Fieber bei Kindern richtig einschätzen

18.02.2020
Wenn die Kleinen leiden, sorgen sich die Großen. Fieber beim Nachwuchs versetzt Eltern regelmäßig in Alarmbereitschaft. Manchmal zurecht - aber nicht immer, wie ein Experte erklärt.
Fieber beim Kind verunsichert viele Eltern, weil sie es nicht richtig einschätzen können. Im Zweifel gilt: Lieber ärztlich abklären lassen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Fieber beim Kind verunsichert viele Eltern, weil sie es nicht richtig einschätzen können. Im Zweifel gilt: Lieber ärztlich abklären lassen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Oranienburg (dpa/tmn) - Fieber ist ein ständiger Begleiter von kleinen Kindern - und ein Unruheherd für Eltern. Wann gibt man ein Zäpfchen, wann ist ein Gang zum Arzt ratsam? Experte Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kennt die Antworten.

Warum fiebern Kinder und wann gibt man Medikamente?

Fieber an sich ist nicht schlimm, betont der Kinderarzt. Gerade im frühen Kindesalter sei es eine wichtige und typische, unspezifische Abwehrreaktion des Körpers. Ähnlich wie die starke Schleimbildung in der Nase bei Kleinkindern, die verhindert, dass Erreger an die Schleimhäute kommen und diese angreifen können.

Die Ursache für Fieber bei Kindern ist oft eine Infektion. «Das Fieber ist die körperliche Antwort auf diesen Aggressor», erklärt Fegeler. Der Körper erhitzt, weil bestimmte Teile des Immunsystems so in ihr funktionales Temperaturoptimum gebracht werden - bestimmte Zellfraktionen «zerstören dann körperfremde Angreifer besonders gut», erläutert er.

Insofern können Zäpfchen tatsächlich kontraproduktiv für die Bekämpfung des Erregers sein. Das Absenken des Fiebers nehme dem Körper eine bestimmten Teil der Abwehrkraft, so Fegeler. Allerdings: «Jenseits der 39,5 Grad knicken die Kinder oft so weg, dass man Medikamente geben sollte, um ihren Zustand zu verbessern.» Alternativ zu Zäpfchen könne das etwa «Fiebersaft» sein.

Maßgeblich für die Medikamente ist also der Allgemeinzustand des Kindes, nicht die erhöhte Temperatur. «Fieber können Kinder in der Regel mit ihrem Herz-Kreislauf-System kompensieren - anders als etwa im höheren Alter, wo Fieber das Herz belasten kann», sagt Fegeler.

Wann ist es Zeit für einen Arztbesuch?

Hier gibt es gerade für Säuglinge klare Regeln. Grundsätzlich aber sollten Eltern laut Fegeler immer zum Arzt gehen, wenn sie unsicher sind und Fragen haben. «In der Regel kommen sie mit Bagatellen, aber das können sie nicht wissen.» Mit der Zeit würden sie sicherer in der Einschätzung des Krankheitsbildes, was dann vor allem bei zweit- und drittgeborenen Kindern zu mehr Gespür und Gelassenheit führt.

Generell gilt: Fieber innerhalb der ersten drei Lebensmonate ist immer sofort ein Fall für den Kinderarzt, weil in diesem Alter ganz unangenehme Erkrankungen auftreten könnten. Fegeler rät auch, im gesamten ersten Lebensjahr Fieber stets vom Arzt abklären zu lassen. Das heißt: ab 38,5 Grad, rektal gemessen.

Losgelöst von bestimmten Temperaturgrenzen sei es immer ein Alarmzeichen, wenn das Kind wesensverändert ist - also zum Beispiel extrem apathisch erscheint oder gar nichts trinkt. Das lässt man lieber abklären, rät der Mediziner.

Was passiert beim Fieber konkret im Körper?

Manchmal geht die Temperatur rauf und runter, manchmal glüht die Haut eines Kindes mehrere Tage lang. Es hilft, die Prozesse, die bei Fieber im Körper ablaufen, ein wenig zu kennen.

Wenn etwa Viren im Körper Zellen zerstören, werden Substanzen freigesetzt, die über das Blut zum Temperaturzentrum im Gehirn gelangen und dort einen höheren Soll-Wert einstellen als die regulären 37 Grad, wie Fegeler erklärt. Darum wird die Muskelaktivität erhöht, was sehr viel Wärme produziert - das berühmte Fieberzittern setzt ein. «Schüttelfrost ist im Prinzip also eine maximale muskuläre Anstrengung, um Wärme zu produzieren.»

In dieser Hochregelphase frösteln die Kinder eher - da müsse man sie schön warm einpacken und zudecken, so der Kinderarzt.

Ist die Solltemperatur erreicht oder sind die Reize am Temperaturzentrum zurückgegangen, regelt es wieder herunter. Dann wird die Gefäßperipherie geöffnet, insbesondere die Haut wird massiv durchströmt. Der Körper wird heiß und schwitzt. Das sei meist die Herunterregelphase. Werden die Viren wieder aktiv und zerstören Zellen, geht der Prozess wieder von vorne los. Das führt zum oft typischen wellenartigen Fieberverlauf.

Es gibt aber Erreger, die in stetiger Zahl Zellen zerstören. Das Fieber geht in diesem Fall nie so richtig herunter, weil das Gehirn immer wieder stimuliert wird. Ein Beispiel ist das Drei-Tage-Fieber, bei dem die Kinder lange Zeit um die 40 Grad fiebern und die Temperatur mit Arznei kaum zu senken sei, wie Fegeler sagt.

«Nach in der Regel rund drei bis vier Tagen hat das Kind aber genug Antikörper gebildet, die die Erreger im Blut abfangen, ehe sie wieder neue Zellen angreifen - dann entfiebert es.» Die sogenannten Immunkomplexe, also Antikörper und Erreger, die aneinander gebunden sind, schlagen sich unter Umständen an den Gefäßmembranen nieder und können dann zusammen mit dem Abklingen des Fiebers als äußerlich erkennbares Phänomen einen Ausschlag verursachen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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