Komplikationen bei älteren Vätern wahrscheinlicher

28.03.2019
Eltern werden immer älter. Das hat viele Gründe - und leider negative Folgen, etwa für das Krankheitsrisiko des Kindes. Ausschlaggebend dafür ist aber nicht nur das Alter der Mutter, sondern auch das des Vaters. Das zeigen aktuelle Studien.
Professor Stefan Schlatt ist Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster. Foto: WWU Münster/dpa-tmn
Professor Stefan Schlatt ist Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster. Foto: WWU Münster/dpa-tmn

Nürnberg (dpa/tmn) - Mit dem Alter steigt das Risiko von Komplikationen bei einer Schwangerschaft. Anders als oft gedacht, gibt es diesen Zusammenhang aber nicht nur bei Frauen - sondern auch bei Männern.

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen bei Kind und Mutter messbar höher, wenn der Vater schon etwas älter ist.

Risiko für Schizophrenie steigt

So zeigen Studien zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen dem Alter des Vaters und Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie beim Kind. Mit einem Partner jenseits der 45 steigt für die Frau auch das Risiko, Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Und für das Kind steigt das Risiko einer Frühgeburt, wenn der Vater älter als 45 ist.

Einer der Gründe dafür: Die Stammzellen, die für die Produktion von Spermien zuständig sind, werden im Lauf des Lebens immer wieder erneuert - kopiert quasi. «Und mit jeder Kopie sinkt die Qualität und steigt die Chance auf Fehler», erklärt Professor Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster.

Lebensstil ändern hilft

Allerdings sind diese Zusammenhänge nicht so stark wie zwischen dem Alter der Mutter und Komplikationen wie dem Down-Syndrom. Und: Entscheidend für das Komplikationsrisiko ist nicht allein das Alter, sondern auch die generelle Gesundheit des Mannes. «Je gesünder ein Mann, desto gesünder seine Spermien», sagt Schlatt. Ein topfitter 60-Jähriger muss sich also eventuell weniger Gedanken machen als ein 45-Jähriger, der sein Leben lang geraucht hat.

Gerade in solchen Fällen rät Schlatt älteren Männern mit Kinderwunsch zu einer Beratung. Denn anders als bei Frauen ist der Effekt nicht unumkehrbar: Wer seinen Lebensstil ändert, also zum Beispiel mit dem Rauchen aufhört, kann die Qualität von Stammzellen und Spermien auch wieder verbessern - und damit die Chance auf eine Schwangerschaft ohne Komplikationen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auf der Frühchenstation im Evangelischen Krankenhaus in Hamm liegt in einem Inkubator die 4 Wochen alte Marie, die in der 29. Schwangerschaftswoche mit 830 Gramm geboren wurde. Foto: Guido Kirchner Frühstart ins Leben gelingt immer besser Heute überleben viel mehr Frühgeborene als noch vor 40 Jahren. Der Personalmangel in den Spezialkliniken ist allerdings ein Problem. Müssen Perinatalzentren zusammengelegt werden?
Laut Dirk Olbertz, Chefarzt der Neugeborenenmedizin des Klinikums Südstadt in Rostock, liegt die Frühgeburtenrate in Deutschland zwischen sieben und neun Prozent. Foto: Bernd Wüstneck Frühgeburtenrate bleibt konstant Kinder, die zu früh und unreif geboren werden, gelten oft als Sorgenkinder, um die sich die Mediziner intensiv kümmern müssen. Da die Mütter immer älter werden, nimmt die Zahl der Frühchen nicht ab.
Die Kritiker des Bluttests befürchten, dass künftig mehr Frauen Abtreibungen vornehmen. Foto: Tobias Kleinschmidt Experten befürchten mehr Abtreibungen bei Down-Syndrom Mit einem Bluttest können Schwangere die Wahrscheinlichkeit eines Down-Syndroms bei ihrem Kind berechnen lassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss will diesen zur Kassenleistung für Risiko-Schwangere machen. Verbände befürchten dadurch noch mehr Abtreibungen.
Weil sie auch das Baby vor Viren schützen kann, empfehlen Experten Schwangeren die Grippeschutzimpfung. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Grippeimpfung in der Schwangerschaft schützt auch das Baby Schon seit Jahren wird Schwangeren eine Grippeschutzimpfung empfohlen. Doch nur sehr wenige werdende Mütter nehmen die Impfung in Anspruch. Der Pieks kann jedoch nicht nur die Mutter, sondern auch das Baby vor vielen Virenstämmen schützen.