Information über Abtreibungen wird erleichtert

22.02.2019
Lange hat die Bundesregierung gerungen, am Ende ging es ganz schnell: Ärzte dürfen künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten.
Kritiker halten die Neuregelung des Paragrafen 219 für «nicht zeitgemäß». Demnach dürfen Ärzte nicht darüber informieren, mit welcher Methode sie Abtreibungen vornehmen. Foto: Silas Stein
Kritiker halten die Neuregelung des Paragrafen 219 für «nicht zeitgemäß». Demnach dürfen Ärzte nicht darüber informieren, mit welcher Methode sie Abtreibungen vornehmen. Foto: Silas Stein

Berlin (dpa) - Schwangere können künftig einfacher als bisher Ärzte für eine Abtreibung finden. Der Bundestag hat nun dazu die umstrittene Reform von Paragraf 219a des Strafgesetzbuches beschlossen.

Demnach dürfen Ärzte künftig - etwa im Internet - angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Für weitere Informationen müssen sie allerdings auch künftig auf offizielle Stellen verweisen. Sie dürfen auch nicht selbst veröffentlichen, mit welcher Methode sie abtreiben.

Bedingungen für den Schwangerschaftsabbruch

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland rechtswidrig, werden aber unter bestimmten Bedingungen nicht bestraft: Die Schwangere muss sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff in einer staatlich anerkannten Stelle beraten lassen. Außerdem dürfen seit der Befruchtung nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein. Laut Statistischem Bundesamt gab es von Januar bis September 2018 bundesweit 76.365 Eingriffe, etwa genauso viele wie im Vorjahreszeitraum. Meist waren die Frauen zwischen 25 und 30 Jahre alt.

Eingeführt wird mit der Reform auch eine zentrale, monatlich aktualisierte Liste mit Ärzten, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen, die Abbrüche vornehmen. Sie soll von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Internet veröffentlicht werden und auch auflisten, welche Methoden die jeweiligen Ärzte zur Abtreibung nutzen. Außerdem bekommen junge Frauen die Verhütungspille künftig bis zum 22. Geburtstag und damit länger als bisher von der Krankenkasse bezahlt.

Wo Schwangere Rat finden

Bei Problemen rund um die Schwangerschaft können sich Frauen an eine Beratungsstelle wenden. Eine Liste von Anlaufstellen gibt es auf der Website www.familienplanung.de unter «Beratung» und «Beratungsstelle finden». Dort finden Schwangere auch Informationen zur rechtlichen Situation rund um einen eventuellen Schwangerschaftsabbruch. Die Website ist ein Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Beratungsstellen lassen sich in der Suchmaske unter anderem nach Wohnort und Konfession filtern - und danach, ob sie einen Beratungsschein ausstellen. Der Schein ist eine der Voraussetzungen für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch. Bei einigen Anbietern wie Pro Familia gibt es zudem die Möglichkeit einer Online-Beratung, auch am Telefon helfen manche Stellen weiter. Den Schein gibt es allerdings nur bei einer persönlichen Beratung.

www.familienplanung.de


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
In Deutschland sind Abtreibungen nach wie vor rechtswidrig. Damit der Eingriff straffrei bleibt, muss etwa eine Beratung in einer staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle erfolgen. Foto: Jens Büttner Zahl der Abtreibungen minimal gesunken Erst der Streit über die Reform des Paragrafen 219a, dann ruft eine geplante Studie des Gesundheitsministers empörte Reaktionen hervor: Über Schwangerschaftsabbrüche wird wieder viel diskutiert. 2018 entschieden sich wieder etwas weniger Frauen für eine Abtreibung.
Nach dem Gesetzentwurf dürfen Ärzte und Klinken öffentlich - zum Beispiel auf der eigenen Internetseite - darüber informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Foto: Jens Büttner/Symbolbild Wird die Suche nach Infos über Abtreibung jetzt einfacher? Wer ungewollt schwanger wird, fühlte sich oft ziemlich allein gelassen. Mühsam hat sich die Koalition jetzt auf bessere Informationen für Betroffene geeinigt. Doch der Entwurf stellt auch klar, was Ärzte keinesfalls dürfen.
Ratsuchende Frauen können sich an anerkannte Beratungsstellen wenden. Foto: Jens Büttner/dpa Schwangerschaftsabbruch: Was ist erlaubt, was nicht? Das Thema Abtreibung ist gerade sehr präsent. Auslöser ist der Strafprozess gegen eine Ärztin. Doch wie sehen die gesetzlichen Regelungen eigentlich aus?
Die Kritiker des Bluttests befürchten, dass künftig mehr Frauen Abtreibungen vornehmen. Foto: Tobias Kleinschmidt Experten befürchten mehr Abtreibungen bei Down-Syndrom Mit einem Bluttest können Schwangere die Wahrscheinlichkeit eines Down-Syndroms bei ihrem Kind berechnen lassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss will diesen zur Kassenleistung für Risiko-Schwangere machen. Verbände befürchten dadurch noch mehr Abtreibungen.