Kinder sind nicht Treiber der Corona-Infektion

16.06.2020
Bei der Grippe gelten Kinder mitunter als regelrechte Virenschleudern. Aber welche Rolle spielt der Nachwuchs bei der Verbreitung des Coronavirus? Forscher aus dem Land haben dazu neue Erkenntnisse.
Kinder stecken sich einer Studie aus Baden-Württemberg zufolge wohl seltener mit dem Coronavirus an als ihre Eltern. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Kinder stecken sich einer Studie aus Baden-Württemberg zufolge wohl seltener mit dem Coronavirus an als ihre Eltern. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Stuttgart (dpa/lsw) - Kinder sind einer Studie aus Baden-Württemberg zufolge nicht so häufig mit dem Coronavirus infiziert wie ihre Eltern. Das ist das Ergebnis einer großen Untersuchung von Unikliniken im Land, die am Dienstag in Stuttgart vorgestellt wurde.

Kinder hätten sich demnach seltener angesteckt als ihre Eltern und seien auch nicht als Treiber dieser Infektion anzusehen, sagte Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Ulm.

2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil getestet

Die vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm stehen hinter der Untersuchung. Für die Studie wurden 5000 Menschen, die keine Symptome hatten, auf das Virus und auf Antikörper getestet, darunter 2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil. Mit Blick auf die Fallzahlen sprach Debatin von einer der größten Studien weltweit.

Im Untersuchungszeitraum von 22. April bis 15. Mai war aktuell nur ein Elternteil-Kind-Paar infiziert. 64 Getestete hatten Antikörper gebildet und weitgehend unbemerkt eine Corona-Infektion durchlaufen, was einer Häufigkeit von 1,3 Prozent entspricht. Darunter befanden sich 45 Erwachsene und 19 Kinder. Man sei demnach weit von einer Herdenimmunität entfernt, sagte Debatin. Kinder in Notbetreuung waren den Ergebnissen zufolge auch nicht häufiger infiziert als andere.

Ansteckungsweg nicht erkennbar

Man habe mit der Studie aber nicht untersucht, ob Kinder besonders infektiös sind, sagte Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Man könne bei den positiv getesteten Eltern-Kind-Paaren keine grundsätzliche Aussage darüber treffen, wer wen angesteckt hat.

Die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Virus spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiedereröffnung von Kitas und Grundschulen im Land.

Vorläufiger Studienbericht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Der Alkoholkonsum ist bei rund einem Drittel der Erwachsenen in Deutschland seit der Coronakrise gestiegen. Foto: Martin Gerten/dpa Jeder Dritte trinkt mehr seit der Krise Suchtexperten warnten zu Beginn der Coronakrise vor einem Anstieg schädlichen Alkoholkonsums. Das Szenario scheint sich zu bewahrheiten, wie erste Zahlen zeigen. Was kann dagegen getan werden?
Die Bundesregierung will im Kampf gegen das Coronavirus Zeit gewinnen. Konkret zieht das einige Einschränkungen im Alltag nach sich. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Warum das Ausbreitungstempo bei Corona so entscheidend ist Im Kampf gegen das Coronavirus drückt die Politik aufs Tempo. Veranstaltungen werden untersagt, Fußballfans ausgeschlossen und Schulen gesperrt. Zu viel des Guten? Keineswegs, sagen Experten.
Viele Operationen, die wegen der Corona-Pandemie verschoben wurden, werden nun nachgeholt. Dadurch steigt der Bedarf an Spenderblut sprunghaft an. Foto: Thomas Frey/dpa Blutspender dringend gesucht Blutspenden könnten in Zeiten von Corona eine neue Bedeutung bekommen. Genesene mit Antikörpern sind vielleicht eine Hilfe für Schwerkranke. Doch bei Blutspenden gibt es Engpässe. Sollte Solidarität besser vergütet werden als bisher?
Bei einer Blutplasmaspende werden die Blutbestandteile in einer Maschine geteilt und das Plasma dann separiert - alles andere fließt wieder in den Körper zurück. Foto: arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Blut- und Plasmaspenden sind weiter möglich - und nützlich Blutplasma könnte helfen, die Corona-Pandemie zu bekämpfen: Forscher wollen damit unter anderem an einer Antikörpertherapie arbeiten. Wer kann Spender sein - und was müssen Interessenten noch wissen?