Wie Kroatien Urlaubern sicheren Aufenthalt ermöglichen will

02.07.2020
Das Land an der Adria mit seinen vielen Buchten und Inseln schätzen viele Deutsche als Urlaubsziel. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist nichts mehr so wie es war. Oder bietet Kroatien gerade abseits des Massentourismus relativ sichere Nischen?
Mit seinen vielen Buchten und Inseln ist Kroatien bei deutschen Urlaubern beliebt. Doch trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen in den Ferienorten werden wohl viele von ihnen diesmal fern bleiben. Foto: Grgo Jelavic/Pixsell via XinHua/dpa
Mit seinen vielen Buchten und Inseln ist Kroatien bei deutschen Urlaubern beliebt. Doch trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen in den Ferienorten werden wohl viele von ihnen diesmal fern bleiben. Foto: Grgo Jelavic/Pixsell via XinHua/dpa

Krk/Fazana (dpa) - Das EU- und Adria-Land Kroatien wirbt im Schatten der Corona-Krise verstärkt um deutsche Urlauber. «Bei uns ist es sicher, wir arbeiten professionell, wir halten uns an die behördlichen Empfehlungen», sagte Nedo Pinezic, der Koordinator des Wirtschaftsverbands Glas Poduzetnika (Stimme der Unternehmer). Vor allem Urlauber, die mit dem eigenen Wagen anreisen, hätten nichts zu befürchten.

Die typischen Urlaubsformen in Kroatien seien Aufenthalte in privaten Unterkünften, in kleinen Hotels oder auf Camping-Plätzen, fügte Pinezic hinzu. Damit ließen sich Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum reduzieren. «Es gibt genügend Platz für Privatheit.»

Niedrige Übernachtungszahlen erwartet

Mit seinen vielen Buchten und Inseln ist Kroatien bei Urlaubern beliebt. Zugleich erwirtschaftet der Fremdenverkehr in normalen Zeiten bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wegen der Corona-Pandemie befürchtet Pinezic, dass die Branche in diesem Jahr gerade mal auf 30 Prozent der Übernachtungszahlen und 20 Prozent des Umsatzes von 2019 kommen könnte. Wirtschaftsforscher befürchten, dass die Volkswirtschaft deshalb 2020 um 9 bis 12 Prozent schrumpfen wird.

Haus- und Hotelbesitzer, die Betreiber von Ferienanlagen und Gastronomen stemmen sich gegen den drohenden Meltdown. In Fazana auf der Halbinsel Istrien lockte das Feriendorf Bi Village in der Zeit vor dem Lockdown jährlich tausende Gäste an. «Im Juni hatten wir 40 Prozent der Buchungen im Vergleich zum Juni 2019, aber nur 20 Prozent des Umsatzes», beschreibt Uros Martinovic, der stellvertretende Direktor der Betreiberfirma, den aktuellen Stand. Wo die Gäste coronabedingt weniger dürfen, geben sie weniger Geld aus. Für die gesamte Saison erhoffe man sich 50 bis 60 Prozent der Gästezahlen der Vorsaison. «Werden es nur 40 Prozent, wären wir auch schon zufrieden», meint er.

Eigene Sicherheitsvorschriften in Bi Village

Für die Sicherheit in Corona-Zeiten gelten behördliche und eigene Vorschriften, sagt Martinovic. Die Restaurants im Feriendorf bieten weniger Plätze an, damit der Sicherheitsabstand zwischen den Gästen gewahrt bleibt. Das Unterhaltungsprogramm wurde zusammengestrichen.

Für die Strände gelten eigene Regeln. Liegestühlen müssen paarweise in Abständen von 4,5 Metern aufgestellt werden. Nur so viele Menschen dürfen an den Strand gelassen werden, wie es die Einhaltung des Sicherheitsabstands erlaubt. Die Ordnungsdienste der Gemeinden sollen über die Einhaltung der Vorschriften wachen.

Wie genau all dies genommen werden wird, falls sich doch eine größere Zahl von Menschen an beliebteren Orten wie Fazana einfinden sollte, lässt sich noch nicht abschätzen. In manchen Restaurants entlang der Adriaküste ist schon jetzt zu beobachten, dass man gerne eng beieinander sitzt, wenn die Stimmung steigt.

Zugleich klagt man an den südlichen Küstenabschnitten mit den längeren Anreisewegen über das fast komplette Ausbleiben der Gäste. «Die «Riviera von Makarska» ist verlassen», schrieb die in Split erscheinende Tageszeitung «Slobodna Dalmacija» entsetzt. «Die Vermieter haben die Terrassen saubergewaschen, neues Mobiliar in die Appartements gestellt und die Bettlaken glattgestrichen - allein, es kommen keine Gäste».

© dpa-infocom, dpa:200702-99-644707/3

Webseite von Glas Poduzetnika, Kroat.

Blog von Nedo Pinezic, Kroat.

Webseite von Bi Village, Dt.

Bericht in Slobodna Dalmacija, Kroat.

Corona-Zahlen bei index.hr, Kroat.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Passanten gehen auf der Brücke «Pont de Bir-Hakeim», mit Blick auf den Eiffelturm. Foto: Philippe Lopez/AFP/dpa Urlaubsziele in Europa vor dem Neustart Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Hält der Trend bei den Corona-Infektionszahlen an, könnten in Europa viele Grenzen ab 15. Juni wieder offen sein. Urlauber und Tourismusbranche schöpfen Hoffnung.
Rijeka ist seit Jahresbeginn Europäische Kulturhauptstadt. Von Prag aus ist die kroatische Hafenstadt bald direkt mit dem Zug zu erreichen. Foto: Darko Bandic/AP/dpa Neuer Touristikzug verbindet Prag mit der Adria Touristen aus Deutschland dürfen bald wieder nach Tschechien einreisen. Wer von Prag aus einen Abstecher zur Europäischen Kulturhauptstadt Rijeka machen möchte, kann dafür bald auch den Zug nutzen. Zur kroatischen Hafenstadt soll es eine Direktverbindung geben.
Nicht nur Griechenland hofft darauf, im Sommer den Tourismus trotz Corona wieder ankurbeln zu können. Foto: Gregor Mayer/dpa Wie sich Länder auf internationale Touristen vorbereiten Für internationale Reisen gilt bis mindestens zum 15. Juni eine Reisewarnung - ab wann also Griechenland, Kroatien oder Dänemark wieder zu greifbaren Urlaubszielen werden, ist noch unklar.
Viele Urlaubsregionen in Europa bereiten sich trotz der corona-Krise auf die Sommersaison vor. Foto: Yorgos Karahalis/AP/dpa Gute Aussichten für den Sommerurlaub 2020 Wer dieses Jahr trotz Corona noch einen Sommerurlaub im Ausland plant, braucht gute Nerven. Nach wie vor sind die Grenzen dicht. Doch Stück für Stück wird klarer, welche Ziele ab wann angesteuert werden können. Und die Preise könnten vergleichsweise günstig sein.