Experten raten von Pilz-Apps ab

16.09.2019
Der darf in den Korb, der da ist giftig? Ein digitaler Berater für die Pilzpirsch klingt praktisch. Das kann aber auch lebensgefährlich enden, warnt ein Toxikologe - und gibt Beispiele.
Wer sich nicht sicher ist, ob nur essbare Speisepilze im Körbchen gelandet sind, sollte sie von einem Pilzberater checken lassen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Wer sich nicht sicher ist, ob nur essbare Speisepilze im Körbchen gelandet sind, sollte sie von einem Pilzberater checken lassen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Pilze schnell und einfach bestimmen zu können - damit locken diverse Apps. Doch Pilzsammler sollten sich nicht blind auf die Vorschläge der Programme verlassen, rät die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM).

Es gäbe in Deutschland mehr als 6000 bekannte Großpilze, deren variables Aussehen keine App in allen Formen wiedergeben könne. Spätestens bei der Beurteilung, ob ein Vorschlag zutrifft oder nicht, seien schwerwiegende Irrtümer möglich. Deshalb empfiehlt die DGfM generell keine Apps zur Bestimmung.

Giftige Verwechslungen sind möglich

Zwar hätten die Apps oftmals mehr Bilder zu den jeweiligen Pilzen als ein Bestimmungsbuch. «Für das Auge eines unerfahrenen Pilzsammlers sieht etwa ein Perlpilz dem Pantherpilz zum Verwechseln ähnlich», sagt Prof. Siegmar Berndt vom Fachausschuss Pilzverwertung und Toxikologie. Eine Verwechslung sei aber gefährlich, da der Pantherpilz sehr toxisch ist.

Auch der eher bräunliche Königsfliegenpilz sehe dem roten Fliegenpilz und dem Pantherpilz sehr ähnlich, sei aber sehr viel giftiger. Der Pilzexperte denkt auch an den Grünen Knollenblätterpilz. «Ist der noch ganz jung, ist er leicht mit einem Champignon zu verwechseln», erklärt Berndt. Ein Unterschied sei an den Lamellen erkennbar. Beim Champignon seien die selbst im Jugendstadium immer leicht rosa. Beim «bösen» Knollenblätterpilz bleiben sie in jedem Stadium immer weiß.

Mit dem Messer am Stiel kratzen

Bernd hat auch noch einen Tipp, wie man einen Champignon vom ähnlich aussehenden Gift-Champignon unterscheiden kann. Wenn man mit einem Messer am Stiel kratzt, verfärbt sich der Giftpilz gelb. Alle gutartigen Champignonarten machen das nicht. Die giftige Variante erkenne man auch am Geruch. «Der riecht nach Karbol, also ein bisschen wie im Krankenhaus», sagt Bernd. Der gutartige Champignon riecht eher nach Anis und Pilz.

Auf Details sollten Pilzsammler auch achten, wenn sie sich über einen Pfifferling-Fund freuen. «Der wertlose Falsche Pfifferling hat sehr dünne Lamellen. Der gute Pfifferling dagegen sehr dicke, die dann Leisten heißen. Diese sind fest mit dem Hut verwachsen», sagt er. Der Falsche Pfifferling ist zwar nicht giftig, wird aber nicht als Speisepilz empfohlen, weil er kaum Geschmack besitzt.

Bei geringsten Zweifeln oder mangelnden Kenntnissen sollte die Pilzsammlung einem Sachverständigen oder einem Pilzberater vorgelegt werden. Die DGfM hält hierfür im Netz eine Kontaktliste bereit.

Pilzberatung der DGfM


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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