Von Paleo bis Pulver - Was liegt beim Essen im Trend?

04.03.2016
Der Tag der gesunden Ernährung soll auf ausgewogenes Essen aufmerksam machen. Tatsächlich beschäftigten sich viele Menschen intensiv mit der Frage, was sie zu sich nehmen sollen und was nicht. Die Folge sind teils skurrile Trends.
Im Berliner Restauraunt «Sauvage» gibt es Zutaten, die es schon in der Steinzeit gegeben haben könnte. Foto: Tobias Kleinschmidt
Im Berliner Restauraunt «Sauvage» gibt es Zutaten, die es schon in der Steinzeit gegeben haben könnte. Foto: Tobias Kleinschmidt

Berlin (dpa) - Obst und Gemüse sind gesund, kein Zweifel. Aber schon an Milch- und Getreideprodukten scheiden sich die Geister - zumindest wenn es nach den Trends im Foodbereich geht. Der Tag der gesunden Ernährung am 7. März soll auf ausgewogenes Essen aufmerksam machen. Trends gibt es derzeit viele.

Clean eating: Anhänger setzen auf unverarbeitete Lebensmittel, mit denen frisch gekocht wird. «Auf Getreide versuchen wir weitmöglichst zu verzichten. Und wenn, dann gibt es Vollkorn oder besser noch Quinoa als Alternative», heißt es auf der gleichnamigen Internetseite. Die Ansätze sprechen zumindest nicht gegen die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE),wie DGE-Expertin Antje Gahl sagt. Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist die DGE aber nicht so streng. Tiefkühl-Spinat etwa sei unbedenklich.

Paleo: Bei einer paleolithischen Ernährung kommt nur auf den Tisch, was es schon in der Steinzeit gab. Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot sind tabu. In Berlin öffnete mit dem «Sauvage» einst das erste Paleo-Restaurant Deutschlands. Ernährungswissenschaftler betonen aber, unser Körper habe nicht mehr dieselben Bedürfnisse wie vor zwei Millionen Jahren.

Pulver:Inzwischen gibt es Pulver, das mit Wasser aufgegossen Nahrung ersetzen soll. Das Berliner Unternehmen nu3 brachte mit «Compleat» jüngst einen solche Raumfahrernahrung auf den Markt. Zuvor sorgte ein Software-Ingenieur in den USA mit einem Essensersatz namens «Soylent» für Schlagzeilen. «Man kann schon austüfteln, dass in Nahrungsersatz die wichtigsten Nährstoffe drin sind», sagt Ernährungswissenschaftler Guido Ritter von der Fachhochschule Münster. Eine dauerhafte Alternative sei das aber nicht.

Frei von: Egal ob ohne Gluten oder ohne Laktose - DGE-Expertin Gahl beobachtet einen «Frei von»-Trend. Mittlerweile greifen ihr zufolge nicht nur Betroffene zu solchen Produkten. Der Verzicht ist eher ein Zeitgeistphänomen, denn von Laktoseintoleranz ist hierzulande nur etwa jeder Fünfte betroffen. Lediglich zwei bis drei Prozent der Deutschen vertragen laut DGE das Klebereiweiß Gluten nicht, das etwa in Weizen steckt.

Roh: Das heißt, kein Lebensmittel wird über 42 Grad erhitzt. In Berlin öffnete mit dem « Rawtastic» jüngst ein reines Rohkost-Restaurant, das sogar Pizza und Kuchen anbietet. Nur roh macht aber nicht froh: «Es gibt einige Lebensmittel, die roh Giftstoffe enthalten», sagt Ernährungsberaterin Gahl. Andere gäben bestimmte Nährstoffe wiederum nur erhitzt frei.

Vegan:Fleisch, Fisch, Honig, Eier, Milch - tierische Lebensmittel sind für Veganer tabu. Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) geht hierzulande von 900 000 Veganern aus. Das entspricht 1,1 Prozent der Bevölkerung. «Für einen gesunden Erwachsenen ist es durchaus machbar, sich vegan zu ernähren», sagt Gahl. Vitamin B12, das vor allem in tierischen Produkten vorkomme, müsse aber zugesetzt werden.

Veggan: Der Trend zur veganen Ernährung treibt neue Blüten: Unter #veggan veröffentlichten Veganer im Netz Fotos ihrer Mahlzeiten mit eigentlich verpönten Eiern - auf deren Nährstoffe wollen die sogenannten Ovo-Vegetarier nämlich nicht verzichten. #veggan ist eine Neuschöpfung aus vegan und dem englischen Wort egg (Ei).

Superfood: Lebensmittel wie Chia-Samen, Goji- oder Açai-Beeren sollen einen besonders hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Stoffen haben. Inzwischen gibt es eigene Lokale und Kochbücher mit solchen «Superfoods». «Sie können den Speiseplan sicherlich ergänzen und vervielfältigen», sagt die DGE-Expertin Gahl. «Aber man sollte sich keine Wunder davon erhoffen.» Auch heimische Produkte wie Paprika und Brombeeren könnten mit einem hohen Vitamingehalt aufwarten.


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