Jugendämter melden Höchststand an Kindeswohlgefährdung

21.07.2021
Sie werden vernachlässigt, eingeschüchtert oder sogar körperlich misshandelt - so viele Kinder wie noch nie waren im vergangenen Jahr im eigenen Zuhause gefährdet. Das Statistische Bundesamt führt den Anstieg unter anderem auf den Lockdown zurück.
Die Jugendämter haben im Corona-Jahr 2020 einen Höchsstand an Kindeswohlgefährdung festgestellt. Foto: Nicolas Armer/dpa
Die Jugendämter haben im Corona-Jahr 2020 einen Höchsstand an Kindeswohlgefährdung festgestellt. Foto: Nicolas Armer/dpa

Wiesbaden (dpa) - Immer mehr Kinder in Deutschland sind bei ihren Erziehungsberechtigten nicht mehr sicher. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stellten die Jugendämter im Corona-Jahr 2020 bei rund 60.600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung fest.

Mit einem Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr sei damit ein neuer Höchststand erreicht worden. Bereits 2018 und 2019 waren die Zahlen im Vorjahresvergleich jeweils um rund zehn Prozent gestiegen.

Neben einer zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung könnten auch «die Belastungen von Familien infolge der Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen ein Grund für die Zunahme gewesen sein», erklärten die Statistiker. Zugleich sei nicht auszuschließen, dass Fälle etwa wegen der Schulschließungen unentdeckt geblieben seien.

Experten hatten im Zuge der Corona-Pandemie wiederholt vor einer Zunahme der Kindeswohlgefährdung gewarnt. Insgesamt prüften die Jugendämter knapp 194.500 Verdachtsmeldungen, das waren zwölf Prozent mehr als 2019. Deutlich mehr Hinweise kamen im vergangenen Jahr aus der Bevölkerung, dafür aber weniger von Schulen.

Vernachlässigung und psychische Gewalt am häufigsten

Laut der Statistik war etwa jedes zweite gefährdete Kind jünger als acht Jahre und jedes dritte sogar jünger als fünf Jahre. «Während Jungen bis zum Alter von 13 Jahren etwas häufiger betroffen waren, galt dies ab dem 14. Lebensjahr für die Mädchen», hieß es.

Ein Großteil aller gefährdeten Kinder (58 Prozent) wies den Angaben zufolge Anzeichen von Vernachlässigung auf. Bei rund einem Drittel aller Fälle wurden Hinweise auf psychische Misshandlungen, also etwa in Form von Demütigungen, Einschüchterungen, Isolierung und emotionale Kälte gefunden. Auffällig ist dabei, dass diese psychischen Misshandlungen besonders gestiegen sind, und zwar um 17 Prozent. In etwas mehr als einem Viertel der Fälle gab es Anzeichen für körperliche Misshandlungen und in fünf Prozent für sexuelle Gewalt.

© dpa-infocom, dpa:210721-99-465312/3

Mitteilung Destatis

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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