Bildgebende Verfahren mit Nutzen und Risiken

06.01.2021
Vor rund 125 Jahren entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen das erste bildgebende Verfahren. Längst kommt die Medizin nicht mehr ohne sie aus. Ihre Anwendung ist aber oft eine Abwägungsfrage.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt elektromagnetische Felder und Radiowellen. Für den Patienten ist das ungefährlich. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn
Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt elektromagnetische Felder und Radiowellen. Für den Patienten ist das ungefährlich. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

Heidelberg (dpa/tmn) - Aus der Medizin sind bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder Ultraschall nicht wegzudenken. Sie machen sichtbar, was von außen für Ärztinnen und Ärzte nicht zu sehen ist.

Bänderrisse, Tumore oder der Zustand bestimmter Gefäße zum Beispiel. Doch es gibt unter Patienten immer wieder auch Vorbehalte gegen die Verfahren, vor allem wegen möglicher Strahlenbelastung.

«Die Röntgenaufnahmen dürften das bekannteste bildgebende Verfahren sein», sagt der Radiologe Prof. Jörg Barkhausen. Er ist Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck. Es ist die Technik, mit der 1895 erstmals Strukturen im Körperinneren sichtbar gemacht wurden. Auch heute spielt sie eine wichtige Rolle, etwa bei der Diagnostik von Knochenbrüchen.

Eine Weiterentwicklung des Röntgens ist die Computertomographie (CT),die Objekte durch Schichtaufnahmen auch dreidimensional darstellen kann. Verbreitet sind zudem der Ultraschall (Sonographie) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese beiden kommen ohne Strahlenbelastung für den Patienten aus.

Eine Abwägungsfrage

Heute können Radiologen für jede Patientin und jeden Patienten das für die Diagnose optimale Verfahren auswählen. «Das schließt neben der medizinischen Fragestellung natürlich auch Ängste und besondere Bedürfnisse mit ein», sagt Barkhausen.

Früher waren MRTs zum Beispiel wegen ihrer starken Magnetfelder bei Patienten mit Herzschrittmachern generell nicht möglich. Heutzutage gibt es dafür geeignete Schrittmachermodelle.

«Bei Kindern und Schwangeren wird besonders streng abgewogen, ob Verfahren auf Basis von Röntgentechnik ersetzt werden können», führt Barkhausen aus. Generell werde aber bei allen Patienten geprüft, ob Strahlung vermieden kann.

Die Radiologie arbeitet mit unterschiedlichen Arten von Wellen. «So sehen wir die unterschiedlichen Kontraste im Bild», erläutert Prof. Heinz-Peter Schlemmer, Direktor der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Beim Ultraschall sind es Schallwellen, das MRT funktioniert mit elektromagnetischen Feldern und Radiowellen. «Beides ist für die Patienten ungefährlich.»

Die Angst vor Krebs

Bei der Nuklearmedizin und beim Röntgen dagegen wird mit hochenergetischen elektromagnetischen Wellen gearbeitet, die mit Elektronen in Wechselwirkung treten. Dadurch entstehen chemische Nebenwirkungen, die zu genetischen Veränderungen führen können. «Hier hat man ein Krebsrisiko», sagt Schlemmer.

Der Radiologe plädiert dafür, stets Nutzen und Risiko abzuwägen. Denn ab wann die Strahlung gefährlich wird, kann man pauschal nicht sagen. Und der Patient spürt nichts davon. «Wir haben dafür keine Sensoren», sagt Schlemmer. «Aber genau das kann Angst machen.»

Unverzichtbar für Therapie und Kontrolle

Trotzdem braucht man diese Verfahren in der Medizin. «Je nach Einsatzgebiet erlauben sie beispielsweise eine rasche Behandlung bei Notfällen, indem man etwa innere Blutungen mittels CT zuverlässig erkennen kann», sagt Jörg Barkhausen. Insbesondere in der Onkologie, also der Behandlung von Krebserkrankungen, erlauben solche Verfahren eine sichere und schnelle Beurteilung der Tumorgröße. «Sie sind deswegen unverzichtbar zur Therapiesteuerung und Erfolgskontrolle.»

Die bildgebenden Verfahren haben auch Grenzen: «Diese liegen in der räumlichen und in der Kontrast-Auflösung», sagt Heinz-Peter Schlemmer. Um gesundes von krankem Gewebe oder durchblutete von nichtdurchbluteten Arealen zu unterscheiden, spritzt man deswegen oft ein Kontrastmittel.

«Es gibt aber auch biologische Grenzen», sagt Schlemmer. «Dann können wir zwar die Strukturen erkennen, aber nicht, was sie für den Patienten bedeuten.» Also, ob sie wirklich zu Beschwerden führen können, oder sie sich zu Lebzeiten gar nicht mehr bemerkbar machen. Das ist gerade bei Früherkennungsuntersuchungen eine Herausforderung. Denn das Problem ist: Man kann oft nicht vorhersagen, wie sich bestimmte Erkrankungen entwickeln werden.

© dpa-infocom, dpa:210105-99-903068/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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