Corona: Entzündungshemmer keinesfalls vorbeugend einnehmen

17.06.2020
Vorläufige Studienergebnisse aus Großbritannien machen zwar Hoffnung auf ein mögliches Covid-19-Medikament. Wer aber denkt, dass er sich damit vor der Krankheit schützen könnte, liegt völlig falsch.
Dexamethason könnte einer Studie zufolge zwar die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken - prophylaktisch sollte man das Medikament aber keinesfalls einnehmen. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
Dexamethason könnte einer Studie zufolge zwar die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken - prophylaktisch sollte man das Medikament aber keinesfalls einnehmen. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Der Entzündungshemmer Dexamethason könnte die Sterblichkeit von schwerer erkrankten Covid-19-Patienten verringern - darauf deuten zumindest vorläufige Ergebnisse einer klinischen Studie aus England hin. Doch Experten warnen nicht nur vor verfrühter Euphorie, da die vollständigen Daten zur Studie noch nicht vorliegen. Sie warnen auch davor, dieses Medikament vorbeugend einzunehmen.

Eine Einnahme von Dexamethason aus der Annahme heraus, damit zum Beispiel die möglichen Folgen einer Ansteckung mit Corona zu mildern, «wäre unsinnig», sagt Prof. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin mit Sitz in Berlin.

Das Medikament schwächt die Körperabwehr

Es ergibt Pfeifers Worten zufolge auf keinen Fall Sinn, das Medikament zu nehmen, um sich zu schützen. Dexamethason sei ein hochpotentes Cortison, das die Körperabwehr schwäche und damit den Körper generell anfälliger für Infektionen mache. Ob das für eine Corona-Infektion im Speziellen gelte, sei zwar nicht klar - unter dem Strich könne die vermeintliche Vorsorge durch die Einnahme des ohnehin verschreibungspflichtigen Medikaments aber genau das Gegenteil der erhofften Wirkung bringen.

Außerdem drohen, zumindest bei der Einnahme über mehrere Wochen hinweg, erhebliche Nebenwirkungen durch Dexamethason - darunter Muskelschwäche, Augenschäden, Osteoporose oder Bluthochdruck.

Für Beurteilung der Studie ist es zu früh

In der klinischen Studie, zu der die Universität Oxford bisher nur eine Mitteilung veröffentlicht hat, wurde das Medikament Patienten gegeben, die bereits an Covid-19 erkrankt waren und künstlich beatmet werden mussten. Deren Sterblichkeitsrate sank den Angaben zufolge um ein Drittel.

Aus pathophysiologischer Sicht seien die vorläufigen Ergebnisse nachvollziehbar, wonach das entzündungshemmende Mittel den Verlauf der Lungenkrankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird, mildern könnte, sagt Pneumologe Michael Pfeifer. Für eine genaue Beurteilung sei es aber noch zu früh: «Wir wissen noch nichts über die genauen Daten, aus der die Studienautoren ihre Schlüsse ziehen.»

Bis dahin werde Dexamethason sicher nicht für die Covid-19-Behandlung in deutschen Krankenhäusern empfohlen. In den am Dienstag aktualisierten Behandlungsrichtlinien werde es nicht einmal erwähnt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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