Gesundheits-Apps auf Rezept vor allem bei Frauen gefragt

30.03.2022
Ob Rückenschmerzen, Tinnitus oder Migräne - nicht nur Medikamente versprechen hier Hilfe. Viele Patienten versuchen es auch mit einer Gesundheits-App. Vor allem Frauen sind für solche Angebote offen, wie eine Auswertung der Techniker Krankenkasse ergab.
Gesundheits-Apps auf Rezept werden einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge besonders oft von Frauen genutzt. Foto: Fabian Sommer/dpa
Gesundheits-Apps auf Rezept werden einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge besonders oft von Frauen genutzt. Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin (dpa) - Die inzwischen erhältlichen Gesundheits-Apps auf Rezept sind nach einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) vor allem bei Frauen gefragt. Auf sie entfielen zwei Drittel (66,5 Prozent) der Rezepte, wie die Kasse nach einer Auswertung der Verordnungen für eigene Versicherte von Oktober 2020 bis Ende Dezember 2021 mitteilte.

Insgesamt stellte die Krankenkasse demnach in diesem Zeitraum 19 025 Freischalt-Codes aus. Am häufigsten verschrieben wurden Unterstützungs-Apps bei Rückenschmerzen, Tinnitus und Migräne.

Bei den Verschreibungen spiele nicht das Alter eine Rolle, sondern es komme auf die Erkrankungen an, erläuterte Kassenchef Jens Baas. «Jüngeren werden die Apps seltener verschrieben, weil weniger von ihnen an den Krankheiten leiden, die die Apps therapieren.» Im Schnitt waren die Nutzer demnach 45,5 Jahre alt.

Als zusätzliches Angebot, das man auf Rezept bekommen kann, sind bestimmte Gesundheits-Apps seit Herbst 2020 auf dem Markt. Wie gesetzlich geregelt wurde, gibt es für sie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine rasche Zulassung. Ist eine App in ein amtliches Verzeichnis aufgenommen worden, können Ärzte sie verschreiben. Die gesetzlichen Kassen übernehmen ein Jahr vorläufig die Kosten - in dieser Zeit müssen die Hersteller nachweisen, dass ihre App die Patientenversorgung verbessert.

TK-Chef Baas kritisierte: «Es ist ein Unding, dass die Preise im ersten Jahr quasi frei festgesetzt und sogar erhöht werden können.» Im Schnitt lagen sie der Auswertung zufolge im Oktober 2020 bei 329 Euro und aktuell im März bei 456 Euro. Im Moment kosteten Apps teils mehr als analoge Arztbehandlungen, erläuterte die Kasse.

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) hatte hohe und intransparente Kosten der Apps auf Rezept moniert. Um langfristig die Hoffnungen zu erfüllen, müsse das Missverhältnis zwischen vergleichsweise niedrigen Zugangsvoraussetzungen, fehlender Wirtschaftlichkeit und «kaum vorhandener sinnstiftender Funktion» konstruktiv weiterentwickelt werden.

© dpa-infocom, dpa:220330-99-731275/2

Ministerium zu Gesundheits-Apps auf Rezept

Pressemitteilung und Bericht GKV

Pressemitteilun Techniker Krankekasse


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das «nationale Gesundheitsportal» soll eine zentrale Anlaufstelle für die Suche nach Gesundheitsinfos werden und sie etwa mit Bildern, Grafiken und Erklärvideos verständlich darstellen. Foto: Patrick Seeger Staatliches Portal für Gesundheitsinfos soll 2021 starten Im Internet gibt es eine Fülle von Informationen zum Thema Gesundheit. Jetzt will der Staat eine zentralen Anlaufstelle mit verlässlichen Informationen zu medizinisches Fragestellungen anbieten.
Während der Corona-Krise ist der tägliche Medienkonsum deutlich gestiegen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wächst die Gefahr, dass sie eine Computerspielsucht entwickeln. Foto: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa Was Internetkonsum mit uns macht Chatten, Serien schauen, Bankgeschäfte erledigen: Viele Deutsche sind täglich stundenlang im Netz unterwegs. Eine Studie legt einen Finger in die Wunde: Denn viele sagen, dass sie eigentlich gar nicht so viel Zeit dafür verwenden wollen.
Fitnessarmbänder werden laut einer Umfrage beliebter - es halten sich aber Datenschutzbedenken. Foto: Alexander Heinl/dpa Wie sicher sind Gesundheits-Apps? Es gibt immer mehr Nutzer von Fitnessbändern und Gesundheits-Apps. Dabei machen sich aber viele Sorgen wegen des Datenschutzes. Wie sicher ist die Nutzung?
Ulrich Kelber (SPD) ist der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Der E-Patientenakte drohen Datenschutz-Warnungen Röntgenbilder, Impfungen: Eigene Gesundheitsdaten sollen Patienten bald auch digital parat haben können. Ein amtliches Gütesiegel für Datenschutz gibt es für die neue Anwendung aber nicht - im Gegenteil.