Jeder Schüler soll vor den Sommerferien mal in die Schule

28.04.2020
Alle Schüler sollen bis zu den Sommerferien wenigstens ab und zu im Klassenraum lernen. So lautet das Ziel der Länder in Corona-Zeiten. Aber ab wann ist dann ein regulärer Schulbetrieb in Sicht?
Während die Abschlussklassen schon wieder in die Schulen zurück dürfen, müssen sich die übrigen Schüler noch etwas gedulden. Doch bis zu den Sommerferien soll jeder zumindest gelegentlich im Klassenraum lernen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Während die Abschlussklassen schon wieder in die Schulen zurück dürfen, müssen sich die übrigen Schüler noch etwas gedulden. Doch bis zu den Sommerferien soll jeder zumindest gelegentlich im Klassenraum lernen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Trotz Corona-Krise sollen alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem beschlossenen Konzept vor.

«Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können», heißt es in dem Papier der Kultusministerkonferenz (KMK),über das Bund und Länder an diesem Donnerstag beraten sollen.

Einen regulären Schulbetrieb für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland wird es vor den Sommerferien laut den Ministern aber nicht geben. Nach dem jetzigen Stand sei dies aufgrund des Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich, hieß es in dem «Rahmenkonzept». Ein Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim solle ausgebaut, digitales Lehren und Lernen weiterentwickelt werden.

Infektions-und Gesundheitsschutz hat Vorrang

Die Länderminister betonen, dass Infektions-und Gesundheitsschutz «höchste Priorität» haben. Diese seien «Maßgabe für alle weiteren Schritte». Mit den vorgelegten Eckpunkten - darunter strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote - sei eine allmähliche Rückkehr zu einem «geordneten Schulbetrieb» möglich. Eine Pflicht, in den Schulen einen Nase-Mund-Schutz zu tragen, ist in dem Beschlusspapier nicht vorgesehen.

Die Minister setzen ausdrücklich auf ein behutsames Vorgehen: Die Lerngruppen werden verkleinert, räumlich getrennt, der Unterricht soll zeitversetzt laufen. Abstandhalten gilt fürs Klassenzimmer, aber auch für Pausenhof oder zu Essenszeiten. Ein Mund-Nasen-Schutz soll freiwillig sein und wird als «ergänzender Fremdschutz» gesehen.

Im Beschluss heißt es, alle Abschlussprüfungen sollen in diesem Jahr stattfinden, die Abschlüsse gegenseitig anerkannt werden. Neue Termine, wann welche weiteren Jahrgänge an die Schulen zurückkehren sollen, nennt das Papier nicht. Es wird nur der 4. Mai aufgeführt, den viele Bundesländer schon fest im Visier haben für den nächsten Schritt. Über eine Ausweitung des Unterrichts auf weitere Klassenstufen entscheiden die Länder der zwölfseitigen Vorlage zufolge selbst - nach Vor-Ort-Gegebenheiten und Infektionsgeschehen. Für den 4. Mai planen viele Länder eine Rückkehr jeweils für den ältesten Grundschuljahrgang sowie für Schüler, die 2021 ihren Abschluss machen wollen.

Man müsse allen Akteuren ausreichend Zeit einräumen, um auch etwa eine sichere Beförderung zur Schule bereitzustellen, stellen die Länderminister klar. Auch wenn Mundschutz nicht in den Klassen vorgeschrieben ist: In Bussen und Bahnen gilt nun eine allgemeine Maskenpflicht für Personen ab sechs Jahren - also auch für Jungen und Mädchen auf dem Weg zur Schule. Die Kinder und Jugendlichen sollten verstärkt mit dem Rad oder zu Fuß in die Schulen kommen, rät die KMK.

Jede Schule benötigt Hygieneplan

Herausgestellt wird einmal mehr die Bedeutung von Hygiene. «Jede Schule muss einen Hygieneplan haben.» Für regelmäßiges Händewaschen müssten genug Möglichkeiten vorhanden sein, ebenso brauche es ausreichend Flüssigseife. Auf den Abstand von 1,50 Meter sei konsequent zu achten. Vor allem mit den jüngeren Schülern sollten die wichtigsten Verhaltensregeln - auch etwa Nies- und Hustenetikette - eingeübt werden.

Vorerkrankte Schüler wollen die Kultusminister von einer Teilnahme am Präsenzunterricht befreien. Der Unterricht solle zwar wenn möglich nach regulärem Stundenplan erteilt werden, die Lehrkräfte setzen aber die Schwerpunkte. Vorerkrankte Lehrer sollen möglichst nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden.

Bildung ist Ländersache, die Umsetzung von gemeinsamen Beschlüssen - ob und wie - obliegt den Bundesländern. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte dem Sender NDR Info: «Garantieren kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass der normale Schulbetrieb vor den Sommerferien auf keinen Fall wieder losgehen wird.» Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte als Ziel ausgegeben, «dass vor Pfingsten jeder Schüler zumindest einmal wieder in der Schule war» - also etwa bis Ende Mai. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will möglichst alle Schüler vor den Sommerferien wieder in die Schulen zu holen - wohl in rollierendem System.

Erste Lockerungen für die Schulen in Deutschland sind bereits eingeleitet. Vergangene Woche kehrten Tausende Jugendliche in vielen Bundesländern zurück, allerdings nur die Abschlussklassen - für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen. Am Montag (27. April) waren in auch in weiteren Ländern Abiturienten, Berufsschüler und Schüler gefolgt, die vor dem mittleren Schulabschluss stehen.

Fenster auf, Abstand halten: Regeln für den Schulbetrieb

Um den Schulbesuch auch in Corona-Zeiten zu ermöglichen, haben sich die Kultusminister der Länder auf einen Maßnahmenkatalog verständigt. Über die genaue Umsetzung und Daten für den Schulstart entscheidet aber jedes Land für sich. Ein Überblick:

- «Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können», schreiben die Minister. Aber auch: «Nach dem jetzigen Stand wird vor den Sommerferien aufgrund des Abstandsgebots kein uneingeschränkt regulärer Schulbetrieb mehr möglich sein.»

- Wie schon angekündigt stellt der Bund 500 Millionen Euro bereit, damit Schüler, die zuhause keinen Computer oder Tablet haben, damit versorgt werden. Denn neben dem Unterricht in der Schule soll es weiterhin Angebote für das Lernen daheim geben.

- Schülerinnen und Schüler sollen in Lerngruppen aufgeteilt werden, die zeitlich und räumlich voneinander getrennt werden. Zeiten für den Schulbeginn und die Pausen werden möglichst gestaffelt.

- Jede Schule braucht einen Hygieneplan. Darin geht es um regelmäßiges Händewaschen, Abstand zu Mitschülern und Lehrern von mindestens 1,5 Metern und Beachtung der Regeln zum Husten und Niesen.

- Eine deutschlandweite Maskenpflicht im Klassenraum ist nicht geplant.

- Gerade mit jüngeren Kindern sollen die wichtigsten Verhaltensregeln insbesondere für die Zeiten vor und nach der Schule und die Pausen eingeübt werden.

- Fenster auf: In den Schulen soll häufig gelüftet werden.

- Toiletten und besonders stark benutzte Bereiche sollen sorgfältig gereinigt werden.

- Schülerinnen und Schüler mit solchen Vorerkrankungen, die das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung erhöhen, sollen nicht in die Schule kommen müssen, sondern zu Hause lernen dürfen.

- Fahrpläne für Schulbusse sollen entzerrt und an einen gestaffelten Unterrichtsbeginn angepasst werden. Wer kann, soll zu Fuß oder mit dem Rad kommen.

- Sportunterricht soll nur stattfinden, wenn die Einhaltung der Hygienevorschriften sichergestellt ist.

- Die Notbetreuung soll ausgeweitet werden.

- Wer zuhause schlechte Lernbedingungen hat oder zum Beispiel Sprachförderung bekommt, soll gezielte Lernangebote in der Schule erhalten.

- Wenn es bei Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen oder besonderem Förderbedarf schwieriger ist, den Mindestabstand einzuhalten, sollen hier auch Mund-Nasen-Masken zum Einsatz kommen.

- Alle Abschlussprüfungen sollen in diesem Jahr stattfinden, solange der Infektionsschutz gesichert ist. Die Abschlüsse werden gegenseitig anerkannt.

- Soweit erforderlich, organisieren die Schulen Angebote zur Prüfungsvorbereitung in ihren Räumen. Es soll zusätzliche Nachholtermine für Prüfungen geben.

- Lehrerinnen und Lehrer mit Vorerkrankung sollen nach Möglichkeit nicht in der Schule unterrichten. Wer infiziert ist oder Kontakt mit Infizierten hatte, darf keinen Präsenzunterricht geben.

- Die Länder entscheiden über die Ausweitung des Präsenzunterrichts auf weitere Lerngruppen oder Jahrgangsstufen sowie über eine Konzentration auf Kernfächer.

- Vorrang haben Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an weiterführenden Schulen - sie kehren schon seit dem 20. April schrittweise in die Schulen zurück. Ab dem 4. Mai kommen die ältesten Klassen der Grundschulen dazu. Eine Ausweitung auf Klassen, die im kommenden Schuljahr ihren Abschluss machen, ist ebenfalls möglich - für weitere Klassenstufen dann je nach Stand des Infektionsgeschehens.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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