Cortison nicht abrupt absetzen

22.04.2019
Cortison kann zur Behandlung ganz unterschiedlicher Krankheiten zum Einsatz kommen. Nimmt man davon über längere Zeit viel ein, gewöhnt sich der Körper daran. Nach der Behandlung solte das Hormon daher nicht abrupt abgesetzt werden.
Wer über einen längeren Zeitraum Cortison eingenommen hat, sollte es nur langsam absetzen. Foto: Christin Klose
Wer über einen längeren Zeitraum Cortison eingenommen hat, sollte es nur langsam absetzen. Foto: Christin Klose

Berlin (dpa/tmn) - Wer über einen längeren Zeitraum Cortison einnimmt, sollte es danach nicht abrupt absetzen. Dem Körper drohten sonst Entzugserscheinungen, warnt die Bundesvereinigung Deutscher Apotheker-Verbände (ABDA) in ihrer «Neuen Apotheken Illustrierten» (Ausgabe 15. April 2019).

«Es kommt zu einem Steroid-Entzug, der sich durch Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit oder Gelenkschmerzen bemerkbar machen kann. Der Blutdruck sinkt, man ist verwirrt», erklärt Apothekerin Ursula Sellerberg vom ABDA. Die Krankheit, gegen die man das Hormon eingenommen hat, könne außerdem wieder aufflammen.

Grund ist der körpereigene Hormonhaushalt. Cortison wird, wie andere Steroidhormone, in der Nebennierenrinde gebildet. Der Körper produziert es auf Bedarf. Nimmt man zusätzlich Cortison ein, hält der Körper seinen Bedarf für gedeckt. Bei einer längerfristigen Einnahme bildet sich sogar die Nebennierenrinde zurück. Wenn die externe Zufuhr dann abrupt aufhört, kann der Körper das nicht auf Anhieb ausgleichen. Er braucht Zeit, die körpereigene Produktion wieder hochzufahren.

Die ABDA rät daher, die Cortison-Zufuhr langsam auszuschleichen. Wie und wann genau die Dosis zurückgefahren wird, sollte dabei immer der Arzt entscheiden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer eine Zeit lang eine cortisonhaltige Salbe verwenden muss, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Nebenwirkungen sind gering, außerdem wirken die Präparate häufig schnell und können zügig wieder abgesetzt werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Cortison - Segen und Fluch eines hochwirksamen Medikaments Wenn Patienten hören, dass sie Cortison nehmen sollen, geraten sie häufig in Panik. Weil der Wirkstoff früher viel zu hoch dosiert eingesetzt wurde, hatte er starke Nebenwirkungen. Heute wissen Ärzte es besser. Die Angst vor dem Medikament ist meist nicht begründet.
Ist der Mensch verliebt, verdreht ihm ein Hormonmix den Kopf. Foto: Westend61/dpa-tmn Einmaleins der Hormone: Wie sie den Körper beeinflussen Glückshormone, Kuschelhormone, Sexualhormone: Davon gehört hat jeder schon mal. Aber was genau tun Botenstoffe wirklich im Körper? Lassen sie sich bewusst steuern wie manchmal behauptet wird, oder ist der Mensch ein Sklave seiner Hormone?
Dieser Hinweis reicht bei manchen Medikamenten nicht aus. Sie müssen zum Beispiel gleich nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Warum es bei Arznei auf den Einnahmezeitpunkt ankommt Damit ein Arzneimittel optimal wirken kann, muss es zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden. Der ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich. Was sollten Patienten beachten?
Hannah Fröhlich leidet an POMC-Mangel (Proopiomelanocortin). Foto: Janne Kieselbach Über das Leben mit einer seltenen Erkrankung Hannah Fröhlich leidet an POMC-Mangel, einem Gendefekt. Sie war die erste Patientin weltweit mit dieser Diagnose. An speziellen Zentren für seltene Erkrankungen wird Menschen wie Hannah geholfen