Bei Sozialbestattung Beisetzung im Familiengrab möglich

09.05.2022
Können Hinterbliebene die Bestattungskosten für Angehörige nicht tragen, springt das Sozialamt ein. In der Regel übernimmt es nur die Gebühren für kostengünstigere Gräber. Es gibt aber Ausnahmen.
In der Familiengrabstätte beigesetzt zu werden, ist ein Wunsch, der auch postmortal geschützt ist. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
In der Familiengrabstätte beigesetzt zu werden, ist ein Wunsch, der auch postmortal geschützt ist. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Königswinter/Karlsruhe (dpa/tmn) - Auch bei einer Sozialbestattung können Angehörige von Verstorbenen unter Umständen eine Beisetzung im Familiengrab zugebilligt bekommen. Das Sozialamt muss dann die Gebühren übernehmen.

Auf ein entsprechendes Urteil (Az. S 2 SO 2888/20) des Sozialgerichts Karlsruhe macht die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, Aeternitas, aufmerksam.

Sozialbestattung: Nur kostengünstigere Gräber möglich

In dem konkreten Fall gab das Sozialgericht einer Klägerin recht, die ihren Vater im Rahmen einer Sozialbestattung in einem Urnenwahlgrab hatte beisetzen lassen.

Die zuständige Sozialbehörde hatte das verweigert. Können Hinterbliebene die Bestattungskosten nicht tragen, würde das Sozialamt üblicherweise nur die Gebühren für kostengünstigere Reihengräber erstatten, so die Verbraucherinitiative.

Wunsch auf Bestattung in Familiengrab ist geschützt

In diesem Fall aber hielt das Gericht die entstehenden Kosten für angemessen. Der Vater hatte die Grabstelle beim Tod seiner Ehefrau selbst ausgesucht und sich eine Beisetzung im gemeinsamen Grab gewünscht.

Das Gericht verwies darauf, dass der Wunsch des Vaters auch postmortal geschützt und zu beachten sei (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz). Darüber hinaus sind Ehe und Familie nach dem Grundgesetz ebenfalls besonders geschützt. Eine Beisetzung in der Familiengrabstätte sei somit ein angemessener Wunsch im Rahmen der Sozialgesetzgebung.

© dpa-infocom, dpa:220506-99-182656/2

PM Aeternitas


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auf dem Friedweinberg auf dem Bergfriedhof können Verstorbene die letzte Ruhe unter Weinreben finden. Foto: Thomas Frey/dpa Neue Bestattungsformen immer beliebter Die Bestattungskultur ist im Wandel. Die Alternativen zum klassischen Friedhofsgrab mit Sarg werden immer vielfältiger und beliebter.
Immer häufiger müssen Kommunen Amtsbestattungen durchführen - wenn sich keine Angehörigen finden lassen. Foto: Friso Gentsch Einsamer Tod: Zahl der Amtsbestattungen steigt Die Gesellschaft wird älter - und einsamer. Das merken auch die Kommunen in Deutschland, die immer öfter Menschen bestatten müssen, die niemanden mehr hatten. Amtsbestattungen bestehen nur aus dem Nötigsten.
Für den digitalen Nachlass sorgen nur wenige Menschen vor. Foto: Timm Schamberger Den digitalen Nachlass mit der Hilfe von Bestattern regeln Die Nutzung von Online-Diensten ist für Viele inzwischen selbstverständlich. Doch die Frage, was nach ihrem Tod mit ihren dort hinterlassenen Profilen, Nutzerkonten und Guthaben passiert, stellen sich offensichtlich nur Wenige. Bestatter bieten inzwischen Hilfe an.
Immer mehr Haustierbesitzer lassen ihre Tiere nach dem Tod einäschern und nehmen sie mit nach Hause. Foto: Harald Tittel/dpa Tierbestattungen werden immer beliebter Ein Haustier gilt oft als vollwertiges Familienmitglied. Verstirbt es, ist der Verlust entsprechend groß. Eine professionelle Bestattung hilft, von dem Tier würdevoll Abschied zu nehmen. Immer mehr Halter machen Gebrauch davon.