Erhöhtes Krebsrisiko bei starkem Übergewicht

30.10.2019
Dass Rauchen Krebs auslösen kann, weiß fast jedes Kind. Doch dass Übergewicht ein erhöhtes Krebsrisiko birgt, ist den wenigsten bewusst.
Ein Experte warnt vor starkem Übergewicht als Ursache von Krebs. Foto: Frank Leonhardt/dpa/Illustration
Ein Experte warnt vor starkem Übergewicht als Ursache von Krebs. Foto: Frank Leonhardt/dpa/Illustration

Stuttgart (dpa) - Übergewicht als eine der Ursachen von Stoffwechselerkrankungen und orthopädischen Problemen ist den meisten Menschen geläufig. Doch der Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und Krebserkrankungen wird nach Meinung eines Experten stark unterschätzt.

«Dabei besteht eine deutliche Korrelation zwischen Übergewicht und Krebsrisiko, die wissenschaftlich sehr gut belegt ist», sagte Jan Steffen Jürgensen, Vorstandschef des Klinikums Stuttgart, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Das im Fettgewebe gebildete Hormon Leptin, das in Stoffwechselprozesse eingreift, gelte als einer der begünstigenden Faktoren für das Entstehen von Tumoren.

Neben Rauchen sei Übergewicht eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen von Krebs, betonte der Internist. Eine Langzeitstudie mit über fünf Millionen Menschen, die britische Forscher 2014 in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichten, zeigte beispielsweise bei 17 von 22 Tumorarten eine Korrelation mit Übergewicht. Dies gilt auch für die vergleichsweise häufigen Krankheiten Brust- und Darmkrebs.

Die Studie habe auch gezeigt:

Je ausgeprägter das Übergewicht, desto höher das Krebsrisiko. Wenn zum Beispiel eine 1,70 Meter große und 72 Kilo schwere Frau 15 Kilo zunehme, steige das Risiko für ein Gebärmutter-Karzinom auf das 1,6-Fache, sagte Jürgensen mit Verweis auf die Studie. Dies Karzinom ist nach Daten des Robert Koch-Instituts mit etwa 10.700 neuen Fällen jährlich die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Nach einer Mitteilung der DAK-Gesundheit vom Mittwoch ist der Bevölkerung diese Gesundheitsgefahr aber in weiten Teilen unbekannt. Bei einer Umfrage in Baden-Württemberg im Auftrag der Krankenkasse sahen nur zwölf Prozent der über 1000 Befragten ein stark erhöhtes, 28 Prozent jedoch kein Risiko im Zusammenhang mit krankhaftem Übergewicht. Als die entscheidenden Schlüssel, die Gefahr zu reduzieren, nannte Jürgensen Bewegung und gesunde Ernährung.

Überdies zeigte die DAK-Studie, dass sich deutlich mehr als jeder zweite Baden-Württemberger (56 Prozent) für zu dick hält. Jeder Achte hält sich selbst sogar für sehr übergewichtig. Für 46 Prozent der Befragten gelten Dicke als gesellig. 36 Prozent finden Übergewichtige generell unästhetisch.

DKFZ zu Übergewicht und Krebs

Daten Gebärmutter-Karzinom


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Klaus Heinzmann nahm an der Langzeitstudie «Gesundheit zum Mitmachen» teil. Dabei entwickelte er ein Bewusstsein für die tägliche Bewegung. Foto: Sina Schuldt/dpa 25 Jahre Feldversuch: Bewegung hält jung Vor 25 Jahren fing alles an: Forscher der Karlsruher Universität begannen mit einer einmaligen Langzeitstudie zu Gesundheit und Bewegung. Viermal werteten sie die Ergebnisse über die Jahre aus. Jetzt kommt der fünfte Aufschlag - und manch neue Erkenntnis.
Ein Vulkanausbruch 1815 in Indonesien und die daraus resultierende verheerende Hungersnot in Deutschland führte zur Gründung der Universität Hohenheim. Foto: Sina Schuldt/dpa Vulkanausbruch als Gründungsgrund: Uni Hohenheim wird 200 Welche Hochschule hat schon einen Vulkan als quasi Gründungsvater? Wo werden Kuhbürsten und Ohr-Chips für Schweine entwickelt? Wo lehrte (kurz) Wilhelm Carl Röntgen und wo wurde Winfried Kretschmann politisch? Herzlichen Glückwunsch zum 200sten, Universität Hohenheim.
Gegründet wurde die Universität Hohenheim 1818. Wegen Ernteausfällen nach einem Vulkanausbruch in Indonesien richtete König Wilhelm I. eine landwirtschaftliche Unterrichtsanstalt ein. Foto: Sina Schuldt/dpa Vulkanausbruch als Gründungsgrund - Uni Hohenheim wird 200 Welche Hochschule hat schon einen Vulkan als quasi Gründungsvater? Wo werden Kuhbürsten und Ohr-Chips für Schweine entwickelt? Wo lehrte (kurz) Wilhelm Carl Röntgen und wo wurde Winfried Kretschmann politisch? Herzlichen Glückwunsch zum 200sten, Universität Hohenheim.
Das aus der Kokosnuss hergestellt Kokosöl steht nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen in der Kritik. Foto: Marcus Brandt Kokosöl schadet der Gesundheit Ein Exot erobert die Küche: Kokosöl erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Eine Freiburger Medizinerin warnt davor und stößt eine Debatte an. Wissenschaftler und Naturschützer stellen sich hinter sie. Und benennen die Nachteile des Öls.