Worauf es bei IP-Kameras ankommt

31.10.2019
Videos, die für ein sicheres Gefühl sorgen: Überwachungskameras können zum Schutz der eigenen vier Wände praktisch sein. Technisch wie rechtlich gibt es allerdings eine ganze Menge zu beachten.
Sieht aus wie eine Skulptur und fällt auf den ersten, schnellen Blick gar nicht als Kamera auf: die Kasa Cam von TP-Link. Foto: TP-Link/dpa-tmn
Sieht aus wie eine Skulptur und fällt auf den ersten, schnellen Blick gar nicht als Kamera auf: die Kasa Cam von TP-Link. Foto: TP-Link/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist gesunken. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2018 weniger als 100.000 verzeichnet - ein Minus von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch: Nicht wenige Eigentümer wollen ihre eigenen vier Wände überwacht wissen und bringen dafür vernetzte Kameras an.

Bei Netzwerkkameras oder IP-Kameras handelt es sich um LAN- oder WLAN-fähige Videokameras. «Die Kameras versenden ihre Bilder über eine Netzwerkinfrastruktur, die Laptops, Smartphones und weitere Geräte bereits zum Netzwerk- und Internetzugang nutzen», erklärt Andrijan Möcker von der Fachzeitschrift «c't».

Drei Typen von IP-Kameras

Momentan finden Verbraucher drei Typen auf dem Markt. Bei lokalen IP-Kameras bleiben die Aufzeichnungen und Daten auf einem Server im Heimnetzwerk - ein Vorteil, wenn zum Beispiel das Internet ausfällt. Allerdings muss die Auswertung lokal erfolgen, was zusätzlichen Aufwand bedeuten kann, erläutert Möcker.

Sogenannte Cloud-IP-Kameras speichern ihre Aufnahmen hingegen auf einem Server im Internet - was häufig mit einem Abo verbunden ist. Bedient werden die Geräte meist über eine Smartphone-App oder eine Weboberfläche. Besonders wer technisch weniger versiert ist oder aber keine zusätzliche Hardware möchte, profitiert laut Möcker von Cloud-IP-Modellen.

Von Nachteil sei aber, dass je nach Videoqualität nicht unerheblich viel Upstream-Bandbreite am Internetanschluss belegt wird. Und die Daten gingen unter Umständen verloren, wenn die Webverbindung ausfällt.

Manche Modelle verbinden beide Funktionsweisen und lassen dem Nutzer die Wahl, in welchem Modus die Kamera betrieben werden soll.

Viele IP-Kameras haben zudem einen Speicherkarten-Slot. Auf einer SD- oder Mikro-SD-Karte werden Videodaten im Gerät abgespeichert. Eine Alternative für jene, die ihre Aufnahmen nicht auf einem Server wissen wollen. Sie nehmen auch ohne Netzverbindung auf.

Bewegungssensoren erkennen Tiere und Menschen

Die Kameras verfügen meist über Bewegungssensoren. Diese nutzen elektromagnetische Wellen mit einer hohen Frequenz, um die Umgebung zu scannen. Als Auslöser zur Aufnahme können zum Beispiel nur Objekte definiert werden, die selbst eine Wärmequelle darstellen - darunter Menschen, Tiere, aber auch Fahrzeuge.

«Über eine zugehörige App kann dann eine Push-Mitteilung auf dem Smartphone erscheinen, wenn eine Bewegung erkannt wird», erklärt Tim Metzger vom Technikportal «Netzwelt.de». Eine praktische Funktion sind außerdem einstellbare Aufnahmezeiten, so dass die Kamera nur bei Abwesenheit aktiv ist.

Beim Kauf sollten Verbraucher auf einige Qualitätsstandards achten. Wenn die IP-Kamera für den Außeneinsatz vorgesehen ist, sollte sie wetterbeständig und daher mindestens gemäß IP65 geschützt sein, so Metzger. Die Schutzart IP65 besagt, dass die Kamera staubdicht und gegen Strahlwasser aus einem beliebigen Winkel geschützt ist.

HD-Auflösung und Weitwinkeloptik

IP-Kameras sollten mindestens HD-Auflösung bieten und über eine Weitwinkeloptik ab 100 Grad aufwärts verfügen, um einen möglichst großen Teil der Umgebung abzudecken. Um auch im Dunkeln «sehen» zu können, benötigt eine Netzwerkkamera Infrarot-LEDs.

Zudem sollten Verbraucher darauf achten, dass die Kamera und die jeweilige App oder PC-Anwendung mit einem sicheren Passwort geschützt ist. «Wichtig ist, nach der Ersteinrichtung das Standardpasswort zu ändern und stets die aktuelle Firmware zu installieren», empfiehlt Metzger. «Das beugt eventuellen Sicherheitslücken vor.»

Hinweisschild für Besucher

Wer eine Überwachungskamera aufstellt, platziert idealerweise eine Warnung und macht Besucher durch ein Hinweisschild darauf aufmerksam, dass sie gefilmt werden, rät die Stiftung Warentest. Rechtlich auch wichtig: Eine Außenkamera muss in der Regel so installiert werden, dass sie nur das eigene Haus oder Grundstück filmt.

Auch das Filmen in den eigenen vier Wänden etwa von Putzkräften unterliegt gegebenenfalls rechtlichen Schranken. Es ist laut der Stiftung Warentest, wenn überhaupt, nur in bestimmten Ausnahmefällen zulässig. Grundsätzlich verzichten sollte man auf Kameras im Bad.

test.de: FAQ zur privater Videoüberwachung

Privatsphäre im Zusammenhang mit IP-Kameras

Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes 2018 (pdf)

chip.de: 20 Netzkamera-Empfehlungen


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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