Coronavirus: Darf ich im Sommer baden gehen?

14.05.2020
Wenn es heiß wird, zieht es die Menschen ins kühle Nass. In Zeiten von Corona stellt sich aber die Frage: Ist das gefährlich?
Das Umweltbundesamt hält das Baden in größeren Naturgewässern wie Badeseen oder in Meeren für unbedenklich. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus sei im Wasser äußerst gering. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Das Umweltbundesamt hält das Baden in größeren Naturgewässern wie Badeseen oder in Meeren für unbedenklich. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus sei im Wasser äußerst gering. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin (dpa) - Die Temperaturen steigen, die Verunsicherung bleibt: Wenn mit dem Sommer die Hitze kommt, wächst die Sehnsucht nach Abkühlung. Darf ich in Corona-Zeiten ins Freibad, an den Badesee oder ins Meer?

- Behauptung: Angesichts einer drohenden Infektion mit dem Coronavirus ist Schwimmen in Freibädern, Seen und Meeren zu gefährlich.

- Bewertung: Schwimmen an sich ist unproblematisch. Doch die Besucher von Strand- oder Freibädern müssen die Abstandsregeln beachten.

- Fakten: Wer ins Schwimmbad, an den Badesee oder ans Meer geht, sollte auch außerhalb des Wassers Vorsicht walten lassen. Der Alptraum von Virologen sind dicht nebeneinander liegende Handtücher mit sich sonnenden Menschen darauf.

Vom kühlen Nass selbst geht eine geringere Infektionsgefahr als vom direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Darüber sind sich Wissenschaftler einig. Wenig Grund zur Sorge gibt es, wenn es sich dabei um aufbereitetes und mit Chlor desinfiziertes Badewasser in Hallen- und Freibädern handelt. Das Virus werde dadurch «zuverlässig inaktiviert», sagt Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Das bestätigt auch das Umweltbundesamt (UBA): «Das Wasser in konventionellen Schwimmbädern (Frei- oder Hallenbäder) unterliegt einer ständigen Aufbereitung. (...) Filtration und Desinfektion sind wirksame Verfahren zur Inaktivierung von eingetragenen Mikroorganismen (z.B. Bakterien und Viren).»

Wer Bäder mit biologischer Aufbereitung wie Schwimm- und Badeteiche besucht, sollte aber genauer hinschauen. Sie enthalten laut Umweltbundesamt «kein Desinfektionsmittel, daher geht von derartigen Bädern ein gewisses Infektionsrisiko aus, auf welches der Badegast generell vor Ort hingewiesen werden sollte». Ebenso nachweisbar sei das Coronavirus im noch nicht aufbereiteten Abwasser, erklärt Janne Vehreschild, der beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung eine Arbeitsgruppe zu den Risikofaktoren bei Covid-19 leitet. Der Experte: «Ob diese Mengen für eine Ansteckung ausreichen, steht aber noch nicht fest.»

Unbedenklich sei dagegen das Baden und Schwimmen in größeren Naturgewässern wie Badeseen oder in Meeren wie Nord- und Ostsee, heißt es beim UBA. Die Gefahr einer Ansteckung sei wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering: «Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen». Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe keine Hinweise dafür gefunden, dass das Coronavirus über den Wasserweg übertragen werde.

Grundsätzlich jedoch sollten Menschen mit Atemwegsinfekten oder Durchfall nicht baden, um andere nicht zu gefährden, mahnt das UBA. «Dies gilt völlig unabhängig davon, um welche potenziellen Krankheitserreger es sich im Einzelnen handelt.»

Stand: 13.5.2020

Umweltbundesamt zu Schwimm- und Badebecken


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer Bus und Bahn fährt oder einkauft, muss eine Mund-Nasenmaske tragen. Zweck der Schutzmaske ist es, Tröpfchen abzufangen, die wir beim Sprechen, Lachen, Husten oder Niesen ausstoßen. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB Kann das Tragen einer Maske vor Corona schützen? Seit einigen Wochen gilt beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln bundesweit eine Maskenpflicht. Doch nicht jeder ist vom Nutzen dieser Maßnahme überzeugt. Kann eine solche Gesichtsbedeckung wirklich die Ansteckung mit Corona verhindern?
Im Kampf gegen das Coronavirus plagt die Weltgesundheitsorganisation zusätzlich der Kampf gegen Fake News und Co. Foto: Uncredited/AP/dpa WHO kämpft gegen absurde Coronavirus-Gerüchte Die Gerüchteküche über das Coronavirus Sars-CoV-2 brodelt, mit teils abstrusen Pseudo-Studien und Verschwörungstheorien. Die Weltgesundheitsorganisation müht sich, gegenzusteuern.
Die Körperkerntemperatur liegt bei fast allen Menschen bei mehr als 35 Grad Celsius. Würde Sars-CoV-2 tatsächlich bei weniger als 30 Grad Celsius sterben, wäre der Erreger im menschlichen Körper gar nicht lebensfähig. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Das Coronavirus stirbt nicht bereits bei 27 Grad Celsius Was kann Menschen vor Covid-19 schützen? Im Internet finden sich dazu inzwischen unzählige Antworten. Eine davon lautet: Das Coornavirus verträgt keine Hitze. Was ist dran?
Welchen Anteil haben Kinder an der Verbreitung von Corona? Auf diese Frage liefert die Wissenschaft noch keine verlässliche Antwort. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Die Rolle der Kinder bei der Übertragung des Virus Wie schön wäre es doch, wenn man auf wissenschaftlicher Basis sagen könnte: Es ist sicher, dass Kinder kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. Doch die Daten geben das nicht her.