Binationalen Paaren macht Corona weiterhin viele Probleme

10.09.2020
Kilometer, Grenzen, sogar Kontinente: Wenn der Partner im Ausland lebt, kann einen vieles trennen. Aktuell kommt noch die Corona-Krise hinzu. Die trifft besonders Unverheiratete. Hat sich ihre Lage inzwischen verbessert?
Unverheiratete binationale Paare müssen in der Corona-Krise oft lange Warten auf das nächste Wiedersehen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Unverheiratete binationale Paare müssen in der Corona-Krise oft lange Warten auf das nächste Wiedersehen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin (dpa) - Auch einen Monat nach Lockerung der deutschen Einreiseregeln für unverheiratete Paare in der Corona-Pandemie stehen Betroffene vor vielen Problemen. «Die Anfragen haben sogar zugenommen», resümiert Carmen Colinas vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften.

Es geht um Paare, bei denen ein Partner - der keine deutsche Staatsbürgerschaft hat - in einem Nicht-EU-Staat wohnt, der andere in Deutschland. Wer den Liebsten oder die Liebste trotz Reisebeschränkungen treffen will, muss nachweisen, dass das Paar sich schon einmal in Deutschland getroffen oder im Ausland zusammengelebt hat.

Visastellen arbeiten nur eingeschränkt

«Darunter fallen nicht alle Paare», sagt Colinas. Hinzu kommen die üblichen Hürden, die in der Corona-Krise noch einmal gewachsen sind. So braucht es für Bürger vieler Staaten ein Visum zur Einreise nach Deutschland. Wer das haben will, benötigt Geduld: Wegen der Einschränkungen des öffentlichen Lebens könnten einige Visastellen im Ausland «nur erheblich eingeschränkt oder im Notbetrieb» arbeiten, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

«Vielerorts bestehen weiter Ausgangssperren und andere Bewegungsbeschränkungen, die Antragstellende und Beschäftigte unserer Auslandsvertretungen gleichermaßen betreffen», erklärte das Amt. Zudem schränkten Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus wie Abstandsregeln oder Schichtarbeit die Kapazitäten weiter ein. «Das Auswärtige Amt und seine Visastellen arbeiten mit Hochdruck daran, dass von der Ausnahme von den Einreisebeschränkungen umfasste unverheiratete Partnerinnen und Partner möglichst schnell ein Visum zur Einreise nach Deutschland erhalten.»

Wenn das Herkunftsland des Partners oder der Partnerin auf der sogenannten Positivliste steht, weil es dort nach Einschätzung der Bundesregierung relativ wenige Infektionen gibt, gibt es zumindest keine zusätzlichen Corona-Hindernisse.

Besuch vom Partner ist keine «zwingende Notwendigkeit»

Wer hingegen aus einem Staat kommt, der nicht auf der Positivliste steht, muss für die Einreise einen wichtigen Grund haben. Solche Menschen haben laut Colinas, deren Verband viele Beratungsanfragen bekommt, allerdings Schwierigkeiten, einen Termin für ein Visum zu bekommen. Denn ein Besuch beim Partner steht nicht auf der Liste von Fällen, bei denen die Bundesregierung eine «zwingende Notwendigkeit» sieht.

Die deutsche Regelung sei zudem nicht überall bekannt, sagt Colinas. «Auch nicht unter den Grenzbeamten.» Es gebe wenige Direktflüge und so könnten Betroffene auch beim Umstieg in einem anderen Land aufgehalten werden.

In ihrer Not würden die Betroffenen kreativ, berichtet Colinas. Ihr Verband bekomme auch Anfragen nach alternativen Weg zu dem oder der Liebsten in Deutschland: zur Heirat in einem anderen Staat, zur Einreise mit einem Visum als Student oder Fachkraft.

Paare müssen Quarantäne- und Abstandsregeln beachten

Auch wer es einmal geschafft hat, müsste nach geltenden Regeln in manchen Fällen erst einmal Abstand halten: Schließlich müssen Reisende aus Risikogebieten zunächst in Quarantäne, falls sie keinen negativen Corona-Test vorweisen können.

Ursprünglich hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine einheitliche EU-Lösung im Sinn. Davon sind die 27 Staaten allerdings weit entfernt. Vielmehr stellt jedes Land eigene Regeln für die betroffenen Paare auf. Ausnahmen wie in Deutschland gibt es beispielsweise in Österreich und Dänemark. Deutschland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, hat die anderen Länder in einem Fragebogen unter anderem zu ihrem Vorgehen bei diesem Thema befragt. Womöglich wird auch die EU-Kommission noch einmal eine Interpretationshilfe der aktuellen Empfehlungen vorlegen.

Aber bei manchen Liebenden klappt es ja auch mit dem Wiedersehen. Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften bekomme auch positive Rückmeldungen, sagt Colinas. «Es ist halt in Beratungsstellen so, dass wir weniger von guten Ausgängen erfahren, da die Menschen sich dann nicht mehr bei uns melden. Sie rufen uns an oder schreiben uns, wenn es Probleme gibt.»

© dpa-infocom, dpa:200910-99-502155/2

Einreiseerklärung für unverheiratete Paare


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die deutschen Jugendlichen sind in der Corona-Krise einer Studie des Sinus-Instituts zufolge zwar genervt von den Einschränkungen, verhalten sich aber gleichzeitig mitfühlend und verantwortungsbewusst. Foto: Arne Dedert/dpa Jugend geprägt durch «neue Ernsthaftigkeit» Wie tickt Deutschlands Jugend? Alle vier Jahre gibt die Sinus-Studie Einblick in Gedanken, Gefühle und Wünsche der Teenager. Diesmal geht es um die Fridays-for-Future-Generation.
Wer im Ruhestand ist, legt nicht die Hände in den Schoß. Manche Senioren betreuen beispielsweise ehrenamtlich eine Kinder. Foto: Jochen Lübke/dpa Wie viel, mit welchem Ziel? Das richtige Ehrenamt finden Kleinen Kindern Geschichten vorlesen, bei der Gartenarbeit helfen oder im Vorstand die Geschicke eines Vereins lenken - auch nach dem regulären Berufsleben kann man sich gesellschaftlich engagieren. Es ist aber wichtig, vorher ein paar Fragen zu klären.
Alle Flüge der britischen Airline Flybmi wurden gestrichen. Foto: Bernd Wüstneck Britische Airline Flybmi ist insolvent Der EU-Austritt Großbritanniens in sechs Wochen hat auch der britischen Airline Flybmi zugesetzt: Sie stellt ihren Betrieb ein.
Bleiben Paare ohne Kinder, ist das nicht immer gewollt. Betroffene können sich an eine psychosoziale Kinderwunschberatung wenden. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa Für ungewollt Kinderlose gibt es Beratungsangebote In Deutschland ist laut Bundesfamilienministerium fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Eine Studie zeigt, dass die Zahl derjenigen steigt, die sich deswegen diskriminiert fühlen.