Zehn Jahre Ebay-Kleinanzeigen

05.09.2019
Vor zehn Jahren ging die Marke Ebay-Kleinanzeigen online. Jede Minute werden inzwischen rund 500 neue Inserate auf dem Portal geschaltet - nicht selten kuriose. Neu war die Idee schon damals nicht.
2014 sorgte der Verkauf des Segelschiffs «Alexander von Humboldt» auf Ebay-Kleinazeigen für Aufregung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
2014 sorgte der Verkauf des Segelschiffs «Alexander von Humboldt» auf Ebay-Kleinazeigen für Aufregung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin (dpa) - Wer sein altes Fahrrad, den abgenutzten
Küchenschrank, oder den überholten Staubsauger loswerden will, hatte
es selten so leicht wie heute: Schnell ein paar Fotos mit der
Handykamera gemacht und in wenigen Minuten das Angebot online
gestellt.

Geht alles gut, ist man schon wenig später um ein paar Euro
und etwas Platz in der Wohnung reicher. Für Millionen Menschen ist
für solche Transaktionen das Internetportal Ebay-Kleinanzeigen die
erste Anlaufstelle. Die Marke feiert nun zwar ihr zehnjähriges
Bestehen. Doch eigentlich ist das Angebot des Ebay-Konzerns deutlich
älter.

30 Millionen Nutzer monatlich

2009 ging das Kleinanzeigen-Portal aus dem bestehenden Online-Angebot
Kijiji hervor, das es in anderen europäischen Ländern nach wie vor
gibt, und damals schon zu den größten Kleinanzeigen-Plattformen
in Deutschland gehörte. Unter dem Namen Ebay-Kleinanzeigen ist das
Geschäft stetig weiter gewachsen. «In seinen ersten Monaten zählte
der Online-Kleinanzeigenmarkt durchschnittlich acht Millionen
Besucher pro Monat», teilt das Unternehmen mit. «Bis 2018 stieg die
Zahl der Nutzer auf durchschnittlich 30 Millionen pro Monat.» Jede
Minute veröffentlichen sie demnach rund 500 neue Anzeigen - die
meisten davon in den drei größten Städten Deutschlands.

Dass sich das Geschäft mit Kleinanzeigen zunehmend im Internet
abspielen würde, hatten schon lange vor 2009 nicht nur Ebay, sondern
auch zahlreiche Verlage erkannt. Print-Anzeigenblätter wie Avis, der
heiße Draht oder Quoka hatten beim Antritt von Ebay-Kleinanzeigen
schon längst ihre eigenen Online-Portale. Private Kleinanzeigen im
Print lagen damals schon auf niedrigem Niveau und sind in den
vergangenen zehn Jahren laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
(BDZV) noch einmal um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Online spielt die Anzeigen-Musik

«Um im Wettbewerb mit Online-only-Anbietern bestehen zu können,
kooperieren zahlreiche Verlage im Rubrikengeschäft», sagt
BDZV-Sprecherin Anja Pasquay. Doch online spielt die eigentliche
Musik. «Nahezu jeder Zeitungsverlag in Deutschland hat im Internet
entsprechende Angebote», sagt sie mit Blick auf die aktuelle Lage.
Dazu gehören auch auf bestimmte Nischen spezialisierte Portale wie
die Job-Anzeigen-Plattform Stepstone oder das Immobilienportal
Immowelt.

An Ebays Reichweite gelangt allerdings keiner von ihnen - zumindest,
was den allgemeinen Markt mit Kleinanzeigen angeht. Das zur Hälfte
dem Verlag der Rheinischen Post und der Ippen Mediengruppe gehörende
Portal markt.de kam zuletzt nach Angaben des
Online-Forschungsunternehmens Agof mit monatlich im Schnitt knapp
zwei Millionen Besuchern lediglich auf einen Bruchteil.

Kuriose Inserate

Das mag auch daran liegen, dass Ebay-Kleinanzeigen immer wieder bei
besonders kuriosen Inseraten Aufmerksamkeit bekommt: Schon im Jahr
2011 löste eine Kleinanzeige Aufregung aus, in der jemand zwei Babys
aus Nordrhein-Westfalen zur Adoption angeboten hatte. Kürzlich
kritisierte der Deutsche Tierschutzbund den Handel mit lebenden
Tieren auf der Plattform. «Die Online-Plattform ermöglicht unseriöse
Verkäufe ebenso wie nicht sachkundige Spontankäufe, die das Tierwohl
massiv gefährden», warf der Verband dem Konzern vor.

Der wiederum erinnert lieber an das Angebot des Dreimastseglers
«Alexander von Humboldt», das vor allem aus der Werbung der Biermarke
Beck's bekannt war und für 750.000 Euro zum Verkauf stand; oder an
2,2 Millionen Klicks, die ein Anbieter bekam, der seinen alten VW als
«Dreckskarre» anpries. Auch ein Waggon der Wuppertaler Schwebebahn
stand schon zum Verkauf. Da wirkt es schon fast langweilig, wenn es
weiter von Ebay heißt: «Am häufigsten wird Kleidung angeboten.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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