Impfungen «fast sicher» weniger effektiv gegen B.1.1.529

26.11.2021
Bisher grassiert die Delta-Variante des Coronavirus in Europa und bringt viele Gesundheitssysteme bereits an ihre Grenzen. Jetzt löst eine neue Variante in Südafrika große Besorgnis aus. Können uns die Impfstoffe vor ihr nicht mehr schützen?
Die Ausbreitung einer neuen Corona-Variante im südlichen Afrika hat Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 hoch ansteckend sein könnte und den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa/Archiv
Die Ausbreitung einer neuen Corona-Variante im südlichen Afrika hat Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 hoch ansteckend sein könnte und den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa/Archiv

London/Johannesburg (dpa) - Die derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe sind nach Ansicht eines britischen Experten «fast sicher» weniger effektiv gegen die im südlichen Afrika entdeckte neue Variante B.1.1.529. Das sagte James Naismith, Professor für Strukturbiologie an der Universität Oxford, in der Radiosendung BBC 4 Today.

Ob die Variante auch leichter übertragbar sei, könne anhand der vorliegenden Daten bislang noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. «Wir vermuten das und es gibt einige frühe Daten», fuhr Naismith fort. Sollte sich eine leichtere Übertragbarkeit bestätigen, sei es unvermeidlich, dass die Variante auch nach Großbritannien gelange, so der Experte weiter.

Höhere Übertragungsrate wahrscheinlich

Die Wissenschaftlerin Susan Hopkins vom Imperial College in London bezeichnete die neue Variante als «die besorgniserregendste, die wir je gesehen haben». Die in Südafrika bislang festgestellte Übertragungsrate (R-Wert) liege bei 2. Das ähnele den Werten zu Beginn der Pandemie, so Hopkins im BBC-Radio. Noch seien mehr Daten notwendig, um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen.

Ein erneuter Anstieg von Infektionen in einem stark durchseuchten Land wie Südafrika lege jedoch nahe, dass dafür zumindest teilweise neue Variationen verantwortlich zu machen seien, fuhr Hopkins fort. Sollte sich eine höhere Übertragbarkeit bewahrheiten, würde die Variante «ein massives Problem», in der sie den in der Bevölkerung bestehenden Immunschutz umgehen könne.

Impfstoffe schützen nur bedingt

Auch aus Sicht des südafrikanischen Virologen Shabir Madhi schützen herkömmliche Impfstoffe gegen die neue Corona-Variante B.1.1.529 nur bedingt. Dem TV-Sender eNCA in Johannesburg sagte er: «Wir gehen davon aus, dass es noch einiges an Schutz gibt.» Es sei aber wahrscheinlich, dass bisherige Impfstoffe weniger wirksam sein dürften.

Auch Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel (Schweiz),weist auf eine verbleibende Schutzwirkung hin. «Da die Impfstoffe gegen alle bisherigen Varianten effizient sind, gehe ich davon aus, dass auch gegen diese Variante Impfschutz besteht», sagt Neher. «Allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass es vermehrt zu Durchbruchsinfektionen kommt, so dass eine dritte Dosis umso wichtiger wird.»

Die neue Corona-Variante ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher noch nicht in Deutschland entdeckt worden. «Bis halb 10 ist mir nicht bekannt, dass in Europa oder in Deutschland diese Variante bislang gefunden wurde», sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Zugleich betonte er: «Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge.»

© dpa-infocom, dpa:211126-99-151212/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Corona-Impfstoffe haben gegen Omikron zwar eine abgeschwächte Abwehrreaktion, dennoch schützen sie auch hier vor schweren Verläufen. Das ergaben Untersuchungen aus Südafrika. Foto: Lennart Preiss/dpa Impfung schützt trotz Omikron vor schweren Erkrankungen Über die Corona-Variante Omikron ist bisher wenig bekannt. Eine erste Einschätzung können südafrikanische Forscher aber bereits geben: Impfungen verhindern auch hier schwere Verläufe. Sicher vor Ansteckungen sind Geimpfte allerdings nicht.
Die Omikron-Variante des Coronavirus dürfte nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC schon innerhalb der ersten beiden Monaten 2022 zur dominierenden Variante in Europa werden. Foto: Marijan Murat/dpa Omikron: Impfen allein reicht laut Experten nicht Die vierte Welle in Deutschland hat sich zwar etwas abgeschwächt. Die Inzidenz bewegt sich aber immer noch auf sehr hohem Niveau, auf Intensivstationen liegen rund 4800 Covid-Patienten. Was die neue Omikron-Variante in dieser Gemengelage bedeutet.
Kann das Coronavirus derart mutieren, dass die Impfstoffe unwirksam werden? Experten gehen davon aus, dass die bisher bekannten Escape-Varianten durch die jetzt verfügbaren Impfstoffe noch gehemmt werden. Foto: Sebastian Gollnow/dpa Werden Viren immun gegen das Impfen? Das Coronavirus verändert sich und auch seine Eigenschaften. Die in Deutschland verbreitete, stärker ansteckende Mutante B.1.1.7 ist nur ein Beispiel dafür. Was aber passiert, wenn eine Variante auftaucht, gegen die die Impfung nicht wirkt?
Wie geschützt ist man trotz Impfung gegen die Corona-Mutanten? Experten sehen nicht wirklich einen Grund zur Sorge. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB Wie steht es mit dem Impfschutz bei den Corona-Mutanten? Entwickelt wurden die bisher verfügbaren Impfstoffe gegen die frühe Form des von China um die Welt gezogenen Coronavirus. Doch nun bestimmen mehr und mehr Varianten des Erregers die Pandemie, auch in Deutschland. Hat das Auswirkungen auf die Impfwirksamkeit?