Aus für umstrittene Kakao-Werbung von Schulmilch-Lieferanten

26.11.2018
Ist gesüßter Kakao ein gesundes Getränk für Schulkinder? Die Verbraucherorganisation sagt «Nein» und bringt den Schulmilch-Lieferanten Landliebe zum Nachgeben.
Nach Kritik von Foodwatch verzichtet der Schulmilchlieferant Landliebe auf Werbung wie «Kakao steigert die Intelligenz». Foto: Marcel Kusch
Nach Kritik von Foodwatch verzichtet der Schulmilchlieferant Landliebe auf Werbung wie «Kakao steigert die Intelligenz». Foto: Marcel Kusch

Berlin (dpa) - Werbung wie «Kakao steigert die Intelligenz» hat der Schulmilchlieferant Landliebe nach Kritik der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch jetzt zurückgezogen.

«Diese Bedenken von Foodwatch nehmen wir ernst und haben entschieden, diese Aussagen künftig nicht mehr zu verwenden», hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Konzerns FrieslandCampina, zu dem Landliebe gehört. Gerügt habe Foodwatch formal-juristische Mängel, die man aufgreife. Zugleich verteidigte das Unternehmen in dem Statement die staatliche Förderung des Kakaos im Schulmilchprogramm.

Nach Darstellung von Foodwatch hat Landliebe nach einer Abmahnung des Vereins eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Demnach dürfen bestimmte Werbeaussagen zu gezuckerter Schokomilch nicht mehr verbreitet werden.

Unter anderem verzichtet Landliebe nach der der dpa vorliegenden Unterlassungserklärung in Broschüren oder auf Websites auf folgende Aussagen: «Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser», «Kakao schmeckt und macht geistig fit», «Kakao steigert die Intelligenz und Konzentration» sowie auf weitere Hinweise auf Leistungssteigerung durch Schokomilch. Trotzdem betonte Landliebe in der Erklärung, sachlich seien die kritisierten Aussagen aber zutreffend und wissenschaftlich untermauert.

Foodwatch ging auch mit Bundesländern ins Gericht, die das Schulmilchprogramm unkritisch mitgemacht hätten. «Wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein», sagte Vereins-Geschäftsführer Martin Rücker.

Die Verbraucherorganisation forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die einzelnen Schulen entscheiden selbst darüber, ob sie an dem Programm teilnehmen. Auch von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erwarte Foodwatch ein deutliches Signal gegen staatliche Förderung von Zuckerkonsum an den Schulen, sagte Foodwatch-Vertreter Rücker.

FrieslandCampina wies darauf hin, dass es gute Gründe gebe, dass nicht nur Milch, sondern auch zuckerhaltiger Kakao gefördert werde. Denn nicht alle Kinder würden pure Milch mögen. «Auch diese Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, in den Genuss von subventionierten Milcherzeugnissen zu kommen.» Dabei bleibe Landliebe deutlich unter der staatlichen Vorgabe für Schulkakao von 7 Prozent. «Wir finden es daher immer noch deutlich besser, wenn Kinder, die keine Milch mögen, zu Schulkakao greifen statt zu herkömmlichen Erfrischungsgetränken.» Unter anderem würden die Kinder durch das Programm mit Kalzium versorgt.

foodwatch

Infos zu Landliebe Schulmilch

Weitere Infos zu Landliebe Schulmilch


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wie gut die deutschen Neuntklässler in den Fächern Deutsch und Englisch sind, mussten sie bei dem IQB-Test unter Beweis stellen. Foto: Armin Weigel Schüler-Vergleichstest überrascht Nicht nur bei PISA-Tests geht es für Deutschland langsam bergauf. Auch der neue Ländervergleich zu den Schülern der 9. Klassen zeigt, dass manche Bildungsreformen greifen. Fortschritte gibt es im Fach Englisch - auch Rechtschreibung ist kein Katastrophengebiet mehr.
Der Entwurf einer möglichen künftigen Verpackung für Danones ACTIVIA-Joghurt mit einer fünfstufigen Farb-Skala in der rechten unteren Ecke. Foto: Alex Schelbert/Danone Neuer Anlauf für eine Fünf-Farben-Ampel auf dem Joghurt Sollten klarere Symbole auf Lebensmittel-Packungen kommen, damit Kunden «Dickmacher» leichter erkennen können? Nach langem Streit stehen 2019 politische Klärungen dazu an - und auch erste Premieren.
Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland ist übergewichtig oder sogar fettleibig. Vor allem Kinder aus armen Verhältnissen sind betroffen. Foto: Ralf Hirschberger Übergewicht bei Kindern immer noch stark verbreitet Immer dickere Kinder? Das Horrorszenario des vergangenen Jahrzehnts ist ausgeblieben. Deutschlands Kinder und Jugendliche sind nach der großen Langzeitstudie KiGGS nicht kränker geworden. Aber was heißt das?
Weintrauben der Rebsorte Trollinger haben viel Fruchtfleisch, im Schalenteil jedoch sitzen die Gerbstoffe für den Geschmack. Foto: Sebastian Gollnow/dpa Tschüss, Trollinger? Winzer werkeln an schwäbischem Zechwein Der Trollinger gehört zum Schwabenland wie Spätzle und Zwiebelrostbraten. Doch der Zechwein hat keinen allzu guten Ruf - die Anbaufläche sinkt, andere Weine drängen nach vorne. Nun steuern manche Winzer um.