Worin die Kunst der Platten-Pflege besteht

20.12.2018
Schallplatten sind angesagt: Seit einigen Jahren werden die Tonträger nicht nur aus den Kisten hervorgeholt, sondern auch wieder neu gekauft. Doch wie behandelt man seine alten und neuen LPs möglichst pfleglich?
Am Ende des Tonabnehmersystems sitzt die Abtastnadel, die durch die Rillen fährt und dann und wann ebenfalls gereinigt werden sollte. Foto: Andreas Huwald
Am Ende des Tonabnehmersystems sitzt die Abtastnadel, die durch die Rillen fährt und dann und wann ebenfalls gereinigt werden sollte. Foto: Andreas Huwald

Berlin (dpa/tmn) – Entschleunigtes Musikhören liegt im Trend. Allein 2017 sind in Deutschland 3,3 Millionen Schallplatten verkauft worden, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) erhoben hat. 2016 waren es 3,1 Millionen und 2015 erst 2,1 Millionen.

Gleichzeitig steigt die Anzahl der verkauften Plattenspieler: 2017 verzeichnete der Branchenverband gfu 126.000 verkaufte Plattenspieler – 20.000 mehr als 2016. Und für das Jahr 2018 werden sogar 152.000 Verkäufe prognostiziert.

Antistatische Bürste

Wer viel in seine Vinyl-Leidenschaft investiert, will sich auch lange an der Musik von den LPs erfreuen. Hier gilt schon einmal: Wer seine Platten regelmäßig reinigt, hat länger etwas davon. Meist stehen Platten im Regal, so dass ein regelmäßiges Entstauben alternativlos ist. «Für Staub und anderen Dreck eignet sich am besten eine antistatische Bürste», rät Dennis Plauk vom «Mint»-Magazin für Vinyl-Kultur. «Die sollte man sich als Besitzer von Tonträgern auf jeden Fall zulegen und ist in der Anschaffung auch nicht teuer.»

Die Anwendung ist simpel: Die LP ganz normal auf den Plattenspieler legen und starten. Während sich die Platte dreht, wird die Bürste mit sanftem Druck der Länge nach zwischen Platten-Etikett und -Rand aufgesetzt und verbleibt für einige Runden in dieser Position. «Man sollte unbedingt darauf achten, die Bürste nicht zu fest aufzudrücken und sie in Richtung der Rillen im Kreis über die Schallplatte zu bewegen», erklärt Viktoria Gasteiger vom Plattenspieler-Portal «33eindrittel.com». Idealerweise findet das Säubern vor jedem Auflegen einer Platte statt.

Doch es gibt auch Plattenwaschmaschinen, die mit einer Mischung aus destilliertem Wasser und Reinigungsmittel arbeiten. Man muss einfach eine Platte einlegen und den Waschvorgang starten, an dessen Ende die Platte sogar abgesaugt wird. «Eine Investition in eine Plattenwaschmaschine ist meist erst bei einer großen Anzahl von einigen Hundert Platten sinnvoll», meint Dennis Plauk. Wer nur wenige Schallplatten besitzt, könne dies auch in manchen Plattenläden waschen lassen – immer mehr Geschäfte böten diesen Service an. Häufiger abgespielte Tonträger sollten alle zwei bis drei Jahre einmal gewaschen werden. Platten, die eher selten ihren Weg auf den Plattenteller finden, kommen noch länger ohne Wäsche aus.

Mikrofasertuch und Reinigungsmittel

Als kostengünstigere Alternative zur Plattenwaschmaschine können die Platten bei leichten Verschmutzungen auch mit einem Mikrofasertuch und Reinigungsmittel gesäubert werden. Letzteres lässt sich einfach aus warmem Wasser, Spülmittel und Isopropyl-Alkohol herstellen. Es gibt Reinigungsflüssigkeiten aber auch fix und fertig zu kaufen. «Bei der Reinigung sollten sich Verbraucher unbedingt von der Plattenmitte fernhalten. Wird das Label nass, kann es sich verfärben oder sogar lösen», warnt Viktoria Gasteiger. Deshalb gilt: Flüssigkeit vorsichtig auftragen, einwirken lassen und mit einem Mikrofasertuch abwischen.

Neben der Reinigung ist auch die Lagerung der LPs wichtig. «Platten sollten in einer antistatischen Innenhülle aufbewahrt werden. Vinyl und Innenhülle kommen dann in eine Außenhülle», erklärt Dennis Plauk. Bei den Außenhüllen gebe es zwei Modelle: wiederverschließbare und offene. Ziehen Besitzer die offene Variante vor, sollte sich die Öffnung der Außenhülle nicht an derselben Seite befinden wie die Öffnung des Plattencovers, damit Staub und Schmutz nicht so schnell auf die Platte gelangen können. In der Regel sind Plattencover an der rechten Seite offen, die Außenhülle sollte dann mit der Öffnung nach oben über das Plattencover geschoben werden, rät Plauk.

Wenig Berührung

Zusätzlich gilt: «LPs sollten grundsätzlich senkrecht aufbewahrt werden», sagt Plauk. Bei einer waagerechten Lagerung drohten Verformungen im Vinyl und Druckstellen in den Covern - was sich negativ auf den Klang auswirken und mit einem Wertverlust für die in Mitleidenschaft gezogenen Platten einhergehen kann.

Bevor eine Platte aufgelegt wird, sollte man sich die Hände waschen. Und: «Generell ist es besser, Schallplatten so wenig wie möglich zu berühren. Vor allem die Ränder und das innere Label sind sehr empfindlich», sagt Viktoria Gasteiger. «Auf den Händen befinden sich nämlich immer Rückstände von Fett und Schmutz, die so auf die Platte kommen.» Außerdem sollte - falls vorhanden - die Schutzhaube des Plattenspielers immer wieder heruntergeklappt werden, damit möglichst wenig Staub auf die Platten und ins Gerät gelangt.

Rezept zum Herstellen von Schallplattenreiniger

Die Nadel sauber halten

Auch eine saubere Nadel beim Plattenspieler trägt zur Langlebigkeit von Schallplatten bei. Zudem leidet der Klang, wenn die Nadel etwa staubig ist. Daher sollte sie von Zeit zu Zeit mit einer kleinen Bürste gereinigt werden. «Wichtig dabei ist, immer in Längsrichtung der Nadel – von hinten nach vorne oder umgekehrt – zu wischen», erklärt Viktoria Gasteiger vom Plattenspieler-Portal «33eindrittel.com». Alternativ kann man zur Reinigung auch hier mit einer Tinktur arbeiten oder mit einem speziellen Ultraschallgerät.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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