Welche Kopfhörer sollen es sein?

24.01.2019
Ablenkung auf dem Heimweg, Abschottung von der Außenwelt oder das besondere Klangerlebnis auf dem Sofa: Kopfhörer lassen sich für viele Zwecke nutzen. Entsprechend groß ist die Vielfalt an Bauarten - und die Verwirrung bei Käufern.
Die Auswahl auf den Kopfhörer-Markt ist groß und bunt. Foto: Andrea Warnecke
Die Auswahl auf den Kopfhörer-Markt ist groß und bunt. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - Eigentlich geht es bei Kopfhörern vor allem darum, dass nicht alle um einen herum die Musik von Smartphone, MP3-Player oder Anlage mithören müssen. Was sich einfach anhört, ist in den vergangenen Jahren aber zu einer Wissenschaft geworden.

In-Ear, On-Ear oder Over-Ear. Akustisch offen oder akustisch geschlossen. Mit oder ohne Kabel. Das sind nur einige Entscheidungen, die Verbraucher bei der Wahl ihres Kopfhörers treffen müssen.

Immer mehr auf dem Vormarsch ist die kabellose Bluetooth-Variante. «Aktuell geht der Trend bei Kopfhörern in Richtung True Wireless, also dem kompletten Verzicht auf Kabel», sagt Peter Schlossnagel vom Portal «Kopfhoerer.de».

Ein Vorteil der Bluetooth-Modelle: Sie lassen sich mit anderen technischen Geräten smart vernetzen und bieten damit mehr Optionen als nur Musikhören. «Immer mehr kabellose Kopfhörer wollen uns durch Herzfrequenzmessung oder Schrittzählung in Sachen Fitness-Coaching unter die Arme greifen», erklärt Schlossnagel. Praktisch ist: Viele Hersteller liefern bei Bluetooth-Kopfhörern ein Kabel mit. So können Verbraucher die Kopfhörer zum Beispiel an der Stereoanlage nutzen. Nachteil der Funk-Modelle: Der Akku muss regelmäßig geladen werden.

Eine weitere Frage stellt sich bei der Form: im Ohr, auf dem Ohr - oder über dem Ohr?

Wer es klein und handlich mag, setzt auf In-Ear-Kopfhörer. Der Klassiker lässt sich leicht transportieren. «Wenn die Kopfhörer den Ohrkanal mit einer Manschette luftdicht abschließen, können sie selbst tiefste Bassfrequenzen druckvoll übertragen», sagt Hartmut Gieselmann von der Fachzeitschrift «c't». Wegen ihrer Größe eignet sich diese Form ideal für sportliche Aktivitäten. Jedoch droht mit zunehmender Nutzungsdauer wegen der geringen Stabilität früher oder später ein Kabelbruch.

Klassik- und Jazz-Liebhaber greifen idealerweise zu Over-Ear-Modellen, die also das gesamte Ohr umschließen. Sie überzeugen durch ihre klangliche Bandbreite, weil durch ihre Bauform das Klangbild beeinflusst wird - der Sound wirkt räumlich differenzierter und meist lassen sich einzelne Instrumente genau zuordnen. Von Nachteil - vor allem im Vergleich zu In-Ears - sind Größe und Gewicht. «Aber auch der Anpressdruck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Sitzt der Kopfhörer zu eng, entsteht ein unangenehmes Druckgefühl, welches sogar schmerzhaft werden kann», sagt Schlossnagel.

Eine dritte Bauart für die Ohren sind die On-Ear-Kopfhörer. Der Vorteil: Diese Modelle liegen direkt auf der Ohrmuschel auf und sind im Vergleich zu In-Ear-Kopfhörern robuster. «Damit sie Bass gut übertragen, brauchen sie jedoch einen hohen Anpressdruck, der auf Dauer unbequem wird. Angenehmer zu tragen sind große Kopfhörer, die die Ohrmuschel komplett umschließen», sagt Gieselmann.

Eine weitere Unterscheidung gibt es zwischen akustisch offenen und akustisch geschlossenen Modellen. Hierbei geht es vor allem um die Klangqualität: «Offene Kopfhörer sind für Klang-Connaisseurs geeignet, die ihre Musik in einem ruhigen Umfeld genießen können und ein ausgewogenes Klangbild mit weitläufiger Raumdarstellung schätzen», erklärt Klaus Laumann von der Fachzeitschrift «Stereoplay». Geschlossene Konstrukte hingegen dichten den Bereich zwischen Ohr und Schallerzeuger für bessere Basswiedergabe und gegen Störeinflüsse von außen ab. «Insofern sind Kopfhörer mit geschlossener Bauform vor allem im mobilen Einsatz und in lauten Umgebungen die beste Wahl.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Es muss nicht immer ein Mikrofon im Headset eingebaut sein. Wer nur Musik hören will, kann bei eingehenden Anrufen auch einfach ins Mikrofon des Smartphones sprechen. Foto: Franziska Gabbert Musikfreund oder Telefontalent: Das richtige Headset finden Wer bei Mobilgesprächen gerne die Hände frei hat, greift zu einem Headset. Aber welches Modell vom kabellosen Knopf bis hin zum Riesenkopfhörer ist die richtige Lösung? Die Wahl hängt auch davon ab, ob und wie viel Musik über die Hörer laufen soll.
Sonys neuer Kopfhörer WH-1000XM3 (ca. 380 Euro) kann Umgebungsgeräusche herausfiltern und verschiedene Geräuschqellen unterscheiden. Der Akku soll bis zu 30 Stunden durchhalten. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung auf der IFA Musikhören ohne störende Nebengeräusche gibt es dank Noise Cancelling schon länger. Auf der IFA zeigen Hersteller nun Modelle mit verbesserten Klangprozessoren, die einzelne Geräusche durchlassen.
Musik hören immer und überall: Das machen Kopfhörer möglich. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Drin, drauf oder drum: Den passenden Kopfhörer finden Bequem sollen sie sein, leicht zu transportieren obendrein, und vor allem sollen sie gut klingen. Das richtige Modell für sich zu finden, ist dabei gar nicht so einfach. Denn kaum etwas ist so individuell wie der eigene Kopfhörer.
Insbesondere bei Reisegeräuschen funktioniert NC-Technologie sehr gut. Foto: Andrea Warnecke Noch mehr Lärm für Ruhe: Noise-Cancelling-Kopfhörer Ein Knopfdruck, und der Umgebungslärm verstummt. Was sich wie ein Traum anhört, lässt sich – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen – mit speziellen Noise-Cancelling-Kopfhörern realisieren. Kurios: Damit das gelingt, wird eine zusätzliche Lärmquelle benötigt.