Endlich Student: Wie viel dürfen die Eltern noch mitreden?

30.08.2019
Wenn die Kinder selbstständig werden und ein Studium aufnehmen, sind Eltern häufig verunsichert. Dürfen sie sich etwa bei der Wahl des Studienfachs einmischen oder vorgeben, wofür das bereitgestellte Geld ausgegeben wird?
Hörsaal statt Kinderzimmer: Wenn der Nachwuchs flügge wird, fühlen sich Eltern häufig verunsichert. Denn ihr Einfluss auf den Nachwuchs nimmt ab. Foto: Uwe Zucchi
Hörsaal statt Kinderzimmer: Wenn der Nachwuchs flügge wird, fühlen sich Eltern häufig verunsichert. Denn ihr Einfluss auf den Nachwuchs nimmt ab. Foto: Uwe Zucchi

Fürth (dpa/tmn) - Ob Taschengeld, die Wahl der Schule, Ausbildung oder Uni, welche Anschaffung, welcher Handyvertrag, ob Führerschein jetzt oder später - immer bestimmen Eltern das Leben ihres Kindes mit. Jetzt ist es endlich Student und hofft: Keiner quatscht mir mehr rein. Wie viel dürfen die Eltern jetzt noch mitreden?

«Das ist eine Gratwanderung», sagt Dorothea Jung von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). In der Regel seien die Jugendlichen nun volljährig, hätten die Pubertät überstanden und seien erwachsen. Eltern können noch ihre Meinung äußern. «Dabei sollten sie gute Argumente haben, denn verbieten können sie nichts mehr.»

Wenn das Kind etwa gegen den Willen der Eltern das Studienfach wechselt, können sie nicht einfach den Geldhahn zudrehen. Denn bis zum Abschluss der ersten Ausbildung sind Eltern unterhaltspflichtig. Wenn Studenten merken, dass das Fach doch nicht ihr Ding ist, könne ein Wechsel durchaus sinnvoll sein. «Das ist besser, als fünf Jahre zu studieren, aber dann die Prüfung nicht zu bestehen», erklärt die Erziehungsberaterin.

Was das Kind etwa mit der finanziellen Unterstützung macht, darauf haben Eltern rechtlich keinen Einfluss. Haben sie die Befürchtung, das Kind verplempert die Kohle nur und zahlt die Miete nicht, könne man die Miete direkt zahlen und nur noch die Differenz als Unterhalt, schlägt Jung vor.

Damit sich die Fronten zwischen Eltern und erwachsenem Kind gar nicht erst verhärten, rät die Expertin Eltern: «Bleiben Sie mit dem Nachwuchs immer im Gespräch. Je weniger Kontakt, desto kleiner der weitere Einfluss.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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