Kinder machen glücklich - wenn sie aus dem Haus sind

26.08.2019
Sie können nerven, kosten Zeit und Geld: Kinder im Haushalt sind fürs allgemeine Wohlbefinden Studien zufolge eher nicht förderlich. Das ändert sich aber offenbar, wenn der Nachwuchs auszieht.
Wirklich glücklich machen Kinder offenbar erst, wenn sie nicht mehr zuhause wohnen. Das legt eine Studie nahe. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn
Wirklich glücklich machen Kinder offenbar erst, wenn sie nicht mehr zuhause wohnen. Das legt eine Studie nahe. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn

Heidelberg (dpa) - Kinder steigern das allgemeine Wohlbefinden - aber erst wenn sie ausgezogen sind. Das legt eine Studie von Christoph Becker von der Universität Heidelberg und Kollegen im Fachjournal «Plos One» nahe.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass eine hohe soziale Vernetzung wichtig für das Gesamtwohl und die geistige Gesundheit im höheren Alter sein könnte. Insbesondere der Partner und bereits ausgezogene Kinder spielten dafür eine Rolle. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Kinder, die noch zu Hause wohnen, sich im Schnitt negativ auf die Zufriedenheit auswirken.

Die Forscher um Becker analysierten zahlreiche Einträge der europäischen Datenbank «Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe» (SHARE). Sie betrachteten so die Lebenssituation von rund 55.000 Menschen aus 16 europäischen Ländern, die alle 50 Jahre oder älter waren. In die Auswertung flossen unter anderem Angaben zur Lebensqualität oder der Hang zu Depressionen ein. Zudem ging aus den Daten hervor, welche sozialen Netzwerke innerhalb und außerhalb der Familie bei einem Menschen existierten. Auch der Familienstand, die Zahl der Kinder, das Einkommen oder die Wohnsituation waren bekannt.

Schlaf, Geld, Freizeit. Eltern investieren viel in ihre Kinder und sind laut verschiedener Studien durchschnittlich weniger zufrieden als kinderlose Paare. Besonders Mütter, die wenig Unterstützung bekommen, seien anfälliger für Depressionen. Die Forscher um Becker fanden nun heraus, dass das im Alter nicht so bleibt. Dafür müssen die Kinder aber erstmal ausziehen. Dann bleiben sie den Eltern als soziales Netzwerk erhalten und steigern deren Lebensqualität.

Die Forscher vermuten, dass Eltern langfristig von der Unterstützung und von der Bindung zu den Kindern profitieren, ohne dass sie sich in späteren Jahren weiterhin täglich um diese kümmern müssen. Bei Enkelkindern war der Einfluss auf die Zufriedenheit weniger eindeutig. Hier vermuten die Forscher, dass Großeltern zum Teil wieder Verantwortung übernehmen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sich die Lebensqualität von Eltern wieder verschlechtert, wenn bereits erwachsene Kinder wieder zu Hause einziehen.

Koautor Christoph Becker betont allerdings, dass Kinder nur ein Teilaspekt eines zufriedenen Lebens sind: «Starke soziale Kontakte gehen mit einer hohen Lebensqualität, Zufriedenheit und mentaler Gesundheit einher. Unsere Studie zeigt aber lediglich Zusammenhänge auf. Es kann auch weitere Gründe dafür geben. Vor allem scheint es jedoch wichtig zu sein, dass man im Alter zumindest eine Person hat, mit der man sich regelmäßig austauschen kann. Das kann auch der Partner sein.»

Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Klaus Heinzmann nahm an der Langzeitstudie «Gesundheit zum Mitmachen» teil. Dabei entwickelte er ein Bewusstsein für die tägliche Bewegung. Foto: Sina Schuldt/dpa 25 Jahre Feldversuch: Bewegung hält jung Vor 25 Jahren fing alles an: Forscher der Karlsruher Universität begannen mit einer einmaligen Langzeitstudie zu Gesundheit und Bewegung. Viermal werteten sie die Ergebnisse über die Jahre aus. Jetzt kommt der fünfte Aufschlag - und manch neue Erkenntnis.
Eine Studie der Universität Würzburg hat ergeben, dass es keinen alarmierenden Zusammenhang gibt zwischen Social-Media-Nutzung und Lernerfolg. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Social Media führen nicht zu massiv schlechteren Schulnoten Wenn der Sohn dauernd bei Facebook, Instagram und Snapchat aktiv ist, bringt er schlechtere Noten nach Hause. Viele Eltern befürchten das. Möglicherweise zu Unrecht, wie eine Auswertung von Wissenschaftlern aus Bayern zeigt.
Franziska Borkel ist HIV-positiv. Durch die Therapie kann sie niemanden anstecken. Foto: Jörg Carstensen Familienglück mit HIV - was Therapien möglich machen Sex ohne Kondom und gesunde Kinder trotz HIV? Was lange undenkbar schien, ist heute kein Problem. Wirksame Therapien erlauben ein ganz normales Leben. Doch wer weiß das?
Kein Grund zur Sorge: Facebook und Co. haben offenbar nur wenig Einfluss darauf, wie glücklich Jugendliche sind. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn Machen Soziale Medien Jugendliche unzufriedener? Ein Leben ohne WhatsApp, Instagram und Co ist für die meisten Schüler in Deutschland wohl kaum noch vorstellbar. Viele Eltern sehen das mit Sorge. Welchen Einfluss haben die Sozialen Medien auf die Zufriedenheit der jungen Nutzer?