Kaum Kontakt zu Freunden: Wie Eltern die Situation erklären

08.01.2021
Strenge Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie können für Kinder besonders hart sein. Was ist, wenn sie ihren besten Freund oder ihre beste Freundin nicht mehr treffen können?
Der Freund kommt nicht mehr, nun ist alleine spielen angesagt - eine solche Zurückweisung kann für Kinder sehr schmerzlich sein. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn
Der Freund kommt nicht mehr, nun ist alleine spielen angesagt - eine solche Zurückweisung kann für Kinder sehr schmerzlich sein. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Kiel (dpa/tmn) - Die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind nochmals verschärft worden, Kitas und Schulen sind - wenn überhaupt - nur eingeschränkt geöffnet. Besonders für Kinder ist das eine harte Zeit, weil sie viele Bekannte nicht sehen.

Doch was ist, wenn sie jetzt sogar ihren besten Freund oder ihre beste Freundin nicht treffen können? Zum Beispiel, weil es deren Eltern wegen des möglichen Ansteckungsrisikos nicht wollen?

«Wenn sich der beste Freund oder die beste Freundin gegen mich entscheidet, löst das ja was in einem aus», sagt Diplom-Psychologin Svenja Lüthge aus Kiel. Das tue weh und mache sehr traurig. Kinder fühlten sich zurückgewiesen und denken dann rasch: «Keiner mag mich.»

Das sei tatsächlich aber nicht so, betont Lüthge. Daher ist es wichtig, dass Eltern die Kinder in dieser Lage auffangen. Sie sollten die schwierige Situation erklären - also, dass es momentan strenge Regeln gibt und viele Menschen wegen Corona gerade vorsichtig sind.

Auf anderen Wegen Kontakt halten

Eine schmerzliche Entscheidung solle das Kind dann nicht persönlich nehmen. «Manchmal stecken ganz praktische Gründe seitens der Eltern dahinter», sagt Lüthge. So falle eben mal eher die Entscheidung für ein Nachbarkind, doch das hieße ja nicht, dass Freunde einander nun nicht mehr mögen. Der Freund oder die Freundin bliebe ja trotzdem erhalten. «Man könne ja auch weiter Kontakt halten - entweder online, per Telefon oder gern auch per Brief», schlägt die Psychologin vor.

Ist der vom eigenen Kind bevorzugte Freund schon «vergeben», ist die Unterstützung der Eltern gefragt: «Wenn dieser eine Kontakt jetzt nicht passt, könnte man gezielt schauen, ob nicht ein ehemaliger Kindergartenfreund oder jemand aus der Konfirmanden- oder Sportgruppe Zeit hat, um sich regelmäßig zu treffen», rät Lüthge. Dadurch entwickelten sich vielleicht sogar ganz neue Freundschaften.

Und wer sich wegen der höheren Infektionsgefahr nicht drinnen treffen möchte, kann ja zum Beispiel einen Spaziergang vereinbaren oder sich auf dem Spielplatz verabreden.

© dpa-infocom, dpa:210108-99-948889/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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