Gefährdung von Kindern durch das Internet nimmt zu

15.03.2019
Auch wenn Kommunikation über das Internet und Smartphones für Kinder und Jugendliche längst Alltag ist, droht doch ständig die Gefahr etwa durch Cybermobbing. Medienscouts können da präventiv tätig werden und auch akut Hilfe leisten.
Bei der Konferenz beraten rund 300 sogenannter Medienscouts, wie sie Mitschülern im Umgang mit sozialen Netzwerken beraten können. Foto: Bernd Wüstneck
Bei der Konferenz beraten rund 300 sogenannter Medienscouts, wie sie Mitschülern im Umgang mit sozialen Netzwerken beraten können. Foto: Bernd Wüstneck

Rostock (dpa) - Die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch das Internet nimmt trotz aller Bemühungen um Prävention und Aufklärung weiter zu.

Es gebe immer neue Apps und Programme, auf die Kinder Zugriff hätten, sagte die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann bei der vierten Bundesjugendkonferenz Medien in Rostock. Zudem hätten sie immer früher die entsprechende Technik in der Hand.

Als Beispiel nannte Stückmann ein soziales Netzwerk, das sich auf kurze selbstgedrehte Tanz- und Gesangsvideos spezialisiert hat. «Die wenigsten Kinder stellen sich eine Privatsphäre ein, das ist in der Regel alles öffentlich.» Sie bewegten sich oft leicht bekleidet vor der Kamera. «Das ist für Pädophile sehr attraktiv», sagte Stückmann.

Bei der bis Sonntag dauernden Konferenz diskutieren rund 300 sogenannte Medienscouts aus ganz Deutschland, wie sie Mitschüler im Umgang mit sozialen Netzwerken beraten können. Ihre Aufgabe ist es, Tipps für sicheres und faires Verhalten im Netz zu geben und in Fällen von Cybermobbing zu helfen.

«Wir zeigen unseren Mitschülern, was sie im Internet von sich preisgeben können und was eher nicht», sagte der 16-jährige Enrico Will, Medienscout aus Montabaur (Rheinland-Pfalz). Daneben gingen sie bei Mobbing auch in die Klassen um zu helfen. So sei jüngst ein Mädchen in einer 6. Klasse in mehreren Screenshots stark verunstaltet und anschließend damit gemobbt worden. «Sie hatte Angst, in die Schule zu gehen.» Die Scouts konnten zur positiven Klärung des Falles beitragen, wie Will sagte.

Auch Sexting - der private Austausch selbst produzierter Fotos mit erotischen Inhalten per Handy oder Internet - nehme zu, sagte Will. In vielen Fällen sei bekannt, dass Erwachsene Empfänger seien und nicht Gleichaltrige, wie von den Absendern erwartet.

Wie die Leiterin der Techniker Krankenkasse in MV, Manon Austenat-Wied, betonte, sind auch die Eltern gefordert, sich mit dem «Netzleben» ihrer Kinder auseinandersetzen. «Ihre Fürsorge sollte nicht vor dem Log-in enden.» Auch hier könnten Medienscouts helfen. Denn: «Oftmals sind Eltern mit dem eigenen Online-Verhalten gegenüber ihrem Kind kein gutes Vorbild.»

Konferenz


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer Opfer von Cybermobbing wird, fühlt sich gedenütigt. Viele ziehen sich dann zurück. Foto: klicksafe/Maribelle Photography Problem Cybermobbing: «Die Tränen sind nicht sichtbar» Der Safer Internet Day rückt in diesem Jahr das Thema Cybermobbing in den Mittelpunkt. Was macht die Diffamierungen im Netz so gefährlich? Wie verbreitet ist das Problem bei Jugendlichen? Und welche Rolle spielen die sogenannten Bystander?
Einmal verschickt, verbreiten sich beleidigende Inhalte übers Smartphone schnell. Eltern sollten in einem solchen Fall rasch handeln. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn Was Eltern bei Cybermobbing tun können Im Internet begegnen Kinder nicht nur verstörenden Gewalt- oder Sex-Inhalten. Die digitale Vernetzung birgt für sie auch die Gefahr, Opfer von Cybermobbing zu werden. Werden Kinder in den Sozialen Netzwerken persönlich angefeindet, sind die Eltern gefragt.
Durch die Anonymität im Netz sinke die Hemmschwelle, andere zu mobben. Dieser Auffassung ist Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing. Foto: Michael Kappeler Mobbing bei Erwachsenen nimmt zu Wie verbreitet sind Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen? Wer ist alles betroffen? Was sind die Motive der Täter? Eine Studie sucht Antworten für ein Problem, das längst nicht nur Teenager betrifft.
Kinder und Jugendliche tauschen sich zunehmend über das Smartphone aus. Das Gerät senkt jedoch auch die Hemmschwelle für böse Behauptungen und Kommentare. Foto: Armin Weigel Internationale Studie: Cybermobbing ist mögliche Zeitbombe Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Zugleich geraten auch Erwachsene häufiger in den Fokus von Attacken wie Verleumdung, Beleidigung und Diffamierung im Netz. Wissenschaftler schlagen Alarm - und fordern verstärkte Prävention.