Intervallfasten ist nicht besser als andere Diäten

26.11.2018
Intervallfasten ist DER Trend auf dem Diät-Markt. Aber ist die Methode besser als andere Diäten? Das haben Forscher nun eingehend geprüft - mit klaren Resultaten.
Intervallfasten kann beim Abnehmen helfen. Doch laut einer Studie aus Heidelberg ist die Methode zur Gewichtsreduktion nicht besser geeignet als andere Diäten. Foto: Jens Kalaene
Intervallfasten kann beim Abnehmen helfen. Doch laut einer Studie aus Heidelberg ist die Methode zur Gewichtsreduktion nicht besser geeignet als andere Diäten. Foto: Jens Kalaene

Heidelberg (dpa) - Intervallfasten hilft beim Abnehmen und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Besser als andere kalorienreduzierte Abnehm-Methoden ist die Trend-Diät in dieser Hinsicht allerdings nicht, berichtet ein Forscherteam um Ruth Schübel vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Das bedeute auch: Wer Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern wolle, könne einfach die für sich geeignete Methode wählen und loslegen. So gibt das «American Journal of Clinical Nutrition» den Bericht wieder.

Beim Intervallfasten gibt es so gut wie keine Vorschriften, was das Essen anbelangt - außer: Es müssen zwischendurch Pausen eingelegt werden. Dabei ist es zum Beispiel möglich, nur an acht Stunden des Tages zu essen und die verbleibenden 16 zu fasten (8:16 Methode). Alternativ kann man an fünf Tagen der Woche normal essen und an zwei Tagen weitgehend hungern, das heißt, nicht mehr als etwa 500 Kalorien zu sich nehmen (5:2-Methode).

Einige wissenschaftliche Studien hatten angedeutet, dass sich infolge des Intervallfastens bestimmte Stoffwechselwerte deutlicher verbessern als bei einer herkömmlichen Diät, bei der über längere Zeit jeden Tag weniger Kalorien aufgenommen werden. Diese Annahme prüften die Wissenschaftler nun. Sie nahmen 150 übergewichtige und fettleibige Menschen zwischen 35 und 65 Jahren in ihre Studie auf und teilten sie nach dem Zufallsprinzip in eine von drei Gruppen ein.

Die Teilnehmer der ersten Gruppe machten Intervallfasten nach der 5:2-Methoden und reduzierten ihre wöchentlich aufgenommene Energie so um 20 Prozent. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe hielten normal Diät, indem sie täglich 20 Prozent weniger Energie aufnahmen. Die übrigen Studienteilnehmer aßen weiter wie immer. Alle bekamen zu Beginn der Untersuchung ausführliche Informationen zu gesunder Ernährung und gegebenenfalls zur Durchführung ihrer Diät. Außerdem bestimmten die Forscher zahlreiche Messwerte, wie Gewicht, Fettverteilung, Blutdruck und zahlreiche Stoffwechselwerte.

Während der ersten drei Monate wurden die Teilnehmer alle zwei Wochen telefonisch nach ihren Erfahrungen befragt und ermuntert durchzuhalten. Im Anschluss an die eigentliche Testphase kamen die Teilnehmer zur neuerlichen Untersuchung ins Studienzentrum. Sie wurden erneut ermutigt weiterzumachen, bekamen dann allerdings keine weiteren Anrufe mehr. Insgesamt beobachteten die Wissenschaftler die Teilnehmer 50 Wochen lang und erhoben Gewicht und Gesundheitszustand.

Die Auswertung der Daten belegte, dass es zwischen den beiden Diät-Varianten keine erheblichen Unterschiede in Bezug auf Gewichtsverlust gibt und sich auch der Stoffwechsel sehr ähnlich verändert hatte: «Bei den Probanden beider Gruppen verringerte sich mit dem Körpergewicht das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ebenso die Fettablagerungen in der Leber», erläutert Schübel. Auch in der Aktivität von bestimmten Genen, die mit den nachteiligen gesundheitlichen Folgen von Übergewicht im Zusammenhang stehen, fanden die Wissenschaftler keinen Unterschied.

Einzig im Hinblick auf die Glucose-Werte gab es deutliche Unterschiede zwischen den beiden Diät-Methoden: Nach 12 Wochen hatten die Teilnehmer, die täglich weniger gegessen hatten, einen wesentlich geringeren Blutzuckerspiegel.

Beim Abnehmen komme es vermutlich nicht so sehr auf die Art der Diät an, sondern in erster Linie darauf, sich für eine Art zu entscheiden und diese dann durchzuhalten, folgern die Wissenschaftler. Es scheine so zu sein, «dass es einigen Menschen leichter fällt, an zwei Tagen sehr diszipliniert zu sein, statt jeden Tag Kalorien zu zählen und sich einzuschränken», sagt Studienleiter Tilman Kühn. Um das Gewicht langfristig zu halten, bedürfe es allerdings einer langfristigen Ernährungsumstellung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Die Fachgesellschaft sieht den Trend zum Intervallfasten eher kritisch. «Die meisten Konzepte des Intervallfastens beinhalten keine oder nur sehr vage Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl. Daher findet alleine durch das intermittierende Fasten in der Regel keine Ernährungsumstellung hin zu einer ernährungsphysiologisch günstigen Lebensmittelauswahl statt», heißt es dort. Und Fasten sei zum Abnehmen ungeeignet.

DGE zum Fasten


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wird eine Mahlzeit am Tag ausgelassen, schaltet der Körper vom Kohlenhydrat- auf den Fettstoffwechsel und Pölsterchen können schneller verschwinden. Foto: Monique Wüstenhagen Intervallfasten: Abnehmen ohne Verzicht Statt Kalorien zählen einfach auf die Uhr schauen: In Deutschland boomt seit einigen Jahren das sogenannte Intervallfasten. Bei dieser Abnehm-Methode geht es nicht darum, was man isst, sondern wann man isst.
Appetit oder Hunger? Oft fällt es Menschen schwer, zwischen echtem Hunger und Gelüsten zu unterscheiden. Foto: Christin Klose Der seelische Hunger braucht anderes Futter Menschen essen meist unbewusst und aus emotionalen Gründen. Statt bei Extrakilos eine Diät zu machen, wird geraten, bewusster zu essen. Dabei kommt das eine nicht ohne das andere aus: Ernährungsempfehlungen gehen mit mentalem Training Hand in Hand.
Einige Stunden am Tag oder einige Tage pro Woche - Wer immer wieder Essenspausen einlegt und in dieser Zeit nur Wasser trinkt, tut seinem Körper tatsächlich etwas Gutes. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn Fit und schlank - Intervallfasten entlastet den Körper Im Silicon Valley greift ein eigenartiger Trend um sich: Die Menschen verzichten stunden- oder tagelang auf Essen, um danach ordentlich reinzuhauen. Angeblich können sie sich besser konzentrieren. Gesund sein soll es auch noch. Was ist dran am Intervallfasten?
Eckart von Hirschhausen hält Zucker für schädlich, kann aber von Marzipan-Schokolade nur schwer die Finger lassen. Foto: Maurizio Gambarini Von Hirschhausen: Verzicht auf «Zuckerschrott» fällt schwer Zu viel Zucker, überall: Ärzte, darunter Eckart von Hirschhausen, schlagen Alarm, weil sie die Deutschen für zu dick halten. Zum Handeln rufen sie aber nicht die Bevölkerung auf.