Einsatz von Hörprothese ist Entscheidung der Eltern

08.12.2020
Dürfen sich Eltern dagegen entscheiden, dass ihr Kind hören und sprechen lernt? Sie dürfen, sagen Juristen. Der Staat hat in dieser Frage kein Mitspracherecht.
Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die Schwerhörigen und Gehörlosen das Hören möglich machen kann. Foto: Rolf Haid/dpa/dpa-tmn
Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die Schwerhörigen und Gehörlosen das Hören möglich machen kann. Foto: Rolf Haid/dpa/dpa-tmn

Goslar (dpa/tmn) - Hat ein Kind Hörschäden, dürfen Eltern über eine mögliche Cochlea-Implantation entscheiden. Ihre Ablehnung einer solchen Operation bei ihrem Kind rechtfertigt keinen teilweisen Entzug des Sorgerechts. Das hat das Amtsgericht Goslar entschieden (Az.: 12 F 226/17 SO),wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins mitteilt.

In dem verhandelten Fall ist die Mutter des Jungen taub, der Vater stark schwerhörig. Ihr Sohn ist nahezu taub, verfügt aber möglicherweise über ein Resthörvermögen. In diesem Fall käme für ihn eine sogenannte Cochlea-Implantation in Frage, die zu Hör- und damit auch Sprachvermögen führt.

Die Eltern, die sich sehr umfassend informiert hatten und auch Bereitschaft für neue Argumente gezeigt hatten, lehnten eine solche Operation letzten Endes ab. Das Jugendamt sah in der Ablehnung eine Kindeswohlgefährdung und teilte den Fall dem Familiengericht mit, das ein Sorgerechtsverfahren einleitete.

Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass ein teilweiser Sorgerechtsentzug zur Ermöglichung der Cochlea-Implantation nicht gerechtfertigt ist. Die Entscheidung gegen die OP und für ein Hörgerät liege in der Entscheidungsfreiheit und Fürsorge der Eltern. Es sei nicht Aufgabe des Staats, gegen den Willen der Eltern für eine optimale Förderung ihres Kinds zu sorgen.

© dpa-infocom, dpa:201208-99-614719/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Wohl eines Kindes muss gesichert sein in einer Tagespflegestelle. Gibt es Zweifel, sollte schnell reagiert werden. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Tagesmutter darf Kinder nicht mehr betreuen Tagesmütter und -väter müssen sich an hohen Ansprüchen messen lassen. Schon ein einmaliger Verdacht auf Körperverletzung kann reichen, damit sie die Erlaubnis zur Kinderbetreuung verlieren.
Die Mutter darf ihr Kind sehen. Denn es verbietet sich, das Umgangsrecht allein aufgrund einer abstrakten Gefahreneinschätzung einzuschränken. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Mutter nimmt Droge: Umgangsrecht nicht pauschal beschränkbar Das Wohl des Kindes steht immer Vordergrund. So auch bei der Entscheidung, ob das Umgangsrecht eines Elternteils eingeschränkt werden soll. Doch was heißt das konkret, wenn ein Elternteil Drogen konsumiert?
Das Gericht entscheidet zum Wohl des Kindes. Das heißt, das Mädchen wird geimpft. Foto: Patrick Seeger/dpa BGH-Urteil: Vater setzt Impfung der Tochter gegen Ex durch Eltern können frei wählen, ob sie ihre Kinder wie empfohlen impfen lassen oder nicht. Was aber, wenn die Mutter Impfgegner und der Vater -befürworter ist? Der BGH hat bei der Entscheidung das Kind im Blick.
Kommen Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, haben sie ein erhöhtes Risiko, eine Verhaltensstörungen zu entwickeln. Darauf lassen zumindest Zahlen der Techniker Krankenkasse schließen. Foto: Waltraud Grubitzsch Machen Kaiserschnitte Kinder kränker? Die hohe Zahl der Kaiserschnitte in Deutschland ist umstritten. Sind alle medizinisch notwendig? Die Techniker-Krankenkasse hat untersucht, wie gesund sich die Kinder ihrer Versicherten nach einer Sectio entwickeln. Was bedeuten die Ergebnisse?