Ist Essen aus der Mikrowelle eigentlich ungesund?

04.01.2017
Wenn es schnell gehen muss, dann wird eine Mahlzeit oder ein Getränk nicht selten in der Mikrowelle gegart oder erwärmt. Das geht viel rascher als auf einer Kochplatte - und ist gesundheitlich unbedenklich, solange das Gerät technisch einwandfrei funktioniert.
Ina Stelljes ist Mitarbeiterin der Pressestelle des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. Foto: Bundesamt für Strahlenschutz
Ina Stelljes ist Mitarbeiterin der Pressestelle des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. Foto: Bundesamt für Strahlenschutz

Bocholt/Salzgitter (dpa/tmn) - Eben noch im Tiefkühlschrank, wenige Minuten später verzehrbereit auf dem Essenstisch - die Mikrowelle macht's möglich. Innerhalb kürzester Zeit wird Gefrorenes aufgetaut oder eine am Vortag zubereitete Mahlzeit erwärmt.

Dafür sorgt im Inneren des Gerätes die Mikrowellenstrahlung mit einer Frequenz von 2,45 Gigahertz. Klingt gefährlich, ist es aber nicht. «Lebensmittel aus der Mikrowelle sind gesundheitlich unbedenklich», sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) in Bocholt. Ähnlich äußert sich auch Ina Stelljes vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter.

Rein theoretisch kann man täglich Speisen oder Getränke aus der Mikrowelle zu sich nehmen. Wer allerdings glaubt, frisch zubereitetes Gemüse portionsweise einfrieren zu können und nach dem Aufwärmen in der Mikrowelle noch ein Nahrungsmittel mit vielen Vitaminen zu sich zu nehmen, der irrt: «Die meisten Vitamine sind hitzeempfindlich», sagt Morlo. Durch Temperatur, Licht und Sauerstoff verringert sich nach ihren Aussagen der Vitamingehalt in Lebensmitteln und fertigen Speisen. Die maximalen Vitaminverluste schwanken zwischen 40 und 80 Prozent. Folat und Vitamin C können sogar vollständig verloren gehen.

«Wer seine Mahlzeiten oft in der Mikrowelle erwärmt oder gart, sollte täglich zusätzlich rohes Obst und Gemüse essen, um den Vitamingehalt zu optimieren», rät Morlo.

In jeder Mikrowelle befindet sich ein sogenanntes Magnetron, wie Morlo erläutert. Dieser Sender erzeugt elektromagnetische Wellen. Sie werden in den Innenraum des Gerätes geleitet, von den Wänden des Garraumes reflektiert und möglichst gleichmäßig im Gehäuse verteilt. «Die elektromagnetischen Wellen regen vor allem die Wassermoleküle in den Speisen zu starken Schwingungen an», erklärt Morlo. Aufgrund dieser Schwingungen entsteht Wärme. Lebensmittel mit einem hohen Flüssigkeitsgehalt erwärmen sich daher schneller als eher trockene.

Beim Aufwärmen von Nahrung in der Mikrowelle ist die Wahl des Geschirrs wichtig. «Eigens gefertigtes Mikrowellen-Geschirr eignet sich natürlich am besten, aber Porzellan und Glas gehen auch», sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Keinesfalls zum Braten, Kochen und Erhitzen in der Mikrowelle sollten Küchenutensilien aus Melaminharz verwendet werden, wie Prof. Andreas Hensel sagt. Er ist Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Der Grund: Werden diese Küchenutensilien den hohen Temperaturen in der Mikrowelle ausgesetzt, können höhere Mengen Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden und in Essen und Getränke übergehen. Dies kann schädlich für die Gesundheit sein.

Oelmann weist darauf hin, dass Lebensmittel in der Mikrowelle oft ungleichmäßig erhitzt werden. «Das hat zur Folge, dass sich beispielsweise ein Kakao beim Trinken am Anfang nur lauwarm anfühlen und im nächsten Augenblick den Mund verbrennen kann», erklärt sie. Wichtig ist daher: Erst umrühren, dann trinken. Damit Speisen und Getränke nicht spritzen oder an der Oberfläche trocken werden, sollten sie mit einer Abdeckhaube geschützt werden. Grundsätzlich sollten Verbraucher Speisen nach Ablauf der Erhitzungs- oder Garzeit einige Minuten im Gerät stehen lassen. «So verteilt sich die Hitze in der Speise am besten», empfiehlt Morlo.

«Schutzvorrichtungen sorgen dafür, dass im Betrieb nur sehr wenig Strahlung nach außen gelangt», betont Stelljes. Trotzdem kann nach ihren Angaben in der Umgebung der Sichtblende und der Türen eine geringe sogenannte Leckstrahlung auftreten. Hierfür ist in Sicherheitsnormen ein Grenzwert festgelegt - er liegt bei fünf Milliwatt pro Quadratzentimeter in einem Abstand von fünf Zentimeter von der Geräteoberfläche.

Messungen des BfS haben in der Vergangenheit ergeben, dass der weit überwiegende Teil der Mikrowellengeräte sich innerhalb des Grenzwertes befindet. «Bei technisch einwandfreien Geräten besteht keine gesundheitliche Gefahr, auch nicht für besonders schutzbedürftige Personen wie Schwangere oder Kleinkinder», so Stelljes. Grundsätzlich sollte aber eine unnötige Belastung mit hochfrequenten Feldern vermieden werden. Das BfS empfiehlt daher, dass sich vor allem Kinder während der Zubereitung des Essens nicht unmittelbar vor oder neben dem Gerät aufhalten sollten.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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