Beim Homeschooling nicht zu viel wollen

27.04.2020
Die Schule schickt zahlreiche Mails und jeden Tag neue Aufgaben, aber der Nachwuchs will so gar nicht mitziehen - Eltern müssen deswegen nicht zum Motivationscoach werden, sagt ein Experte.
Die Corona-Pandemie ist nicht die Zeit für Bestleistungen: Eltern müssen aktuell nicht mit größtem Ehrgeiz ans Thema Lernen gehen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Die Corona-Pandemie ist nicht die Zeit für Bestleistungen: Eltern müssen aktuell nicht mit größtem Ehrgeiz ans Thema Lernen gehen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Mannheim (dpa/tmn) - Endlose Diskussionen, lustlos ausgefüllte Arbeitsblätter - Homeschooling zehrt an den Nerven der Eltern. Bis alle zu einem geregelten Unterricht zurückkehren, wird wohl noch Zeit vergehen. Wie bringt man den Nachwuchs dazu, sich trotzdem an die anstehenden Aufgaben zu setzen?

«Ich rate sehr stark zur Mäßigung, was den Unterricht und die Lernzeiten zu Hause angeht», sagt Oliver Dickhäuser, Professor für Pädagogische Psychologie an der Uni Mannheim. «Und dazu, jetzt allem voran den Ball flachzuhalten.»

Ein realistisches Lernpensum bewege sich für junge Schüler der unteren Jahrgangsstufen im Bereich von maximal ein bis zwei Stunden am Tag. Man dürfe nicht vergessen, dass es auch im Schulunterricht immer wieder Phasen des freien Spiels gebe.

Eltern sollten sich an dem Prinzip «Strebe nach dem Guten und Möglichen, nicht nach dem Besten» orientieren. Für elterlichen Ehrgeiz werde es wieder passendere Zeiten geben, sagt Dickhäuser. Eltern sollten anerkennen, dass auch die Kinder selbst in einer schwierigen Phase stecken.

Der Experte stellt klar: «Die Lehrerrolle können Eltern eher schlecht als recht übernehmen.» Besser sei es, sich jetzt auf emotionale Unterstützung für die Kinder zu konzentrieren. Zum Beispiel mit der Frage: «Was macht dir im Moment Sorgen?» Das sei eine dankbarere Aufgabe als das nächste Aufgabenpäckchen durchzupauken.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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