties wählen: «Stell dir vor, es liegen 100 Smarties vor dir. 5 davon sind vergiftet: Wie viele Smarties isst du? Wir wissen nicht, welche Smarties wir gerade sind und daher bleiben wir erstmal zu Hause.»

Darüber hinaus sollten Eltern den Teenagern trotz vielleicht beengter Wohnverhältnisse genug Rückzugsmöglichkeiten lassen. «Sorgen Sie für Freiräume, etwa auch für lernfreie Wochenenden. Teenager brauchen Raum und Zeit für sich», sagt Liebmann.

Sie rät Eltern aber auch, sich Zeit für die Jugendlichen zu nehmen und sich auf deren Welt einzulassen. «Wie wäre es mit einer gemeinsamen Foto-Challenge, die von einer unabhängigen Jury bewertet wird? Oder drehen sie alle zusammen ein Youtube-Clip nach.»

Eine weitere Idee könne sein, den Teenager einen Tag in der Woche die Mahlzeiten bestimmen und zubereiten zu lassen. Man könne sich auch gemeinsam Scherze ausdenken, die man den anderen Familienmitgliedern spielt. «Alles ist erlaubt, was das Wir-Gefühl steigert», so Liebmann.

Blog Kira Liebmann


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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