Das Mitfiebern als Fan kann ans Herz gehen

10.06.2021
Aufregung und Emotionen gehören beim Fußballschauen dazu. Für das Herz ist das Schwerstarbeit. Dazu trägt auch der ungesunde Lebensstil vieler Fans während eines Turniers bei. Ist das ein Problem?
Bei vielen Fans dreht sich zu Turnieren wie der EM wochenlang alles nur um eines: Fußball. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Bei vielen Fans dreht sich zu Turnieren wie der EM wochenlang alles nur um eines: Fußball. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Das eigene Team vergibt eine Chance, ein Kopfball des Gegners landet am Pfosten. In solchen Situationen rufen Fans schnell einmal: «Boah, mein Herz!» Tatsächlich ist die Aufregung körperlich spürbar. Aber kann sie gefährlich werden? Studien deuten darauf hin, dass Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen bei großen Fußball-Turnieren häufiger auftreten. Warum das so ist, erklärt Kardiologe Axel Schmermund aus Frankfurt am Main.

Für ihn sind es mehrere Dinge, die hierfür eine Rolle spielen. Emotionalität und Aufregung, klar. Aber bei vielen ändert sich zu Turnieren wie der Europameisterschaft, die am morgigen Freitag (11. Juni) mit der Partie Italien gegen Türkei startet, auch der Lebensstil.

Der Lebensstil des Fans während eines Turniers

«Das macht man sich vielleicht nicht so bewusst», sagt Schmermund, «aber natürlich: Wenn man viel Zeit im Sitzen verbringt, mit Snacks, die man sonst vielleicht nicht essen würde, mit Alkohol - dann verändert das die Situation auch nicht zum Guten.»

Es gibt Fans, die kaum etwas zu befürchten haben. Gerade die jüngeren, die Sport treiben und im Allgemeinen gesund sind. Andere indes sind eher gefährdet. Vor allem jene, die Vorerkrankungen oder schon einmal Probleme mit dem Herzen hatten. Und Menschen, die älter sind, die starkes Übergewicht haben, die rauchen oder bei denen die Cholesterinwerte hoch sind.

Große Aufregung beim eigenen Team

Besonders aufregend und anstrengend fürs Herz wird es, wenn das eigene Team spielt. Das sei ein Riesenunterschied, sagt Schmermund. Die deutsche Mannschaft startet am Dienstag mit ihrer Partie gegen Weltmeister Frankreich in die EM.

Vor den Partien des eigenen Teams empfiehlt es sich für Risikopatienten, in sich hineinzuhorchen. Zwar ist es so, dass beispielsweise Herzinfarkte schwer vorhersehbar sind. «Dennoch höre ich bei solchen Ereignissen oft im Nachhinein, dass sich Patienten vorher unwohl gefühlt haben und diffuse Beschwerden hatten», sagt Schmermund. Sein Rat: Geht es einem eh nicht gut, sollte man vorsichtig sein und lieber nicht zu heftig mitfiebern.

© dpa-infocom, dpa:210610-99-937938/2

EM-Spielplan


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer beim Fußballschauen einen Imbiss zu sich nicht, achtet nicht unbedingt auf Kalorien. Um das Essen wieder abzutrainieren, müssten viele Fans lange trainieren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand So lange trainieren Fußballfans Burger und Softdrink ab Egal ob in der Kneipe oder zu Hause - wer die WM-Spiele verfolgt, stopft oft manches Essen in sich hinein. Bei einer klassischen Verpflegung aus Burger, Pommes frites und Cola kommen da eine Menge Kalorien zusammen. Wie viel Sport ist nötig, um sie wieder loszuwerden?
Herzkranke sollten Menschenmassen beim Public Viewing unter Umständne meiden. Foto: Daniel Karmann Fußball-EM: Medikamenten-Check für Herzkranke Bei spannenden Fußballspielen steigen Puls und Blutdruck. Das kann vor allem für Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung kritisch werden.
Bei einem Wadenkrampf stellen Sportler die Bewegung am besten sofort ein - dehnen hilft. Auch den Fußballer Christian Müller hat es erwischt. Er bekommt Hilfe von Granit Xhaka. Foto: Friso Gentsch Wenn die Wade schmerzt: Muskelkrämpfe beim Sport behandeln Es ist eine bekannte Szene aus dem Fußballstadion: Ein erschöpfter Spieler fasst sich immer wieder an die Wade, ihm macht ein Muskelkrampf zu schaffen. Auch Freizeitsportler kann es treffen. Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich jedoch gegensteuern.
Wer in letzter Zeit kaum Sport gemacht hat, sollte es als Fußball-Einsteiger langsam angehen. Gleich mit 90 Minuten Spielzeit zu beginnen, kann schnell zu Verletzungen führen. Foto: Tobias Hase So bleiben Hobby-Fußballer verletzungsfrei Nicht jeder Fußballfan begnügt sich nur mit Zuschauen. So mancher frühere Freizeit-Fußballer fühlt sich durch die WM auch angespornt, selbst wieder aktiv zu werden. Doch gerade nach einer langen Sportpause sollten Wiedereinsteiger ihre Fitness nicht überschätzen.