Weintester geben die neuen Spitzenweine bekannt

25.08.2020
Die Jahrgänge 2018 und 2019 haben den Winzern wegen schwieriger Klimabedingungen einiges abverlangt. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Für eine Überraschung sorgten vor allem die Spätburgunder, aber auch elegante Chardonnay-Weine.
Bei der «Vorpremiere» der «Großen Gewächse» des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) wurden 477 Weine verkostet. Positiv überrascht waren die Prüfer vor allem von den Spätburgundern. Foto: Peter Zschunke/dpa
Bei der «Vorpremiere» der «Großen Gewächse» des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) wurden 477 Weine verkostet. Positiv überrascht waren die Prüfer vor allem von den Spätburgundern. Foto: Peter Zschunke/dpa

Mainz (dpa) - Drei Tage lang haben 140 Weinexperten aus ganz Europa erstmals die Spitzenweine der vergangenen Jahrgänge geprüft. Besonders im Blickpunkt standen die Weißweine des Jahrgangs 2019 und die Rotweine aus dem Hitzejahr 2018.

Bei der «Vorpremiere» der «Großen Gewächse» des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) wurden von Sonntag bis Dienstag (23. bis 25. August) 477 Weine im Kurhaus Wiesbaden verkostet, wie es in der Fachsprache heißt.

Mit Temperaturmessen am Eingang, Wegemarkierungen im Saal, Maskenpflicht beim Gehen, Einzeltischen und Desinfektionsmitteln am Platz reagierte der Veranstalter auf die Corona-Bedingungen in diesem Jahr. Vermisst wurden diesmal aber Sommeliers (Weinberater) und Einkäufer aus Asien und Amerika.

Intensive Dufterlebnisse boten den Teilnehmern die Weißburgunder und Chardonnay-Weine aus der Pfalz, Württemberg oder Baden. Die meisten dieser 2019er Weine verbinden intensive Aromen mit einer Säurebasis, die den schwierigen klimatischen Bedingungen abgerungen werden musste. «Es gibt viele, die sagen, dass der 2019er einer der besten Weißwein-Jahrgänge seit 1999 gewesen sei», sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). «Mit ihrer Balance von Reife und Fruchtsäure, mit ihrer Eleganz, sind viele Weine außergewöhnlich.»

Besonders im Blick waren in Wiesbaden aber diesmal die Rotweine - hatten doch einige den 2018er bald nach der Lese schon als Jahrhundertjahrgang bezeichnet. Der Jahrgang dürfe nicht überbewertet werden, sagte dagegen die Kölner Sommelière Claudia Stern. Gute Winzer verstünden es, aus jedem Jahrgang etwas zu machen. Bei den 2018er Rotweinen sei spürbar, dass einige zu opulent ausgefallen seien. «Das sind richtige Brummer.» Es gebe aber auch sehr besondere Spätburgunder (Pinot Noir) dieses Jahrgangs, die sich trotz der hohen Temperaturen ihre Pinot-Raffinesse bewahrt hätten.

Insgesamt sei sie von den Spätburgundern positiv überrascht worden, sagte Isabella Rutayungwa vom Fachhandelshaus WeinArt in Geisenheim im Rheingau. Viele Winzer hätten es in dem warmen Jahrgang 2018 geschafft, «Große Gewächse» von Spätburgundern «mit einer einnehmenden Frische und Spannung» zu gestalten. Gerade in sehr warmen Weinregionen wie Baden hätten die Winzer im Zuge des Klimawandels ihre Arbeitsweisen im Weinberg anpassen müssen, um Präzision und Frische der Fruchtaromen zu erhalten.

© dpa-infocom, dpa:200825-99-297829/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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