Es braucht Standards für digitale Pflegehelfer

29.07.2020
Ersetzt die Maschine den Mensch? Ein Stück weit könnte es in der Pflege so kommen. Doch die Betroffenen sollten am Ende immer noch die Wahl haben können, betont ein Experte.
Ein Medizinethiker der Uni Bochum schlägt vor, dass zukünftig viele kleine Arbeiten in Pflegeeinrichtungen nicht mehr von Menschen, sondern von Robotern erledigt werden könnten. Foto: Marijan Murat/dpa
Ein Medizinethiker der Uni Bochum schlägt vor, dass zukünftig viele kleine Arbeiten in Pflegeeinrichtungen nicht mehr von Menschen, sondern von Robotern erledigt werden könnten. Foto: Marijan Murat/dpa

Bochum (dpa/tmn) - Um Engpässe in der Pflege zu vermeiden, könnten Pflegeroboter und andere Assistenzsysteme in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Das schlägt der Medizinethiker Joschka Haltaufderheide vor.

«Wir werden erleben, dass sich solche und weiterentwickelte Systeme zunehmend in den Alltag von älteren und hilfsbedürftigen Menschen integrieren», sagt der Medizinethiker. «Die werden ein Stück Normalität.»

Der Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum setzt sich mit dem Thema und daraus erwachsenden ethischen Fragen auseinander. Seiner Einschätzung zufolge werden in der stationären Pflege wahrscheinlich kurzfristig eine Vielzahl von robotischen Systemen zum Einsatz kommen, die einfache Aufgaben übernehmen: zum Beispiel Pflegebedürftige zum Mittagessen rufen, ihnen das Fernsehprogramm ansagen oder sie zum Spielen in geselligen Runden anregen zum Beispiel.

Doch die Systeme entwickeln sich weiter, prognostiziert Haltaufderheide. «Das wird sich Stück für Stück steigern und komplexer werden, je besser die Maschinen darin werden, soziale Interaktion von Menschen untereinander zu verstehen und nachzuahmen.» Aus Sicht des Philosophen und Medizinethikers ist es wichtig, genau hinzuschauen, in welchen Umständen die Technik eingesetzt wird und wie es um den Zustand und das Wissen des Pflegebedürftigen bestellt ist.

© dpa-infocom, dpa:200728-99-953253/4

Profil Joschka Haltaufderheide


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Laut einer Sachverständigenkommission fühlen sich viele ältere Menschen bei der Digitalisierung abgehängt. Vor allem Senioren, die von der Grundsicherung leben, mangelt es oft an digitaler Ausstattung. Foto: Christin Klose/dpa-tmn/dpa Experten warnen vor digitaler Spaltung im Alter Fotos über WhatsApp teilen oder Geld überweisen über eine Banking-App - viele Ältere nutzen digitale Technik genau wie Junge, aber vielen bleibt sie auch ein großes Rätsel. Sachverständige fordern nun, alle Senioren bei dem Thema mitzunehmen.
Wer Angehörige pflegt, leistet Knochenarbeit - und bekommt dabei oft keine oder nicht die richtige Unterstützung, klagen Experten. Foto: Jana Bauch Alltagshilfe für pflegende Angehörige Pflege ist Knochenarbeit - und gerade für pflegende Angehörige eine psychische Belastung. Im schlimmsten Fall können sie sogar selbst zum Pflegefall werden. Damit das nicht passiert, braucht es Unterstützung, sagen Experten. Und zwar anders als bisher.
In der Pflege kann es zu Gewalt kommen. Häufig sind Überforderung und starker Stress Auslöser. Foto: Christophe Gateau Gewalt in der Pflege früh erkennen und nicht verharmlosen Immer wieder kommt es zu Gewalt in der Pflege. Eigentlich Schutzbefohlene misshandeln ihre Schützlinge physisch oder psychisch. Aber was sind die Auslöser und wie kann man Aggressionen vorbeugen?
Werden die eigenen Eltern im Alter, sollte man sie nicht darauf ansprechen. Besser ist es, ihnen unauffällig zu helfen. Foto: Ina Fassbender Darf man den Eltern sagen, dass sie senil werden? Zeigen sich bei älteren Menschen Verhaltensänderungen, fällt es den eigenen Kindern meist besonders schnell auf. Doch wie spricht man das sensible Thema an, ohne dabei Gefühle zu verletzen?